Band 
IV.
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dere Ariuengasse zu beschenken.-Ich sollte

liier fast über die Erscheinung einen Augenblickphilosophieren. Wie oft kommt sie nicht vor inmanchem Fürsten - und Ministerleben, diese Ort-scheu ? Welche Kleinigkeiten gehören nicht dazu,um eine Waqenthüre mit dem Kronwappen aufimmer vor einer Stadt zuzusperren, oder sie garauf so fernen Umstraßen vorüber zu lenken, daßman die nächsten nach der gedachten Stadt niemalauszubessern braucht? — Und Loch hat ein solcherOrt - Ekel das Eigne, daß ich oben von solchenOrthassern die Metaphern von Schwängern undGebißnen, welche nicht etwas ursprünglich Ver-haßtes fliehen, ganz glücklich gebraucht, und daßdie Sachs noch viel weiter geht. Denn ei» guterMensch, wie Marggraf, konnte sä mmt I i che Rö-mer kommen lassen und alle ziemlich liebe», nuraber dc» Rest der Stadt nicht ausstehen, den erim Kopfe hakte.

Nach allem, was bisher gewiß ausführlich er-zählt worden, müßt' ich nun gar zu wenig vonWellhändeln verstehen, wenn ich nicht voraussehenwollte, daß im nächsten Kapitel der Auszug ausRom unfehlbar erfolgt, und daß Marggraf sammtallen seinen Freunden — und Lesern, setz' ich dazu— an der Gränze in neue Länder übertritt. —Ist denn nicht schon alles Kostbare bestellt und be-zahlt, was im nächsten Kapitel kommen muß, weile - „»entbehrlich ist, und hat Marggarf irgendetwas nicht gekauft? Ja hat nicht sogar derErdachter Hoseas sich selber eingekauft zu einem.Hofjuwelier desselben, und will mitreisen — fürschwache Reisekosten und mäßigen Gehalt — umnur sich bim Apotheker stets als den treuen Dia-mantkäufer bereit zu hallen, welcher die Funkel-steine, wie elektrische Funken, aus seinen Händenin fremde weiter leitet?

Dreizehntes Kapitel,

worin aus Aegypteu ausgezogen, und vorher dasgelobte Land aufgepackt und mitgenommen, unddarauf ein Bettelzug und ein Kandidat der Theo-logie erscheinen.

Wenn man an der Gränze auf einer Anhöhestand; wahrlich, schwerlich sah man je einen präch-tigern Zug, oder einen seltner».

Alles fuhr entweder, oder ritt,oder ging; jedochnach Belieben; — ein pfeifender, xockengrubigerVorreiter, welches Worble war, der Reisemarschall;— ein herrlicher Leib- und Slaatwagen, fast ein hal-bes niedliches Vorzimmerchen.nstt vielein versehen,worin der Fürst Marggraf selber saß, gegenüberder Prinzessin-Braut aus Wachs in ihrer Stand-uhr;— zu beiden Seiten reitend das RegimentMarggraf, aus zwölf theils invaliden, theils ange-worbenen, braven Haustrupxen bestehend, alsstarke Bedeckung gegen künftige Spitzbuben;-dickthinter dem Staatwagen des Apothekers ein seltsam

bedeckter mit dem Stößer, der vor dem aufge-packten faulen Heinze und der voltaischcn Säulelaß, in Arbeit, und neben ihm der Rezexkua-rius mit einem verdrüßlichen Gesichte und sei-ner vollständige» Dreckapotheke im Sitzkasten —ein niedliches Vis-a-vis mit dem Hofmaler Ne-»ovauz, gegenüber siy>end seinen, ätherisch undwächsern gebaueten, schönen Bruder, welcher schlief;

— gleich darauf eine Reisekalesche mit dem Hof-prediger; — und kaun ein schwerer Kutschkastenmit Lein Schlichter Hoseas, der sein jüdisches Kü-chengeschirr uud einen Bei- und Kochjuden milhatte; —dahinter noch gar ein leerer Zeremvnieu-wagen für künftiges Frauenzimmer;—.und allesdies vollends geschlossen mit einem Küchen-undKellerwagen, und mit einer Fuhre, worauf mancheEheweiber aus dem Regiment Marggraf hock-ten. .....

Die Pracht schon an sich überstieg alles; aberwas war diese gegen die allgemeine Freudigkeit undBewegung? Hier sprengten einzelne Reiter dieLinie herab, um zu decken und zu sehen — dorthielt sich hinten Süptitz an seinen Wagen an, umsich magerer zu laufen — der Fürst steckte ausrechtem und aus linkem Kutschenschlage das aufge- ,heiterte Gesicht heraus, um zu sehen, ob jedes an-dere lächle — der Reisemarschall, wie gesagt, pfiff--- so mancher vom Regiment stieß in sein Horn

— ein paar Pferde wieherten— ein Lenzwind blies—der Rezeptuar schnupfte—Renovanzens Bruderschlief und nickte — und endlich hinter der Reise-lüste galoppierten gar zwei Leiterwagen mitOchsennach, und waren mit Krüppeln, Lumpengesindelund Bettlern geladen.

Letztes veranlaßte den Apotheker, einen Flügel-adjutanten an die Leiterwagen, welche, wie eSschien, vergeblich nachzurädern suchten, eilig abzu- !schicken, um sie zu befragen, waü sie haben wollten. !! Einstimmig riefen die Leute vom Wagen herab: !sie kämen blos aus Rom und wollte» betteln bei !ihm. !

Da nämlich die dortige Armen-Negerei viel von !- Marggrafs Almosen-Ausgüssen gehört, ja früheretwas davon bekommen, aber die so schnelle Abreiseeines solchen Allvaters der Weltwaisen nicht ver-muthet hatte: so halte» sie sich sämmtlich zur Miethezwei Ochsenwagen zusammen geschlagen, um etwader Wolke von Goldregen nachzukommen, und. noch im Lande einige Tropfen aufzufangen, ehe sie! über die sGränze gezogen war. Der Plan wardoch gut.

Kaun, halte der Flügeladjutant die Antwortder Leiterwagen - Mannschaft überbracht: so be-fahl der Fürst und Apotheker auf der Stelle zuhatte», damit sie näher heran führe; und eswürd' ihr sehr günstig von Weitem zugewinkt.Sie fuhr bei Marggrafs Wagen vor — und ersah nun wirklich auf der Landesgränze die letztenRvmer, gute vollständige Sunscuwtlvs, oderpolitisches Freiheitsein nur aushaltende, nicht aus-breitende Öhnehosen, Ohnestrümpfe, Ohneärmelund Ohnehemdcn, und was sonst noch zu Kleiderngehört und fehlt. In ziemlicher Ferne konnte man §sehen, wie er dem Negimentstabe von Bettelstäben !zuwarf und nachwarf — nämlich zu viel; kenn ,ein oder zwei Stelzbeine fielen mühsam auf das