Band 
IV.
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Der Komet

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den und Lieben lebendig geworden, du uns dieLebensähnlichkeit im Wachse schon an gleichgültigenBilder» bis zum Schrecken anschaut; und wahr.lich, Nikolaus hätte sich ein Pygmalions - Schick-sal gemacht, wenn er dem Urbiloe nicht eben zu-gereiset wäre, -und Amandas fernes Bild nicht un-ter dem Schreiben sich in ihm mehr beseelt hätte,als das nahe bei ihm.

Und so hatte er nun nach so vielen Rüsttageneines Jugendlebens endlich seinen ersten Festlag er.lebt und gefeiert; wie aber gingS denn mit denandern Personen? —

Werter Gang.

Abend des Kandidaten — ferner des Hofpredigers— endlich des Reisemarschalls — und allerhöchstesKlystiernehmen und Geben.

Der Kandidat ging in seine Hvfwohnung, in dasniedliche, nicht von Engeln, aber von Juden ge-brachte Lorettohäuschen, und kam da vor Freudeaußer sich, ohne daß jemand wußte warum, ausge-nommen er selber. Es war schon lange einLieblingtraum von ihm gewesen, überall zu wvh-! nen auf einige Wochen — dort mit seiner Woh-nung auf einem Hügel am Strome — hier mit ihrmitten auf einer weiten Wiese — dort eng in ei-nein Birkenwäldchen — ja, draußen kaum eineViertelstunde weit von jenem, mit Gärten umzin-kelten Städtchen — kurz,der Schnecke zu ähnlichenwelche sich mit ihrem Haus auf jeden Zweig undRasen setzt, wo es ihr gefällt, und dann, wann sieausgeschlafen,sich auf einem andern Blatte ansiedeltund anklebt. Welche prächtige Aussichten, sagte er,hätt' ich in jeder Woche Denn gewechselte sindprächtige. — Aber wie könnte ein Mensch zu der-gleichen gelangen?" Da er aber doch dazu kam,und dabei voraus wußte, daß sein Schneckenhäus-chen künftig sich auf allen möglichen Paradies-beeten niederlassen würde und ihn einkrieche»lassen: so war er, wie gesagt, ganz natürlichabends außer sich, und sah zum Fenster in denMondschein hinaus, und sehnte sich nach allerhand.Der arme Teufel wußte nicht einmal, daß andiesem Frühlinganfang, außer dem Geburttageder Stadt RikvlopvliS, auch der seinige falle. We-der er, noch andere hatten — bevor er eines oderdaS andere in Druck gegeben —auf den Tagseines Eintritts in den großen Druckort der Erdeim Geringsten gemerkt.

Auf dem Lande, besonders bei Unbegüterten,wozu Richter gehörte, wird fast so wenig an Ge.burttage gedacht, wie bei den Türken, welche da-her (nach Meinhard) selten wissen, wie alt sie sind;und nur die Mütter erinnern sich, und stellenetwan bei den Vatern Tags vorher die Bemer-kung, aber ohne Geburttaggeschsnke auf: '-eben! niorgen um I Uhr bracht' ich unsern Fritz auf die! Welt." AVer so oft ich zuweilen einen armen> Handwerker oder eine Magd höchst gleichgültig

unter dem Arbeiten sagen hörte: heute ist meinGeburttag, und sie dann ohne weitere Feier fort-arbeitete» bis ins Bett: so that es mir so innigwehe, als wär' ich eine Kronprinzessin, die sicheinen solchen Tag gar nicht ohne Feste und Fest-geschenke und Bälle gedenken kann. — Denn (umauf den Kandidaten wieder zu kommen) es wurdeder Mann erst nach einem und deln andern Mei-sterwerke, und näher seinem letzten Tage als sei-nem ersten, mehr gefeiert sammt diesem, wie über-haupt mit Menschen geschieht,welche man, wie dieWörter in den indischen Wörterbüchern, nicht nach^ den Anfang-, sondern nach den End- Bnchsia-

! bei, reihet und aufstellt.-Das menschliche

' Herz in Betrachtung gezogen, sollte man freilichdie Leute lieber nach Jugendgefühlen, als nachAlterthaten schätzen, da die Menschen nur in jenenihre Vollendung zeigen, indeß später etwas an-deres in ihnen zunimmt, als eben das Beste; sowie an ihnen im Gegensatze der Fische und Schlan-gen, welche Las ganze Leben hindurch immer grö-ßer werden, später nichts besseres fortmachst alsNagel und Haar. Zum Glücke haben die Men-schen gegen das fatale jahrelange Verschlimmernein treffliches und schnell wirkendes Mittel zumVerbessern erfunden, das wegen der kurze» Zeitseines Einwirkens nie genug zu schätzen ist, näm-lich die sogenannte Galgen-Bekehrung, welche beirechtlichen Menschen keine andere sein kann alsdie auf dem Sterbebett, so baß dann wirklicheiner, wenn er wie die braunschweigische Mummeunter dem Verfahren unten mehrmals sauer ge-worden, zuletzt wie diese ganz genießbar gewordenoben ankommt. —

Aber wie weit verschlug Richters Wiegenfestuns von Nikolovolis!

Der Hof- und Zuchthausxrediger wohnte inder nächsten Gasse, nämlich im nächsten Schmuck-häuschen. Süptitz war von jeher schwierig in ei»Wirthshaus zu bringen, weil es für ihn keine Per-son und keine Sache gab, die ihn, reinlich genugwar; er wünschte — der Pflück - Hände wegen —Kirschen und Beeren wären so gut abzuschälen alsBirnen oder Nüsse, und jedes Tafelgeschirr sah'er erst vor seinen Augen abfegen. Wenige Sachenaber floh sein Leib so bange als Gasthvfbetten:-ach verlange weiter nichts, sagt' er, als daß einMensch, und besonders ein Prediger, bevor er inein Lager von tausend Schläfern einsteigt, sich hin-stellt und flüchtig überlegt, wie viele hundertBettlägerige darin gelegen, wovon ein einzigerhinreicht, um ihn mit jeder unheilbaren Krank-heit überhaupt, aber am meisten mit jener unehr-baren zu verpesten, mit welcher als unschuldigerEhemann im Priesterornat auf der Kanzel zustehen grausenhafl sei: denn die frischen Bettüber-züge, worauf einige bauen, ziehe» doch gegen alt-angesteckte Federn noch keinen Pestkordon?"

Zum Glück konnte der Hofprediger, wie einParadiesvogel, blos auf der Luft schlafen. DennNikolaus hatte am Tage vor seiner Abreise seinemHvfbanquier Hoseas die Vollmacht gegeben, fürdie Reise alles Geräth um jeden Preis einzukau-fen, und lieber Unnöthiges zu viel als Nöthiges zuwenig, und da hatte es sich gerade sowohl zu! Marggrafs als zu Hoseas Vortheile getroffen, daß