Band 
IV.
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Der Komet.

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gute Bewußtsein sie nicht ganz löschen und küh-len kann, falls man nicht etwa eine so kleine öf-fentliche Schande, wie zuweilen in London,auf ei-nem Pranger aussteht, wo die Zuschauer anstattmit faulen Eiern, als bessere Richter mit frischenBlumen bewerfen: so würde ein gutes Herz,das so gern und so leicht von den Leiden derDürftigkeit mit Einer Gabe erlöst, noch eifrigerden Ehrengebeugten mit allen Zeichen tröstenderAchtung aufzuhelfen trachten, da ein Mensch demandern leicht das Tadeln, folglich noch leichter dasLoben glaubt. — Es gibt wenige Schmerzen,welche nicht alle Menschen oft, wenigstens einige-male, geduldet hätten und dadurch ertragen ge-lernt ; aber dem Schmerze einer öffentlichen Be-schämung bleiben die meisten Glücklichen entrückt,und ein Unglücklicher bleibt ihm erliegen, weil erein ganz neuer erster i.st.

Im setzten Fall war Marggraf. Daher wollteer sich retten und rächen ; er mußte Rom beschä-men ; er wollte den allergrößte» Schövfungtagerleben, den sechsten, nämlich den Geburttaq ei-nes größten Diamanten, und dann, mit langenGo dsäcken an jedem Gliede behängen, vor Romsich hinstellen und die Frage thun: Kennst dumich, du grobes Nest? — Bestiehl mich nun, duRabennest!"

In ihm war nämlich Lust und Hoffnung vor-handen. von den heiligen drei Königen — (leichtso zu nennen, weil Diamanten, nach Art derMetallköniqe, Kristallkönigs sind), da ihm nachdem «mächten Steine oder König tauch unter dendrei Weisen war einer ein Mohr > ein ächter ge-lungen war, endlich den dritten glänzendsten zumachen, der nicht weniger wöge, als hundert undsechs und dreißig und drei Viertel Karat.

Kurz, er wollte wirklich einen Regentenmachen.

Nun ist freilich ein Regent leichter in einemFürstenhause, als in einem faulen Heinze, oderin einer voltaischen Säule zu machen ; aber es istja hier offenbar die Rede blos von jenem großenDiamant-Regent, oder auch Bitt genannt, wel-chen zuletzt Pitts Feind und Ovfer, Bonaparte,besessen haben soll.

In stummer, schwüler Versenkung in sich selbernahm er dem einsingen Diener die besten Arbeitenab, mit welchen dieser sich gern für die Gesvräcbeschadlos gehalten hatte, die ihm gleichfalls entzo-gen und verboten worden. Denn der Stößerhatte mehre, zum Erheitern angelegte Bauten vonTriumphpforten für die Tavkerkeit des Herrn,und von Triumphpförtchen für die des Dienerseinstellen müssen; Marggraf wollte von derNachtwächter-Nackt durchaus nichts hören. Essenund trinke» wollt' er auch nur wenig; welcherNebenpnnkt dem anhänglichen Diener so wehe that.daß er sein eignes verstärkte, um sowohl das Fastendes Magens auszudauern, als Las Verhungern undverdursten seiner eignen Zunge, über welche keinTropfen und Bissen von—Worten gehen sollte.Er sagte recht ernsthaft in der Apotheke : „KeineDienerschakt hälts in die Länge mit einem Prin-zipal, der fastet, aus, wenn sie nicht dabei viel

i ißt und frißt."

! Schon in der ersten Nachtwache glühte Marg-

grafs Gehirn mit dem Ofen fort und wurde selberein fauler Heinze; denn der sonst Lüste undKöpfe abkühlende Morgen wurde für ihn viel-mehr ein wahrer Kühlofen, dessen Hitze die Ar-beiter kennen. Zuweilen murmelte er: „EinPrinz von Geburt ist kein Dieb, ganz und garkein Dieb."

Jn der zweiten Nachtwache schlug sein Geistes-Brand ganz hell aus ihm heraus. Das bisher ver-sperrte Wachsbild der Prinzessin und GeliebtenAmanda, da« er sogar vor dem vertrauten Stoß, alssein erstes und einzige« Geheimniß, verborgen gehal-ten, holte er selber in der Standuhr, aus seinerHeiligenblende unter dem Dache, herab und «nachteweit die Standuhr auf, und stellte zwei Lichterdavor, um das holde Köpfchen wie einen Trost wieeinen Enges, unaufhörlich anzuschauen.

Es war schon in der Nachmitternacht, als erdas unbewegte, wenn auch nur mit tauben Blütenaber von« Helldunkel verklärte Gesicht, auf das erseine von« Feuer geblendeten Augen lange einpvrgeheftet, feierlich anzureden anfing, halb träu-mend, halb schauend, Inneres und AeußereS ver-schmelzend ;

»Amanda! Steh'mir bei, und gib das Zei-chen, daß ich dich wiederfinde! — Bei Gott, riefer, sie bewegt die Auge» und die Hände und stehtmir bei! " Da aber die Wachsbüste nur Auge»,keine Hände hatte: so sah er ohne Frage imHalbtraum eine andere Gegenwart und Erschei-nung, als außen vor ihm stand. — Stoß sah garnichts als den Seher.

„Amanda, himmlische Gestalt! — fleht' ersehnsüchtig — gib mir ein gutes Zeichen, Laß ichmeinen Vater finde! — O sieh doch, Stoß,wie sie Ja nickt!" — Dieser blickte hinauf undfing selber vor lauter Angst zu sehen an und sagte:„Ach, Herr Gott! „

"O du theuerster, liebster Vater, du willst dei-ne» Sohn aufnehmen? — Ach steh! ach sieh! Ermachks so mit den Armen nach mir!" rief Marg-graf und streckte die seinigen aus. Er sah näm-lich im fernen Spiegel Heine eigne Gestalt, die erder Aehnlichkeit wegen für die väterliche hielt,und an welcher er blos sein eiqnrs Arinausbreitenund seinen eignen elektrischen Haarschein wahr-nahm; aber durch das bisherige Fortglühen sei-nes ganzen Wesens hatt' er sich im eigentlichenSinne selber magnetisiert, und alles Innere ge-staltete sich also leicht ZU Aeußerem. „Ich sehevom alte» Herrn gar nichts — versetzte Stoß,welcher glaubte, der alte Apotheker Henochsei erschienen — aber ich bin auch kein Sonntag-kind."

Marggraf schanete wieder zu Amanda hinaufund bat: "Himmlisches Wesen, gib mir ein Zei-chen. daß mein Werk gelingt, gelungen' O Gott,sie reicht mir die Hand, und hat schon den Dia-manten an« Finger," rief er, ohne nach dem Ofenhinzusehen.

"Mir ist auch so was, sagte Stoß. Wenndergleichen ist, so kann ja der Stein fertig sei»und herausgelangt werden." Das Gehirn desDieners fing am faulen Flecks des herrschaftlichenKopfes, w>e ein Apfel am andern, Fäulniß auf.Während Marggraf noch immer mit den Äugen