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Der Komet
lebendige Knie, das iie noch hatten; die Weiberriefen „Herr Jesus." und warfen die Arme in die> Höhe, und die Kinder die Aermchen. Nur einerglaubte bei diesen Konstantinischen Schenkungen,
^ es hakte mehr gegeben werden könne»; und dieswar Marggraf selber, welcher scinen Zorn gegenRom und das nenliche Verschließen seiner Handvor Armen ordentlich auf der Gränze abzubüßensuchte,
Indem Worble aus einer Anhöhe vor demGränzwirthshause hielt, damit alles davor früh-stückte, sah er auf der entgegenstehenden Straßeeinen dürre» Jüngling mit offner Brust und flie-gendem Haare, und mit einer Schreibtafel in derHand, singend im Trabe laufen. Der Menschmachte gleichfalls vor den, Wirthshanse oben Halt,und schattete »»verrückt in daS neue Erntefest derArmuth hinab. Er sah immer erfreuter aus, undendlich weinte er gar darüber. Dem Reisemar-schal gefiel der geistige Theilnehmer an den körver-lichen Theilhabern, und er knüpfte ein Gesprächmit der Frage an: '-Bleibt wohl schön Wetter,meinHerr?"—»Soschön, wie die Jahrzeil und derAuftritt unten (versetzte der Mensch) — denn infünf Minuten weht es." AIS Worble denKopf schüttelte, bat ihn der Jüngling, Versuch-weise von der Morgenwolke gegenüber den Kopswegzudrehen nur fünf Minuten lang, und ihn dar-auf wieder hin zu wenden, so werd' er sie sehrdurchlöchert erblicken, zum Zeichen anfangenderAuflösung : den» der Mond kulminiere dann ebenüber Amerika.
Zu Worble's Erstaune» traf alles pünktlich zu:aber es war sehr natürlich, den» der junge Menschwar ein Wetterprophet, wie nachher noch mehreinleuchten wird, und wußte folglich so gut wie ich,daß der Mond täglich viermal mit einer kleinenWetteränderung, und wär' es Verdünnung desGewölks, oder neuer anderer Wind, seine Bahnbezeichne, nämlich erstens bei seinem Aufgange,zweitens bei seinem Untergänge, drittens bei sei-ner Vollhöhe (Kulminazion) über uns, und vier-tens bei der ander» über Amerika.
Worble sah als Reisemarschall auf der Stelleein, daß ei» ächter Wetterprophet unter allenStücken eines vollständigen Reisegepäcks das nö-thigste sei; und ohne sein schmeichelhaftes Erstau-nen zu verbergen, befragte er den Propheten umden Namen: »Wer sott ich anders sein — versetzteder Prophet — als Kandidat Richter aus Hofim Bvigtlande?"
Meine Leser werden erstaunen, der Kandidatwar demnach niemand anders als — ich selber,der ich hier fitze und schreibe. Denn kam» hatteWorble den Name» gehört, so fiel er dem Kan-didaten um den nackten Hals ü la Naintvt undbegrüßte ihn als den trefflichen Verfasser derAuswahl aus des Teufels Papieren,l dessen versteckten Namen er in Gera von demVerleger Beckmann erfahren hatte, und der eben,^ wie jetzo bekannt, der meinige ist. Der Verlegerbrauchte schon damals kein Geheimniß aus meinemNamen zu machen, weil mein Buch selber einesblieb und zu Makulatur wurde, wenigstens zu ei-ner crfrornen Scheinleiche, welche erst durch das
Erwärmen von den spätern lebendigen Geschwi-stern wieder die Augen aufschlug.
Der Reisemarschall holte den Kandidaten, derseine Freude über einen dritten oder vierten Le-ser seines Buchs kaum weitläufig genug auszuspre-chen wußte, mit Mühe aus, ob er eine Lustreiseauf Kosten des Herrn Marggrafen Nikolaus mitzu machen Lust in sich spüre; er versprach ihm, daDurchlaucht ohnehin noch keinen großen Schrift-steiler und keinen eigentlichen Wetterkundigen vonProfession in ihrer Suite besäßen, ihm die Stelleauf der Stelle zu verschaffen, sobald nur der Fürstvor der Kneipe halte und den Pferden zu saufen gebenlasse. — Wer bekam bei diesen Worten statt einesVeilchen am Wege einen ganzen Vvrleglöffel vollVeilchensyrup in die Hand, wer anders, als derarme Kandidat Richter, der auf einmal, nachdemer so viele Jahre in Hof unter Kaufleuten undJuristen mit seinem aufgedeckten Halse und lan-gen Flatterhaare bestaubt und unscheinbar hinge-schlichen, sich im Gefolge und Pfauenrade einesFürsten als einen langen Glanzkiel sollte mit auf-gerichtet sehen, in täglichem engstem Verkehr mitlauter Hofleuten, nach deren Bekanntschaft er schondamals hungerte und durstete, um später endlichWerke, wie einen Hesperus, einen Titan u. dergl.der Welt zu liefern, Werke, die sie gegenwärtighat und schätzt, und worin eben Höfe treu undtäuschend aufzutreten hatten?
Der Apotheker hielt an und stieg aus — derReisemarschall stellte den Kandidaten ihm vor —der Fürst sah ihn scharf an, aber unendlich mild— der Marschall hob Richters Talent, sowohl imSchreiben, als im Prophezeien, sehr heraus —kaum aber war nur Worble's halbe Bittschrift zuEnde: so wurde vom Fürsten dem Kandidaten derTheologie aus Hof die Bestallung zum Propheten-amt mündlich Angefertigt mit allen Nutznießungenund Privilegien des Amts, wie solche auch immerNamen haben mochten.
— Was den Freudenkehraus oder Lustpolter-abend in des Kandidaten Gehirnkammern an-langt, so war solcher so laut und verworren, daßmir darüber alle die witzigen Verschrobenheitenganz entfallen sind, womit der junge Mensch demFürsten seinen Dank darbringen wollte, weil er esdamals für seine gesellige Pflicht ansah, jedenSatz zu einem kurzen, scharfen, blanken, dünnenGegensatz anszuschleifen. Wer es freilich wußte,wie der Kandidat in Hof, gleich faulem Holze, ge-drückt und zerdrückt, doch nicht auszulöschen war,sondern zerkrümelt und unter manchem Wasserfortleucbtete, der mußte, wenn er nur halb sogutmüthig dachte, wie er, ihm den glänzendenGlückwechsel so gönnen, wie ich. Desto schöner ist,was er selber einige Stunden später dem Neise-marschall auf die Frage, ob ihn die jetzige, wie esscheine, fliegende Himmelfahrt nach der vorigenFegfeuerfahrt nicht vielleicht zum Schwindeln undHerausfallen aus seinem Poetengange und gva-ckus ack kni-nassuin bringe, entschieden zur Ant-wort gab: »Herr Reisemarschall! Nicht den Dich-ter acht' ich am meisten, welcher im Unglück, son-dern jenen, der im Glück und in der Muße treuder Muse bleibt. Der gar zu gewöhnliche Mensch