Der Komet
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der Kummer mit dem Diebs - Sazckehend zurück-steigend glaubten, umzingelten uns umfaßten dieBauleiter, und schrien wechselnd: "Räuber, Schlei-fenheimer, Räuber!»
Kein Mensch ist wohl leichter zu fangen, alseiner, der auf einer Leiter steht. Der Apothekermeßte geradezu den Rückzug antreten, und vonhinten den beiden Hebungbedienten in die aufneh-menden Arme sinken, wollt' er nicht mit der Leiterumgeworfen werden. »Was Sakerment habt ihroben eingesteckt ?" war die erste Frage des trunk-nen Schergen; er gab sich aber selber durch einenGriff in Marggrafs Tasche die Antwort, nämlichden Silberkegel. -,Herr Schleifenheimer (wurdeallgemein gerufen) ! Sie sind bestvhlen
Anfang« hatte der Unteraufschläger die Rufe :Schleifenheimer! Räuber ! viel zu sehr aufallein nach der Mischungrechnung bezogen undalso nichts von seiner Existenz gezeigt, wie denngewisse Menschen, wie nach den Orthodoxen derTeufel, gern ihr Dasein geläugnet sehen — aberda er die schöne Distinkzivn zwischen Stehlenund Bestohlenwerden in seinem Bette vernahm:so trat er im seidnen Schlafrock aus Fenster undgab dem Häscher. der die Geldwalze empor hobund fragte, ob ihm nicht der Spitzbube Liefe tau-send Gulden gestohlen, kopfnickend die Antwortherab, er komme den Augenblick, so wie er wäreim Nachthabit. Er war sogleich auf den Seiden-flügeln herabgeflattert. Der Apotheker blieb an-fangs noch so gelassen, daß er einwandte, er habedem Herrn da ein kleines Präsent mit der Rollemachen wollen; über welche Ausflucht die beidenFänger herzlich lachen mußten. Der Häscherschwur, er habe ihn damit herauSsteigen, und derNachtwächter versicherte , er habe ihn Las Geldeinstecken sehen. Schleifenheimer, dem der Hä-scher die Rolle hinhielt, versetzte : „Mein ist esallerdings; mit meiner eignen Hand steht ja dar-auf geschrieben : 100 fl. rhl. in 2g kr. Unterauf-schlägerei Pisäkendorf." — „O Sie ewig verfluch-ter Todfeind ! " rief Marggraf, und riß grimmigdem Schergen den silbernen Klöppel aus derHand, welchen der seidne Schlafrock zum Läutenseiner großen Glocke einsetzen wollte. „Räuber!"schrie der Dreiklang. Der Häscher suchte seinenStock empor zu bringen, der Nachtwächter hieltdas Horn in die Luft.
Da kam der Zude Hvseas, der seinen Diaman-tenherrn im Gefechte erblickte, gelaufen, mit ei-nem feinen Svmmerdegen, auf welchen er ebenetwas Weniges geliehen hatte. Die Fänger hiel-ten ein und wollten dem vornehm - ungezognenHerrn Bericht erstatten ; aber dieser ergriff vorallen Dingen Marggrafs Partei, und hörte nurihn und konnte darauf den Unteraufschläger fra-gen, ob er an ihn nicht selber alle Pisäkendorf'sche»Einkünfte von, vorigen Jahre habe einliefern müs-sen, und ob er wohl wage, sich zu dieser Geldrolle^ zu bekennen.
Die Sache ist auf einer halben Seite erklärt.Nämlich das Markgrafenthum HvhengeiS warmatdem verfluchten Uebel geplagt, daß es zwarGeld hatte, aber nie genug, und daß es zwar !Auflagen und Schulden machen konnte, aber nie !genug. Es waren —dies soll erstlich Schuld kar-
an sein — die obern Staatrechner, bis zumFürsten hinauf, mit dem Augenübel behaftet, wo-mit Pentheus von den Göttern für seine Neu-gierde nach den Mysterien des Bacchus heimze-ucht worden, mit dem Uebel, alles d opp elt zusehen, was indeß Bacchus besten Freunden auchohne Strafe begegnet —, hauptsächlich doppelt denInhalt des Privalbeutels, und des Romerbeutels,wovon folglich der eine die Verdopplung desNehmens, und der andere die des Ausgebens mo-tiviert, eine Sache, die unter dem NamenKameral-Verrechnung bekannter ist. — Dabeiwar nun — zweitens — der Umlauf des Geldessehr geschwächt durch den Durch- und Ablauf des.selben, welchen jeder, der, (wie ich) kein Hohen-geiser Landeskind ist, ohne Gefahr Hof-Der-schwendung nennen kann. In HvhengeiS griffengar beide Schöpf-und Gießräder in einander,weil der aussterbende Fürstenstamm, wie andereBäume vor dem Ausgehen, stark blühen woll-te.
Ist indeß ein Land mit dem Geld-Durchfall(Diarrhöe), mit dieser Nervenschwindsucht (neu-vus rerum gereucksruin) befallen: so befolgtdie Regierung mit Recht Galenus Regel, wäh-rend der Krankheit selber böse Gewohnheiten,wenn sie auch Mütter derselben sind, nicht abzu-danken, und setzt also unter dem Verarmen ärzt-lich das Verschwenden fort. I» diesem Fallewerden Finanzräthe und Minister — römisch zureden — gelinde zu den Metallen verurtheilt; undhaben solchen überall nachzugraben.
Hier sah man nun im Markgrafthum, wie ineinem Neuspanien, daß das verachtete Judenthumeben so gut im Finanzwesen, wie früher in derReligion, die Unterlage des Christenthums seinkönne. — Juden gaben und nahmen schön — Lasneue Testament und Evangelium des Finanzwe-sens wurde in Hebraismen geschrieben — Für dieMinister, jüdische Prowlyte» des Thors, war derJudentalar ein gutes Schwimm - und Korkkleid —An der Uhr des StaatS waren zwar Christen LaSSchlaggewicht, aber Juden das Gehgewicht —Kurz, eS war noch viel schöner, als ichs hiermale, und ich wünsche wohl einmal durch ein sol-ches Land zu reisen.-
Schleifenheimer, welcher die Frage des Judenüber die Ablieferung der Geldrolle verstanden,wollte nicht gern seine Amtehre zum zweitenmaleverlieren, sondern versetzte: "Dieses Geld mein'er auch nicht, sondern das andere, das der Apo-theker, sein alter Todfeind, der auf der Leiter beiihm eingebrochen, noch müsse in der Tasche ha-ben. "
In Liese wollte der Scherge fahren, aber Marg-graf entzog ihm mit der Linken den Alpenstock,mit welchem der Trunkne besser stehen wollte,und brachte auf seiner Stirn mit der langen Geld-stange den hinlänglichen Windstoß zum Umfallenan. Jetzo nun begann das Treffen, und ich glaubenicht, daß ich je ein hitzigeres beschrieben, oderauch Napoleon im Itlonitsur; man sieht aber,was Menschenkräfte vermögen, wenn sie sich auf.machen.
Anfangs der Schlacht bei Rom — so heißt sieallgemein — war der Feind dreimal so stark und