Der Komet.
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Handgriffe dazu kommen, die man unter demDiamantschaffen unbemerkt macht; oder wen» gar(was das Wahrscheinlichste, aber eben nicht daSMittheilbarste bei so weit aussehenden Operaziv-nen ist) irgend magnetische Bezüge (liapponts)meines Körpers mit Leitern und Nichtleitern, dieich scheidekünstlerisch bearbeite, mich gleichsamj zum Alleinschöpfer der Steine hinaufschraubten ; jaj wenn auch kein anderes Wunder bei der Sachemitwaltete, als das alltägliche, daß nur gewissenMenschen Säen und Pflanzen geräth, oder vorWeibern in gewissen Verhältnissen der Wein un-ter dem Abziehen umschlägt,wie mir denn selber dererste Diamant gänzlich umgeschlagen: so muß ickmeine Versuche wenigstens noch oft und mitgleich guten Ausgängen wiederholen, bevor ichein bestimmtes gutes Rezept zum Machen einesDiamanten mitzutheilen vermag.
"Und dann, wann ichs endlich habe: theil' ich esnatürlich niemals mit. Wie würd' es mit allengekrönten Häuptern beiderlei Geschlechts aussehen,wenn ich ihre Krvnjuwelen so gemein machte, wieHaarnadeln? Schon Bvrneo, Bengalen undGolkonda gehen mir mit ihren Beispielen vorund lassen immer nur wenige Diamantgrubenzum Erhalten des HochpreiseS bearbeiten (*).Durch mich soll es am wenigsten geschehen, daßder russische Hof, dessen größter Diamant 77YKarate wiegt, oder auch der französische, dessentlrnnck - Savcx, oder eigentlich tlent - 8ix, eSwenigstens bis zu 106 1/2 Karaten treibt, anGlanz einbüßen, und sogar den Hofrath Beireißwill ich mit seinem Steine schonen. Aber dannmuß ich allein das Geheimniß behalten und völligerHerr über die großen Diamanten, die ich mache,sein,um sie nöthigen Falls zn verhehlen. Aber wahr-lich, kein Mensch in Europa, soll einen so sanftenGebrauch von seinen Juwelen machen, als ichvon meinen; am Ringfinger will ich sie nichttragen (blos einige nöthigste), sondern in derganzen Hand und zwar versilbert, um sogleichalle Nvthleidende, so wie alle Wissenschaften undalle Künstler und alles zu unterstützen. Dennniemand kann den Menschen, zumal den erbar-mungwürdigsteii, so gut sein, wie ich, und ichhabe mich heute ordentlich gefreuet, daß es soviele Bettler auf dem Markts gab, denen allenzu helfen ist; und ich möchte vor Liebe fast weinen,ihr guten Herren und Damen!" - —
Der kahlköpfige Goldarbeiter dachte nebst einpaar andern Gästen »»gemein tief über manchesnach.
— Ich will sogleich eine wichtige Nachrichtüber gute Diamautenrezepte machen, sobald ich»ur das Kapitel mit seinen Begebenheiten zuEnde gebracht. —
Jetzv schon nach seiner Rede konnt' er es nichtlassen, daß er einige sehr arme Anverwandte vomTische in die Küche hinaus lockte und sie da vor-läufig beschenkte, um noch unter dem Essen ihrerseligen Dankbarkeit gegenüber zu sitze»; denn sieetwa erst beim Abscdiednehmen von der Schwelleaus mit einem übervolle» Herzen, plombiert unterdas Bstlkiffe», von sich wegzuschicken, dabei hätt'
(*) Krüniy Enjykl. Art. Diamant.
er wenig gewonnen, da er die Ausbrüche ihrerSeligkeit nicht lange genug vor sich gehabt hätte.
Denken und bedenken aber konnt' er heute amallerwenigsten, und etwa gute, genaue Linienblät-ter sich in einem Zustande, wo er mit rauschendenFreudenfittichen bewachsen war, und er vor Flü-geln auf keinem Beine stehe» konnte, innerlichvorzureißen, wär' ihm am Tische nicht leichter ge-worden, als sich in einem Schnellsegler barbierenoder in einem Luftschiffe Korn auSdreschen.
Desto besser reden konnt' er; und dies that erdenn. Nur wenige Menschen genießen in be-sonderem Grade das Glück des Arsenikkönigs aufSt. Helena, welcher an seiner Tafel nicht nur derTongeber, auch der Tonnehmer sein konnte, undseinen Marschäilen unter den Tischreden nichts ließ,als die Ohren. Aber der Apotheker als Diamant-König oder i-egulu» durfte sich und alles auSspre-chen, und er konnte, wenn er wollte, nicht nurbehaupten, daß zweimal zwei entweder mehr oderweniger als vier gebe, sondern auch daß es gera-dezu vier ausmache,was man höher» Orts oft nichtgern hört. Ueberhaupt kann ein reicherWirth man-ches an seiner Tafel gegen die Mathematik durch-setzen.
Dem Apotheker schmeckte sein Reden über sichimmer süßer, so daß er vor den Ohren des Frei-mäuerers wieder in seine Jugend und Lere»Plane mit aufrichtigem Selberlvbe hinein geriet!)— ob ich gleich jedem lieber mit der Zukunft, dienoch nicht reden und widersprechen kann, großzu-tkun rathe, als mit der Vergangenheit, der dasReden nicht zu verwehren ist —; und keinHerz wurde wohl durch seine Selberschildereien sosehr gerührt, als sein eignes. Leider aß Worbleunaufhörlich unter dem Beifalle, den Nikolaus sichselber abnöthigte, Pfefferinünz- oder Gedächtniß-scheiben und bot auch ihm dergleichen mehrmalan. Ich halte dies für wahre Intoleranz desfremde» Selberlvbs. Wenn hohe Häupter auslän-dische Münzstätten —z. B. die pariser—niit ihrenBemchen beehren: so ists etwas Gewöhnliches,daßdie Münzmeister unvermuthet unter demPrägstockeeine neue funkelnde Ehrenmedaille, worauf vieleLorbeeren und Legenden für die Häupter eben ab-geprägt worden, vorholen und überraschend über-reichen. Allein auf ähnliche Weise und mit nähe.rem Recht schlagen Neu-Reiche, wenn sie anderein ihrem eignen Münzhause herumführen, aufder Stelle Ehrenmünzen auf sich selber und wei-sen sie auf, und man erstaunt über die Kunst.
Auf einmal fiel in Marggrass Reden die türki-sche Musik draußen ein, die gewöhnlich am Jahr-markt gegen 10 Uhr durch die vollen Straßenzieht, und den prosaischen Jubel durch einigenpoetischen verklärt. Da er nun in seinen kleinen,engen Jahren gerade in solchen Meßnächten weni-ger von seinen Eltern bewacht, gewöhnlich mitden Kindern der Gäste und Fremden im Hause denprächtigen Tönen nachschwamm im breiten Kna-benstrome; so ergrünte jetzo die ganze Kinderzeitvor ihm, und das heute so oft bewegte Herz bekam Ivon den Tvnschwingungen einen neuen Schwung, iWie auf dem Theater ein im Prunkzimmer rasch !aufschießender Vorhang plötzlich auf denselbenBoden einen Garten stellt: so wurde jetzo an I