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Der Komet
! seinen Glanzsaal die kindliche Spielwiese gerückt.Er erzählte alle» Gästen, er sehe sich ordentlich,wie er sonst so froh und unter so seltsam drücken-den Ahnungen einer Zukunft, als Kind mitgelau-fen ; und er bekannte, daß diese selige alte Mustkgerade heute an einem so schönen Lage besondersin ihn eindringe.
AVer schon, daß er darüber sprach, überfüllteihm das Herz und — gegen sei» Streben — auchdie Augen. Er stand auf, trank ei» Glas rechttapfer aus, um sich fest anzustellen, und begab sichdavon. Der Stößer, den Hunden ähnlich, dieihren Herrn in Gesellschaft immer ausspähend an-blicken, war ihm heimlich hinterdrein gewedelt,bis er ihn zuletzt durch die Thürspalte auf seinemZudeckpvlster mit dem Bauche liegend erblickte.Stoßen kam eS vor, als seufze sein Herr, und erdeutete es auf Leibgrimmen oder so etwas. Aberblos Ton- und Freudenfülle und 'Augenfülle undweichste Zerschmolzen!,eit hatten den Apothekerauf das scheinbare Krankenlager geworfen. Nunnahm der Stößer vollends wahr, wie jener sichmühsam in die Höhe richtete und auf dem Bettezu knien suchte, wo er, wie es schien, außer demFingerkreuzen wenig mehr von einem Gebete, alsdie Worte zusammenbrachte: --O du allgütiger, all-lieber Gott!-- Stoß, dem noch immer das Bauch-grimmen im Kopfe steckte, fiel am wenigste» aufein Oankgebet, womit sich die überfüllte Brustetwa lüften wollte, sondern er fuhr ins Zimmerund fragte, was ihm Dummes passiert sei, da erja so bete in der Noth. --Ach, — sagte Marggrafmit gebrochener Stimme — nichts als lauter Gu-tes, wie Er weiß, und deswegen dank' ich Golt —Aber geh' Er und wart' Er den Gästen auf.Warum schleicht Er hinten nach?-- — --kavilien!will ich denn unten was sagen vom Bett (versetzteder Stößer), wenn man mich fragt
Heftige Freude ist ein Blitzstral, der am unschäd-lichste» am Golde frommer Gesinnung uns durchWasser der Rührung niedergeht.
Aber nach Stoßens Gebet - Störung mußteMarggraf zu einem andern Ableiter seines Freu-denfeuers greifen. Himmel! wie sehr hat derMensch nicht nur im Glücke das Unglück, auch inder Rührung die Schranke zu bedenke»! Dennhätte Marggraf ein wenig dieses bedacht, undI,ätte er nur überhaupt sich erinnert, wie der Teu-fel jede Gelegenheit abpaßt, dem Menschen allenZucker und sogar das gewöhnliche Salz (denn Zu-cker ist auch eines) zu versalzen: so wäre derHeld eines solchen Tages schwerlich in der Nachtauf der Gasse mit einem Gefolge aufgetreten, anwelches kein Leser—ich wette die ganze kommendeNachschrift darauf — denken wird.
Aber so — weil er eben nichts erwog — ginger aus dem Bette zum Unteraufschläger Schleifen-heimer aus Pisäkendvrf, demselben Manne, der ineinem Vorkapitel aus seinem Gartenfenster heraus-hangt und unsern Helden als Knaben an denHaaren in die Höhe gezogen.
Nachschrift des guten Rezeptes zu äch-ten Diamanten.
Ich schäme mich nicht, zu bekennen, daß ich ausMarggrafs Baurede über seinen ersten Diaman-ten wenig Haltbares zum Nachmachen zu ziehenvermocht und eher dadurch dümmer geworden alsklüger. So hole doch der Henker seinen Schlüsse!zu seinem alchemischen Schatz- und Schmuckkäsi.chen, wenn dieses mit einem Vexier- unt-Kombi-nierschlosse zugeriegelt ist! Auch der gute Leserwird eben so wenig als ich nach dem längste»Studium des Marggraf schen Rezeptes weder durchKochen, noch durch Rösten, auch nur einen Dia-manten für eine Glasermeister-Faust, geschweige füreinen Fürstenringfinger zur Welt fördern. — Unddieser Umstand ist um so betrübter, da dem Leserselber schon so viele vom Apotheker zu Stand ge-brachte Diamanten wirklich durch die Hand gelau-fen, und zwar in den Jahren I7LY und yo;denn die damalige auffallende Menge von Stei-nen, welche man für Einfuhr der französischenAuswanderer zum Theil ansehen wollte, ist jezvleicht erklärt, da, wie der Leser von mir weiß, derAnfang der Marggraf'schen Geschichte gerade injene Jahre gefallen.
Dazu kommt noch etwas, das »och weil mehrauffallen und kränken kann. Nämlich mehreJahre später nach dem Kirmesgastmahl — so daß !folglich Marggraf seine frühere Erfindung mußte zselber gemacht und nirgend gestohlen haben — !behauptete Davy in England, Kohlen zu Dia- !manten, nur Laß die Edelsteine etwas gelblicht iund dunkel ausfielen, versteinert zu haben Lurch !die voltaische Säule; was freilich hinterher gardarauf hinausgelaufen (*), daß er die Kohle bloszu einem Körper abgehärtet, den wir in derChemie gewöhnlich Anthrazit oder Kohlenblemenennen. Aber auffallend genug ist, baß der spä-tere Britte so sichtbar mit dem frühern Deutsche»zusammentrifft, und man kann sich kaum derVermuthung erwehren, daß etwas Aehnlichcs,wie zwischen Leibnitz und Newton in Rücksichtder Erfindung der höhern Analysis, hier zwischenMarggraf und Davy in Beziehung auf die desDiamanten, der gegen Metalle auch eine unend-liche Größe ist, obwalte, besonders da Las Tisch-gespräch schon durch den aufmerksamen Gold-arbeiter konnte verbreitet worden sein. Auchdie voltaische Säule Davy's unterstützt mich,denn der Thurm neben dem faulen Heinze warvermuthlich eine und sie die wahre Mutter desEdelsteins, der Heinz aber nur der Brütofen fürdieses Ei.
Um indeß chemischen Laien — besonders weib-lichen Geschlechts — in einer so wichtigen Sachedoch einiges Licht mehr zu geben, als der Apothe-ker angezündet, hab' ich über das Verhältniß zwi-schen Kohle und Diamant mit unsäglicher achttä-giger Mnke (denn Chemie versteh' ich nicht) fol-gende chemische Tabellen entworfen.
(*) Flörke's Repertorimn des Wisscaswürdlgstcn w.
V. i