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Der Komet.
faßte er blos an solchem an, und benutzte den lan.gen Rock geschickt, wie ein Seil, womit Hvlzhackereine halb durchsägte Tanne nach einer bestimmtenSeite hinzufallen zwingen; und suchte ihn rück-lings neben den Nachtwächter zu legen; — wasihm jedoch nicht in einer solchen Schnelle gelun-gen wäre, daß er sogar selber ihm nächste!, hättenicht zur nämlichen Zeit der Apotheker glücklicher-weise wieder mit dem Sturmbalken der Vierund-zwanzigkreuzerstücke die Stirn des Aufschlägersberennt. Kriegverstäudige sehen ohne mein Er-innern, daß es ganz die vorige Strategetik war.
Noch aber war der Sieg nicht ganz entschieden,als herrlich und recht unverhofft der papierneSturmbalken zerfuhr und alle die Stücke, womiter geladen war, die Dierundzwanzigkreuzerstücke,auf den liegenden Postzug von Krieger» schössen.Wieder ein neues Gefecht im Gefecht! Jeder ver-gaß alles, stch ausgenommen, und haschte, — derHäscher, der, wie die Morgenstunde, einiges Goldoder Geld im offnen Munde halte — der Nacht-wächter — der Unteraufschläger besonders — so-gar der Stößer, der dem Feinde nichts gönnte —auch der hosendurchstochene Hoseas bückte sich underhob — mehre Zuschauer streckten stch selber nie-der, und der liegende Kriegschauplatz langte überden stehenden hinaus — Marggraf schüttelte garden Stumpf von Vierundzwanzigern gleichgültigüber die Silberhochzeitgäste hinab, und schritt un-angetastet und hurtig davon.
So hatte daS Fallen seines Staatpapie-reS ihm Sieg und Frieden gebracht. Was dasdarauf entstandene Nachtreffen, oder den Sukzes-ssonkrieg über die Kreuzerstücke anbelangt, so ge-hört es nicht in meine Geschichte des wichtigenTreffens bei Rom, so kunstgerecht in der Ausfüh-rung, so weitgreifend in seinen Folgen, die nochdauern!
Zu erzählen ist nur noch, daß Marggraf matt,blaß, stumm sich nach Hause begab, und darin stchallen Gästen durch Einsperren entrückte. DemFreimäuerer Worble, welchem er unweit desKriegschauplatzes begegnete, soll er auf seinenscherzhafte» Glückwunsch gar keine Antwort gege-ben haben. Ich berühre mit Fleiß diese» für denFeldzug so geringfügigen Umstand, weil ich denFeinden des Freimäuerers, welche daraus gerneine Marggraf'sche Mißbilligung seiner Neutrali-tät und Furchtsamkeit erschließen, und so denFreund des Apothekers in Schatten stellen wolle»,hier offenherzig sagen will, daß Marggraf blosaus tiefem Schmerze über die heutige erste (eigent-lich zweite) Kränkung seiner Ehre und über diezerreißende, kälteste Unterbrechung seiner weichstenGefühle, gegen die Scherze Worble's stumm ge-blieben ; aber ganz und gar nicht aus Empfindlich,keit über dessen furchtsames Beiseite - Stehenwährend der Schlacht. Der Apotheker wußte sogut als wir, nur noch früher daß der Freimäue-rer unter allen Dingen in der Welt nichts so be-sonders scheuet« und floh, als — Prügel; undauch Liese nur wegen möglicher Wunden davon;denn sonst war er tapfer genug, und wie oft hatt'er nicht selber gesagt: --Hundert Dinge woll' erertragen, als ein Mann, Schimpfreden, Beutel-eere, Hitze und Kälte, auch einigen Hunger und
Durst so ziemlich; man spüre dergleichen nicht un-aufhörlich, oder wenn man schläft. — — Ver-fluchte Wunden hingegen, welche Tage und Nächtelang fortstechen nnd fortbeißen, die seien für we-nige gemacht, und kein Held habe sie gern, —Noch dazu müsse man stch solche von andern imFluge geben lassen nach fremder Willkür ohne ir-gend eine Uebereinkunft, wie breit etwan, wie tief,und wo? — Daher verliere auch Prügeln, dassonst jeder dichterisch - komische Kopf so gern inder Darstellung der Kunst genieße, ja durch blo-ßes Heraussehen aus dem Fenster, auf der Stellealle» poetischen Werth für den Dichter, wen»er selber mit seinem Leibe hinein gerathet
Elftes Kapitel,
worin ein höchstes Handschreiben endlich ernsthafteAnstalten zu einem Anfange der gegenwärrigenGeschichte trifft, und worin man an manchenDingen mehr gewinnt, als an Verstand ver-liert.
Ich möchte wohl wissen, ob am Morgen daraufirgend ein Rvmer aus dem Apotheker klug wer-den konnte, besonders die Schwestern, welche dagerade auf die größten Nachkirchweihen derFreude so entschieden aufsahen — oder seinFreund Worble, der so vielmal ganz vergeblichund ganz heftig an die verschlossene Arbeit- undGeburtstube der Diamanten anklopfte, daß Marg-graf innen wider Willen stark rufe» mußte, vordrei Tagen seh' er keinen Mensche» an — odervier oder fünf seiner einfältigsten Blutverwand-ten, welche ganz stch in ihn zu finden glaubten,wenn sie es für wahre Grobheit ansahen, Laßer von ihrem Abschied keinen Abschied nahm— oder sogar der scharfblickende Stoß, der amfaule» Heinze saß vor einem werbenden Dingewie ein größter Diamant, und welcher zwei Nächtelang ohne Noth ins Feuer guckte, ob ihm gleichsein Prinzipal befohlen hatte, zu Bette zu gehenund nicht in Einem fort so zu wachen, wieer selber.
— Die Sachen' standen aber freilich so —und darum wurde niemand daraus klug —:das Doppelspiel des Schicksals, das den Apo-theker an demselben Tage, wie zu einer Folter,recht in die Ehrenhöhe hinaufgezogen, um ihnschnell auf den harten Lasterstein einer Dieb-schande herabfallen zn lassen, hatte durch denSturz sein ganzes Herz erschüttert und dadurchdas Gehirn dazu. Es war ohnehin mehr derletzte Auszug der Nacht,als sein schon von den an-der» Auszügen des Tages vvllgedrücktes und ermü-detes Herz noch zu tragen und zu fassen vermochte,
-Ueberlegte man nur überhaupt sorgfältiger,
wie kleine, sogar unverdiente Brandwunden derEhre doch von einem unauslöschlichen gleichsamgriechischen Feuer geschlagen werbe» — wie Las