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Der Komet
Sire, einen kurzen Bericht abzustatten wünsche!»— So hatt' er angefangen, in der festen Erwar-tung, der 'Apotheker werde bei seinem vollen Ab-sprnng von der Duzbrüderschaft seine Leute ken-nen. Aber der Apotheker erwiederte: »Damitwerden Sie mich unendlich verbinden, Herr Rei-semarjchall" — und warf so den betroffnen Mar-schall beinahe aus seiner Rolle, weil dieser seinenhalben Ernst gar mit einem ganzen aufgenommensah. Dabei hatte Marggraf seinem sonst schreien-den Sprachton einen solchen Dämpfer ssoi-clino)aufgesetzt (hohe Personen sprechen fast unbörbar,hatt' er gehört), das er unendlich schwer zu ver-stehen, sogar zu beantworten war.
Der Freimäuerer erstattete jetzo einen gedräng-ten Bericht, nicht ohne leichte Bosheit gegen diezweiMitbesoldeten. »Wie konnten Sie, — wandtesich darauf, der Apotheker mit ausnehmender Leut-seligkeit und Grazie zuerst an Renovanz — »meinbester Herr Hofmaler, nur Einen Augenblick dar-an zweifeln, daß ich Ihren Herrn Bruder mitgrößtem Vergnügen und ganz auf meine Kostenin mein Gefolge aufnehme, wenn ich damit ei-nen solchen Künstler, wie Sie, gewinnen undum mich behalten kann. War dies freundschaft-lich genug gedacht?» Renvvanz verbeugte sichschweigend, aber doch um zwei Pariser Linientiefer als sonst.
»Auch Sie, Herr Marschall, können IhreGemahlin mitnehmen,» fuhr Nikolaus fort. —»Durchlaucht!» —versetzte Worble, mit ptolo-mäischen Kreisen und Windungen und Wendun-gen auf dem Gesicht. — » diese lass' ich wohl nir-gend lieber, als zu Hause. Mach' ich mich aufeinige Zeit weg von ihr: so thu'ichs hauptsäch-lich, weil ich eben auf zweierlei ausgehe, welchesin der Ehe so wichtig ist, in der wohl mancheWetterwolken unterlaufen: Ich wünsche nämlichdurch mein Verreisen es dahin zu bringen, daßwir uns beide nach einander stark sehnen, nichtnur sie sich nach mir, sondern auch ich mich nachihr, was beides jetzo der Fall nicht sein will. DieEhe — auch meine — hat das Besondere, daßman — die Fra» vollends — darin zwar sehrliebt, aber auch verteufelt brummt,- so wirdman dadurch auffallend jenem frommen Mannes*)ähnlich welcher bei dem Namen Gott, so gottes-fürchlig er war, aus Gemüthkrankheit ihn immerso zu lästern gezwungen war, daß ihm selber grau-sete; die eheliche Liebe selber erhält sich unterder Schneedecke der ehelichen Zanke ganz warm. —Zweitens will ich meine Abwesenheit zu noch et-was machen, nämlich zu einer Hahnemann'schenWeinprobs gegenseitiger Tugend und Treue; ichwill versuchen, ob sie mir in der langen Abwesen-
! heil. und ob ich ihr unter den großen Versuchun-gen treu bleibe» kann. Dies ist das Wenige,was ich mit Vielem habe sagen wollen, Durch-laucht! Sonst hab' ich noch andere Gründe genugzum Mitreisen, die nicht einmal so ordentlichl anten.»
Der Apotheker nahm zwar den kühnen Scherzin seiner Gegenwart liebreich auf; doch lächelte
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I (*) SuijcrS Schriften. B. ». S. I0Z.
er nicht laut, sondern wandte sich schnell so airSüpkitz: »Wie herzlich gern, Herr Prediger,sah' ich Sie, so wie Ihre Gemahlin, auf meinerReise zugegen! Es sollte Ihrer Gesundheit soj gut zuschlagen, wie, hoff' ich, der meinigen. " —i Erst aus spätern Papieren ersah ich, daß Niko-s laus unter seinen Reisezwecken sich auch den vor-! gesetzt, seine am chemischen Feuer vergelbten Zu-gendrvsen in freier Luft roth aufzufrischen, umschöner bei der schönsten anzulangen. »Ohneweitere Frage» — sagte er zu sich — » stellt jedersich nach einer Reise viel blühender vor und dieFreude des Wiedersehens thut denn auch nochdazu.»
»Herr Marggraf! — (versetzte Süptitz) —mein Herr Marggraf von Hohengeis muß wohlin jedem Fall erst um gnädigsten Urlaub von mirgebeten werden, aber ich werde daher erst nacheinigen Tagen indirekt, — unmittelbar wollt ichsage», jedoch beider, so wie direkt mit mittelbarwegen des Gleichgangs zu verwechseln, gehört wohlauch unter die anerkannten Leiden des Menschen— alle Beschiießungen überbringen köunen.»
— Damit ich aber meine mir so lieben Leserund Käufer auf keinem halben Bogen lang dieAngst aushalten lasse, einen solchen Mann, wieSüptitz, auf Marggrafs Reisen einzubüßen:soll ihnen sogleich dieses Kapitel mittheilen, wasich im nächsten hätte berichten müssen. FrohaufSüptitz hatte nämlich das Eigne, daß er zu einem! Gott getaugt hätte, welcher, um eine kurze Zeit, zu erschaffen — sei sie auch »och so lang — vorher! eine ganze Ewigkeit a purte snts nach den Phi-losophen dazu haben muß, so lange berathschlagte ersich mit sich und seiner Frau. Letzte aber setzte ihnjetzo erstlich vor lauter Bewunderung — denn ihrEhe-Haupt war ihr das Haupt der Christenheitund ein Christuskopf des Wissens — zweitens vorlauter Liebe -- denn für sich und ihr Wohlseingab sie keinen Groschen, aber für jenes und ihnalles — in noch größere Schwankungen, als erschon litt, weil sie theils gern zu Hause bleibenwollte, gegen welches er ihr seinen Mangel aneiner Kranken- und Gefunden-Wärterin einwarf,rheils gerne mit den, Männerzuge gehen, wobeier ihr dessen mögliche Verstärkungen, deren Endegar nicht abzusehen war, und ihre einzige weib-liche und priesterlicke Würde vorhielt. »Mein. Hauptanliegen dabei ist ja blos, daß Du nicht so! viel nachdenkest, sondern etwas magerer wer-! best — » sagte sie.
Daß Frohauf nun nicht bis diese Stunde nochdort sitzt und fortfährt abzuwägen und zu über-schlagen, verdanken wir blos seiner Diebgemeine,die in Einer Nacht den gordischen Knotendurchschnitt! Es traf sich nämlich glücklicher Weise' für alle Parteien, daß der Spitzbubenverein imZuchthaus- sich zu einem Ohnehosenbund oderKlub verknüpfte, und daß das ganze Schclmen-konklave — nur darum so hart wie Kardinäle ver-mauert und so karg beköstigt, damit jeder selbersich zu einem heilige» Vater erhebe,— sich eines Bes-sern besann und glücklich durchbrach und den Zu-rückzug antrat, ohne auch nur einen Man» oderdie geringste Kindermörderin einzubüßen. Nichteinmal einen ehrlichen Mann hätten die Schelme