Band 
IV.
JPEG-Download
 

Der Komet.

559

Üeberhebung einer höher» Geburt — über wel-che der Fürst sogar leicht die Verwandtschaft mitandern, gleichfalls wie er, von demselben Adamabstammenden Menschen vergißt—auf der einenSeite zu bewahren, theils um auf der andernUnser Herz, so warm und mild es auch von Ge-blüt sei» mag, noch mehr für jeden Menschen-bruder, der Elend hat und Trost begehrt, zuerweichen und auszuschließen;—alles Lies wohl-wiffend, wahrhaft dankbar anerkennend, daßWir auf diese Weise in Deutschland und in derWirklichkeit eben so glücklich zu Unserer Ausbil-dung als Privatmann erzogen worden, wiePrinzen zuweilen in Morgenland, und besondersin Romanen, z. B. von Wieland im goldnenSpiegel — ein Fall, der überhaupt viel öftervorkommen muß, da sonst nicht so viele sich ausWahnsinn für Prinzen halten würde»—; sosind Wir gesonnen, nicht länger als bis zurkünftigen Woche in einer Stadt zu verweilen,welche Unser Mißfallen in großem Grade, undneuerdings an einem wichtigsten Tage vömfrühen Morgen bis in die tiefe Nacht, sich zuge-zogen.»

»Wir wollen deswegen Uns in gedachter Wo-che, gleich so vielen andere» Prinzen, auf fürst-liche Reisen begeben, um ausländische Länderzu sehen—deren Höfe zu studieren —von langerArbeit auszuruhen — Gelehrte und KünstlerauSzumitteln und aufzumuntern — und haupt-sächlich in so manche Wunde Oel zu gießen, dieWir auf Unserer Lustreise am Wege offen findenwerden.»

-,Ob Wir gleich nach Außen hin vor der Handin einem LI incognitv zu bleiben gedenke»: sowollen Wir doch in Unserer Nähe Unserer Wür-de nicht entsagen. Da Wir aber zu UnseremReisegefolge und Hofstaat am liebsten Personenauswählen, deren Treue und Anhänglichkeit Unsschon früher erprobt geworden : so ernennen Wirhier den sogenannten Freimäuerer Worble zuUnserem Reisemarschall, den WaiseNhauspredi-ger Süptitz zu Unserem'-Hofprediger, und denKünstler Renovaaz zu Unserem Hofmaler, undwollen jedem von ihnen den halbjährigen Ge-halt von 1000 fl. rhl., welche der Leibpage Stoßmit dem Handschreiben überbringt, dergestaltvorauszahlen, daß die Reisekosten von Uns be-sonders getragen werden. Die übrigen Hof-stellen bleiben offen und werden erst unterwegsmit den tüchtigen Subjekten besetzt. Solcheshaben wir hiemit verfügen wollen.

Rom I 7 yo-

Nikolaus.»

Wenn mehre versucht« geheime Kabineträtheund Sekretäre dieses eigenhändige Hand- undKabinelschreibe» in einem solchen Grabe verwor-fen, quer, breit, kurz und lang finden sollten, daßsich jeder bedenken würde, nur den eignen Namendarunter zu schreiben, geschweige einen gekrönten :so überlegt wohl keiner von ihnen, daß Marggrafgar keinen andern Sekretär dazu gehabt und ge- 'nützt, als nur sich selber: daher auch diese Selber-

Wahlkapitulazion als die erste und nöthigste Hand-lung betrachtet werden muß, die er unter seinereignen Regierung vornahm. Und doch weiß er —so schwer sonst in Einer Hand Zepter und Federzu halten sind — diese so zu führen, daß er wenig-stens sein Ich durch alle Beugfälle hindurch, wieder kleinste Fürst, eigenhändig groß anfängt.

Oben wurde des Stößers als Leibpage gedacht.Marggraf hatte nämlich mündlich, noch eh' er dieGehalte forttrug, zu ihm gesagt: »Zu gleicher Zeitertheil' ich Ihm die Chargen eines fürstlichenKammerdieners und Leibhusaren und Leibpage» :gvldner Treffenhut und Treffenrock verstehen sichvon selber, und Er kann Seinen Anzug nicht zu kost-bar wählen, um Seinen Herrn zu ehren. — FreuetIhn dies recht? Zeig' Er mirs frei; Er weiß, wiemich- freuet, wenn man mir seine Freude nichtverheimlicht. - — »Ach,l ich armer toller Hund —versetzte Stoß, der heute zum erstenmale vor Freu-den weinte,— ich kann- jetzt unmöglich, aber mor-gen oder Abends." — »So will ich Ihm nur lagen,— fuhr Marggraf fort — daß Sein Amt bei einemFürsten weit wichtiger ist, als Er denkt; — Er ziehtden Fürsten an und aus, Er hat in Krankheitenund Nächten und immer etwas bei ihm zu thu»;und da kann Er gerade auf seine Weise die Gele-genheit benutzen, mich einzunehmen für oder widerLeute, und hat immer mein Ohr. Wahrlich, SeinEinfluß ist fast unwiderstehlich, und ich habe inder That sehr viele Ursachen, gegen Ihn, da ichIhm so zugethan bin, recht auf meiner Hut zu

sein."-»Ach allerliebster Gott! Thun Sie

doch das vor einem solchen Erzspitzvuben, wie ich,mag ich auch die Ehrlichkeit selber sein."

Zwölftes Kapitels

woraus man erst sieht, was aus dem elften ent-stünden, und daß in jenem eint Sitzung ist, und,ie Berichterstattung derselben.

Die drei Neubeamten mochten nun von Marg-graf Lenken, was sie wollten, so viel sahen sie we-nigstens, daß die Säcke voll Besoldungen vor ihnenstanden und konnten sich leicht entsinnen, daß sieder Stößer die Treppe hinaufgetragen und hinge-setzt. Keiner von den dreien wußte, ob er sie an-nehmen sollte, oder nicht, sondern jeder behielt sievor der Hand.

Worble rannte in der ersten Bestürzung in dieApotheke und fand daselbst die drei Schwesternschon in der zweiten, dritte» und vierten — denndie jetzo weitläufiger» Anverwandten des Fürstensaßen zuerst mitten in Prinzessinsteuer und Mit-wenkaffen und Nadelgeldern, kurz in Geldern,welche ihnen Nikolaus geschenkt, und tropften nochvom goldnen Platzregen. — Der Stößer fernerhatte im Vorbeilaufen sowohl Dummheiten, die erglaubte, als andere, die er ersann, zusammen aus-getheilt, und unterwegs die glänzendsten Nachrich-