Band 
IV.
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Der Komet.

gräfliche Konstimzivn etwa ei» Zehntel der Kou-Muzionstener betrug.

So von allen Ecke» und Herzen bereichert undgefüllt, brach denn Nikolaus honigschwer nach Lie-benau auf. um AbendS zeitig genug das Miltag-nialil einzunebine», znnial da er geringen Hungerhatte, das Gefolge aber starken. Wie voll Lustsah er in seine weite Reisewelt! Der Klang Lie-benau war ein Nach' oder Vorhast Amanda'S;und sie schickte ihn, daS Dörfchen ordentlich ent-gegen. Endlich erschien es von weitem am Endeeiner schönen hellblnmigen Ebene hinter Obstbäu-men versteckt, wie ein Mädchen hinter Gartenstake-lcn. Aus der Nähe aber lief ein Schäfer mit einerSchalmeien» dieLandsiraße heran, und blies ihm einschönes Stückchen vvr;denn er wollte ganz schweigendnndvseifend ein Almosen baben. Wieviel eingrei-fender ist diese süddeutsche harmonische Feldbetteleials die gewöhnliche katholische mit einer ton- undsinnlosen Gebetklapperjagd nach einem Hellerstuck!Und wie rührendkommen aus dem Mund, der sonstmir an Seufzer gewöhnt ist, dem Freudigen blosTöne der Freude entgegen, und sprechen die bittendeArmuth hoffend anS — Die Karlsbader Thürmerund dieStadtvorpfeifer deS Neujahrs, und die Der-wische mit ihrem Hörne zum Betteln stell' ich weitunter den schal,»elenden Schafhirten —Marg-graf warf eine Handvoll we,ßeS Geld hinaus fürdaS Ständchen, daS man seiner Amanda und seinenTräumen gebracht, und ließ auf der Stelle Schrittvor Sckrilt fahren, weil er überall auf der Ebeneweitsichtige Schäfer von den Heerden mit Pfeifenan die Landstraße springen sah,um daran Reifende»ihr fluchtiges Konzert zu geben, und baar mitklingender Münze ihr Almosen zu bezahlen. Siekamen und bliesen sämmtlich ordentlich an. Sogaroben an einer Krümme der Straße nach Licbenauhinein halten voraus mehre von diesen Kuhreiqernsich fest gestellt, in» die Herren nicht sowohlmit den letzten jüngsten TagS Posaunen, sondernmit ersten des LenzanfangeS zu empfangen, undNikolaus sagte in Einen, fort: ächter FrühlingsAnfang heule!

DaS Dorf Liebenau deckte sich vorab», auf, wennes eines war, und nicht vielmehr ein Dörfchen;und schöner konnt' er nicht einzieh» als unter demGlockengeläute der Schafe und unter dem Anbla-sen sämmtlicher Schafhirten, welche von den wei-ßen Geldstücken berauscht alle ihre weißen Schafevor derZeit ein- und ihm nachtrieben, welcheletzteartig genug eine Heerde weißgekleideter, auf zweiFüße gestellter Empfangmädchen eines Fürsten nach-spiegelten.

Des Kapitels dritter Gang.

Ortbeschreibung des Oertchens — die Portativ-Residenzstadt Nikolopolis — der Liebebrief.

— Und da stand nun Liebenau da, daS holde,und aste Welt war darin! Aber ihr glaubt dochnicht etwa, daß eS ein belgisches, nettes, buntes,

breites Dorf ist?— Kein Haus stand an dem an-dern, sondern blos ein Gärtlein an dem andern;in jedem solchen stand erst daS HauS, und jederBaum wurde von dem andern (besonders ii» Som-mer) abgesondert durch Blätter und Früchte.Zwei volle maiestälische Lindenbäume regiertenals Thronen daS Dorf; der eine, ei» breit - undlangastiger und lasttragender, stank, «om Maien-bau,» nicht weit, mik einer kurzen Treppe da,welche au seinem Stamme zu einer an ihn, herumgeführten Tanzgallerie hinaufführte; der andereLindenbaum a» der Kirche war mit Bänke» um-zingelt, damit die Kirchgänger auf den Pfarrerleichter sitzend warteten. Die Tbnrmglocke schlugbei der allgemeinen Ein - und Auffahrt vier Vier-tel und fünf Uhr; aber auch sogar die metallkalteAussprecherin der wärmsten Menschenstundenzählte sie in Liebenau dem wegeilende» Lebe» mitmütterlicher Stimme zu; denn es gibt Glocken,welche uns gleichsam die ganze Vergangenheit vor-läuten und nachstimmen , dergleichen eine derVerf. in Nürnberg im Abendgeläute, wie einesganzen MittelallerS wehmüthige Bewegung, hörenkonnte.

Auf dem Pfarrhause standen schon zwei weißeHeimkehr-Störche und sahen über das Dorf hin.Und in der Gartenhecke des Schulmeisters sanggar eine Grasmücke, und draußen schweiften weißeTauben als malerische Farbentinte» über demSaale,igrü» herüber, und die etwas vertiefteSonne loderte auf ihrem Hügel noch ganz warmdurch die halb vergoldeten Silberstämme eines Bir-kenwäldchenS, und färbte jede Wange und jedenHügel roth. ,,O! ein ächter Frühlings Anfang "sagte schon wieder der Fürst; aber eS ist ihm jedeEntzückung über einen ganzen schöne» , noch voneinen, Abende verschönerten Tag zu vergeben, wennman sich den armen, bisher im bangen Rom undin einer Apotheke zu einer trocknen Mumie ge-würzten und umschnürten und eingewindelten Apo-theker vorstellt, der nun daS Freie vor sich hat, undLänder an Länder, und Zepter, und einen Vatersammt Braut!

Inzwischen sollte doch dem reichen Dorfe (alshätte Süplitz wieder Recht) etwas fehlen — undzwar gerade das, was im All das Wohlfeilste (wiein Paris daS Theuerste) ist, und was jede Sonneauch mit ihre» größten Wandelsternen so über-flüssig vorfindet, daß noch millivnenmal mehr da-von übrig bleibt als sie braucht — nämlich derRaum. Ich spreche vom Platz im WirthShause.

Zum Unglück, wie es schien, war mitte» imDorfe gar eine Stadt einquartiert, bestehend auSzwölf Ochsen, vier Juden, drei Wage» und EinemPastetenteig zu einer artige» Stadt, sobald er ge-hörig unter dem Nudelholz gewalzel wurde, unddann zusammen geklebt und gewölbt, und sein ge-höriges Füllsel von Einwohnern bekam. Es isteine schon bekannte Sache, daß in Moskau, in Lon-don, in Philadelphia (*) ganze hölzerne Häuser,d. h Bretter dazu, unaufgebaur auf dem Marktefei! gehalten werden, mit welchen man z. B. in

(*) Weylands Reise - Abenteuer. B. q. Neuer-dings erfand tu Stockholm Major Btom solche Portatio-häuscr.