Der Komet.
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bestand aus dem Nachtwächter, dem Unterauf-schläger und dem Schergen, der mit seinem gan-zen umgeworfenen Körper oder Corpus den Bo-den besetzte oder belegte. Marggraf war blos sostark wie er selber; denn der Schlichter mit sei-nem Svmmerdegen war kaum für eine bewaffneteNeutralität anzusehen. Mit dem linken Flügelkonnte der Apotheker, weil er ihn blos in der Lin-ken hielt, nämlich mit dem Alpenstock, nur schwachoperiere» und ihn wenig oder nicht entfalten; jaeS mußte ihm genug sein, damit das Ochsenhvrndes Nachtwächters zu beobachten und abzuhalten,welcher nicht mit der Spitze des Horns, wie dieStirn des ersten Besitzer«, sondern mit dem stum-pfen weiten Ende die Ausfälle that und sehr ge-schickt es, so gut zu Hieb, als zu Stoß, folglichsowohl gegen Schultern, als gegen Bauch zu füh-ren wußte.
Aber mit dem rechten Flügel, in der rechtenHand, mit der Kreuzerstange, hieb er schnell aufalle Glieder des Schleifenheimer scheu Gesichtesunter beständigem Rufen ein: »Da, da, nimmdas Geld, da stiehls, Du Lügner, du ewiger,verfluchter Todfeind!» — Dieser suchte still blosdie Rechte des Apothekers zu entwaffnen, undfing unaufhörlich nach dem Stoßgewehr, um dessenSpitze abzubrechen. Der Häscher fiel dem Apo-theker, statt in den Rücke», gar in die Fersenund suchte ihn daran zur Niederlage zu nöthigen.Der Nachtwächter setzte sich in den Besitz seineslinken Arms, welcher den Stock leitete (der gan-ze linke Flügel wurde dadurch unthätig gemacht),und wollte ihn als Krieggefangenen fortführen;als Marggraf zwischen zwei Feuern — dem Mi-nierkorps des Schergen unten, und der Seiten-bewegung des Nachtwächters oben — mit einerTapferkeit focht, daß der letzte ein gläsernes Augeeinbüßte, und, wie die größten Feldherren, Ziska,Hannibal, Bajazeth, Philippus, nur einäugigkommandierte — und daß aus des Unteraufschlä-gers Nasenlöchern, die dem Stangenkanaster derGeldrolle am stärksten ausgesetzt waren, Blukbächeflössen, welche sich am Kinne zu einem rothenJudas - Spitzbärtchen paarten — und Laß er sel-ber unbekümmert, was er am Häscher «rtrete,mit den Füßen vorrückte, dabei grimmig rufend:,, O Ihr Sünder sämmtlich! Wollt' ich doch beuteso liebreich sein und Gott Dank bringen — undIhr setzt mich hier in solche verfluchte Teufels-Wuth, Ihr Teufel, Ihr Unmenschen, Ihr Un-christen!"
Noch schwankte gänzlich der Sieg. Der Schlich-ter Hoseas, der mit seinem Svmmerdegen derSchlacht hätte, wie man glaubt, den Ausschlagzu geben vermocht, wollte durchaus nicht ziehen,um das verpfändete Mordgewehr nicht mit Men-schenblut zu beflecken; nichteinmalmit der Scheidewollt' er ernsthaft drein stechen und schlagen, weiler zu beschädigen fürchtete, nicht den Feind, son-dern den karlsivn. Ja, als er endlich durch denZorn des Häschers, der unten alles anpackte,—bis sogar des Juden Schuhschnallen, — so weitgereizt und gewonnen war, baß er zur Verthei-digung seiner Füße den Svmmerdegen bei derSvitze ergriff und mit dem Gefäße plötzlich los-brach und über die Hände des Feinde« herfiel:
was waren die bedeutenden Folgen eines so spätenFeld- und Nachzugs? Melden nicht alle uns be-kannte Kriegberichte, daß der Häscher im Grimmedas Degengefäß mit der Hand gefangen und dieScheidenspitze gewaltsam durch Hoseas manche-sterne Hosen getrieben, so daß nicht nur derJude geschrieen: Ich bin durchstochen," sondernauch der Häscher im Dummsein: »HülfeDerHoseas hat mich erstochen I» — Aber sind diesdie Siege, auf die ein Marggraf an seinem Dia-manten. Triumphtage mit Ehren zählt?
Glücklicherweise war schon lange das Gerüchtvom Anfange der Schlacht bei Rom in die Apo-theke getragen worden. Der Stößer fuhr als Re-serve heraus. Ruhiger folgte ihm der Hvfstallma-ler, welcher seinem Pudel die Laterne, womit dasThier gewöhnlich ihm vorlaufen mußte, vorher an-hing und anzündete. —
Auch Süptitz war ziemlich gesetzt von Weitemnachgegangen; hatte aber, sobald er das Gedrängeder Anfälle auf den Apotheker wahrgenommen unddaraus den Schluß abgezogen, daß dieser sich über-mäßig wehren und um sich schlagen müßte, sich ausSchonung für ihn davon gemacht, um nicht alsZeuge gegen seinen Wohlthäter aufgerufen zu wer-den, wenn dieser der Uebelthäter an irgend je-mandes Gliedern geworden wäre.
Stoß stürzte sich mitten ins dickste Schlachtge-tümmel und stellte darin im Kriegfeuer ein Lauf-feuer vor — eine Lauferspinne — einen Schach-springer — einen Hvpstänzer — einen Harttraber(zumal für den liegenden Schergen) einen Hüpf-Punkt (punctum satten») —; ein äußerst schnellhin und her fliegendes corp» war er, weil ersonst keine anderen Kräfte hatte. Auch zu rühmenist der Eifer, womit der Stallmaler zu den aller-tapfersten Thaten anspornte, mit den Worten:„Stößer, zugestoßen Nur aufgewixt! Niemandgeschont, beim. Henker!" Denn der Maler wollterecht lange das köstliche Schauspiel festhalten, daßder Pudel, der sein Laternenlicht wie eine Leucht-kugel auf das Schlachtfeld warf, durch den tiefenStand seiner Nachtsvnne am Halse eine unge-wöhnliche, malerische Beleuchtung auf alle gekreuz-ten, kämpfenden Beine, so wie auf den Mittel-grund, den Häscher, fallen ließ; — etwas Schöne-res war Renovanzen nie vorgekommen, noch aufkeinem Gemälde.
Aber Stoß, von zu schwacher Natur und zukurzer Statur, keineswegs gewachsen den beidenlangen Flügeln, dem Nachtwächter und dem Un-teraufschläger — (denn vom durchbrochenen, näm-lich umgebrochenen Zentrum des Heers, vom Hä-scher, ist ja keine Rede) — merkte bald, daß erwenig erfechten würde, wenn er nicht, anstatttaktisch, ganz strategisch verführe. Es war alsoreine Strategie, Laß er den Nachtwächter um-ging bis er ihm in den Rücken und darauf in die ^Haare fallen konnte, welche letzte er durchaus be- jHäupten und ziehen mußte, um ihn daran, indem ^er ihm zu gleicher Zeit mit der Handkante einen ihinlänglichen Schlag auf den Uebergang von der ^Nase zum Mund ertheilte, behend umzureißen. ^Schon wurde der strategische Plan ausgeführt, iDen Uuteraufschläger hingegen, dessen seidner !Schlafrock ihm ungebunden entgegen flatterte.