Band 
IV.
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Der Komet.

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Philadelphia von einer Gaffe in die andere ziehenund da ansäßig werden kann, was einer oder derandere ein Hausieren der Häuser nennen würde.Hat ein Mann die rechten Banleute zu solchen rei-senden Passagierstuben: in wenige» Stunden tritter in seine passive oder in seine häusliche Nieder-lassung und guckt hinaus.

Etwas Aehnliches, aber hundertmal Schöneres,führten die vier Juden auf ihren Leiterwagen, derenjeder ein Treibhaus von feinen Häusern war. Sie lhatten nämlich einem jungen Fürsten, der bei demAntritt seiner Regierung sich gern mausern, härenund häuten und alles Väterliche bis auf jede Eier-schale und jeden Kokon von elterlichen Tapetenund Zimmern abstreifen wollte, die ganze Lust-Ein-siedelei oder Iieomitase seines Vaters, welcheEinsiedelei für die Menge seiner Hoflente zurecht vielen Häusern eingerichtet war, wie ge-wöhnlich um halbes Geld abgekauft; und dieHäuserchen nebst dem Lnstpark geschickt zerschlagen.Sie fuhren nun das artige Hoflager sammt einemZimmermeister zum schnellen Einfügen und Auf-bauen, falls etwa ein Bau- und Kauflustiger aufder Stelle eine Probe von Haus zu sehen be-gehrte, lange Zeit zu Markt herum, aber ohn?den geringsten Absatz und zu jihrem wahren Scha-den. Denn überall begegneten ihrer Wanderstadtselber Wanderthronen und Wanderfürsten undauswandernde Unterthanen: und dabei mußtensie ihr zartes Städtchen unter dem groben Stadt-thore theuer bezahlen.

Das war keine Sache für die guten Juden. .

Ihrem Herzen war als würde jeden Tag Je-rusalem wieder zerstört und sie hatten Tempelzer-störung - Feier.

Da begegneten sie ihrem Messias, der die hei-lige Stadt aufbaute. Mit Einem verständlichenWorte: der edle Marggraf kaufte ihnen das ganzeStädtchen ab, zwar nicht wie in alten Zeiten umPfund Heller, sondern um Pfund Gulden; gabden Juden aber nicht einen Pfennig mehr, als sieverlangten. Dabei bekam er »och den Zimmermei-ster zum Kaufe darein, den er unterwegs schon zueinem künftigen Unterthanen vernützen konnte.

Jetzv entstand in Nikolaus der wahrhaft fürst-liche Gedanke, sogleich den Antritt seiner Regie,rung und Reise mit der Anlegung einer Stadt zubezeichnen. Er gab mit seiner gewöhnlichen Hef.tigkeit dem Gefolge wider Erwarten Befehle zumaugenblicklichen Aufbau wenigstens eines Stadt-viertels oder Achtels. »Wenn man nur vor, odersogleich nach Sonnenuntergang," sagte er, dieResidenz und einige Dienerhäuser fertig bringt:so ist» für heute schon genug und recht viel, meinesieben Leute." — Es mußte sogleich zum Werksgegriffen und ein Theil der Einsiedeleien abgepacktwerden. Nur der Reisemarschall fand keinen rech-ten Geschmack an der unerwarteten Bauerei, weiler nach dem Reisetage so gern recht bequem imholden luftigen und duftigen Liebenau ruhen undkreuzen wollte nach schönen Gesichtern und vorhereine frühe Abendtafel vor sich sehen. In der That,eine kurze Ungnade hätt' er heute der gangen Bau-begnadigung zu einem Dienerhause vorgezogen.

--EH' ich aber den Grundstein lege zu einerStadt," sagte Nikolaus zu einigen Gelehrten beim

Gefolge, „muß ich in mir über den Namen, den ichihr schenken will, einig werden, besonders da esmeine erste ist und ich den Ort unterwegs überallmitbringe."

»Niklas ruhe, Ihre Durchlaucht, sollt' ich fastvorschlagen, so etwa» wie es Karlsruh und ähn-liche gibt," antwortete der nicht sehr aufgeräumteWvrble. — »Mein Name ist Nikolaus oder aufgriechisch Nikolo, deshalb ist Nikolopolis, oder ab-gekürzt Nikolopel, wohl der bestimmteste Namefür meine Stadt," versetzte der Fürst, mit erlaub-ter Freude über seinen Sprachschatz. Der Zucht-hausxrediger fuhr wieder zwischen seine Lust undbemerkte: Nikolo sei völlig welsch, Nikolaus hin-gegen sei griechisch; als der ehrliche KandidarRichter nachsagte: wie man ja beide und mehreNamen so gut einer Taufstadt wie einem Tanf-kinde geben könne, was Byzanz und Konstantino-pel und Stambul nicht sowohl bezeugen als be-zeugt. Der treuherzige Mensch — man gewinntihn j länger je lieber—hatte vor lauter Hinnei-gung zu seinem Nikolaus Marggraf so wenig wie ;dieser selber, — und dies ist das rechte Liebhaben >— nur von weitem daran denken können, obWvrble nicht mit Niklas ruh aus das gleich-namige Kinderschlafpulver, noch dazu auch Ma rg-g r a fe n-Pulver genannt, abzuzielen gemeint.Und ich frage: ist denn das Zielen auch so ausge-macht ? —

. Der Fürst entschied aber für den Namen Niko-lopolis und sagte, Polis ist griechisch genug

— Er legte nun eigenhändig den Grundstein zu'Nikolopolis oder vielmehr zu seinem Residenz-schloß, ja noch bestimmter zur Residenzstube, undnahm natürlicherweise zum Stein ein Bret. Christenund Juden luden ab, stellten auf, fügten ein, undrundeten zu, so daß unter der Leitung des Ziniiner-und Baumeisters die neue Residenzstadt Nikolopo-lis in wenig Stunden fertig da stand, natürlichanfangs nur die Hauptsache davon, nämlich dieResidenz nebst vier Dienerhäusern für die vierHerren vorn Hofe; so wie auch für die Menschen«seele sich im Mutterleib ihr Sitz oder der Kopfzuerst ausbaut sammt den vier Herzkammern.Künftig bei mehr Muße und bei längerem Bleibenan einem andern Orte konnten alle Wagen unddie ganze Stadt abgeladen und aufgebaut werden,mit allen ihren Stadtthoren und Stadtwappenund, wenn es nöthig, sogar mit einem Judensack-gäßchen, aus einer Stifts-Hütte bestehend.

Wie überhaupt alles groß bei unserem Fürst-avotheker anhob und der Grundstein zu seinemkünftigen Reich nicht wie bei dem Kapitoliumdurch einen gemeinen Stein, toi-minu» genannt,sich legte, sondern durch einen ächten Diamanten-Regent: so war eS natürlich und erfreulich, daßes so fortging auf der Reise, daß bei ihmund seinen Städten sogleich mit Residenzen undDienerhäusern angefangen wurde, indeß ganzVenedig mit'einigen Fischerhütten, Petersburgnur mit einer einzigen in die Welt eintrat, undMoskau gar aus der Eierschale.eines hölzernenHauses auskroch, wo der Czar Dolygorukoj eineLiebschaft hattet*).

(') Müllers vier lind Iwanffg Bücher allgememcincrGeschichten, Band 2.