586 Der Komet.
laus sogar >'» seiner Wirklichkeit daran, als dieso wichtige Sache seines Einzugs in Lukas-Stati,so wie die der Züge in alle künftigen Residenzen,näher vor das Auge genommen wurde. WaL aberanzufangen? -
Gewiß am zweckmäßigste» eine Sitzung ; —unddiese seklen auch wirklich die vier Hofherren zu«sammen, und sich um Nikolaus herum. Aber hierzeigte der Reisemarschast, daß er unter allenHerren am ersten verdiene nach Lukas - Stadt zureite»,und da sämmtliche Quartiere zu bestellen, soglänzend und gewankt erschien sein Hofverstand.Erst nachdem er Marggrafen absichtlich rechtlange über die deutliche Erklärung, unter welchemfürstlichen Geschlechtname» und Wappen er auf-zutreten gesonnen sei, abgequält hatte: so kam ernäher und setzte vor dem Fürsten, der auf alleskeinen rechten, nur einen verworrenen Bescheidwußte, die unendlichen Vortheile auseinander,welche von jeher reisende Fürsten vom Inkognitogezogen, daher sogar vöstige Kaiser, wie Joseph,als bloßer Falkensteinischer Graf, in Frankreichund überall herumgefahren. »Bei dem Inkognito,jagt' er, gewinnen Durchlaucht wenigstens dies injeder Stadt,daß Sie nicht solenn empfangen werden,keine langweiligen, militärischen Ehrenbezeigungen,keine fatalen hohen Disttcn, auf die wieder dieGegenvistten abzustatten find, zu erwarten haben;alles verdrießliche Zeremoniell und Ausförscheln,und Schleichen nnd Schwitzen fällt weg. Durch-laucht können in der Residenz den Niedrigen zu-erst besuchen, ohne dadurch im Geringsten bei denHöher» anzustoßen. Und dies, eine solche himm-lische Freiheit, macht es eben, daß von jeher sichdie größten Kaiser bis herunter zu den kleinsten,fast schon inkognito gebornenFürsten,dieses köstlichePrivilegium nie nehme» ließen, sondern sich mitihrer Größe hinter einen gemeinen Edelmannverbargen, wie etwan ein Fixstern mit aller seinerSonnengröße sich vom Erden - Mond bedeckenläßt. Dabei bleibt der Herr doch wer er ist;dieWelt kennt ihn ganz gut, und die Dienerschaftkönnen Durchlaucht ohnehin nicht abhalten, denStand aus Prahlerei auszuplaudern."
In Rom — oder zwei Tage nach dem Diamant-funde, oder auch vorher — hätte Niemand weni-ger eingewilligt ins Inkognito, als Nikolaus: —aber hier unterwegs, nnd unweit von Lukas.Stadt, erwog er hundert Dinge — und tausendHindernisse — nnd alle Drehkreuze — De-markazionlinie» und lebendige Zäune in denviele» Residenzen der Zukunft; und zwar mit sol-cher Scharfstcht sah Nikolaus alle diese Hemmun-! gen und Stemmnngen voraus an, daß er vor derSitzung der Hvfberren sich erklärte, er sei ent.schloffen, einen bloßen adelichen Name» anzuneh.men, nur sei er über die Wahl des adelichen Ge-schlechts noch uneins.
-Und ei» erlvschnes, sagte Worble, schicktsich am besten; aber ein Pittschast des Geschlechtsmüßte man den Augenblick doch dazu haben in derHand. Ich selber führe seit Jahren ein gutes sel-tenes an dtr Uhrkette — Durchlaucht kennen es(Nikolaus schüttelte und konnte sich der Kleinig-keit nicht entsinnen). Es ist das alte mit den dreiHasenköpfen, (fuhr er unter dem Abdrehen deffel.
be» von der Kette fort); — ich wollte und durfteaber mit solchem, als bloßer Bürgerlicher, nichteher zu siegeln mich unterfange» als bis ich in denAdelstand erhoben worden. Die Hasenköpfe sindein altes meklenburgisches Geschlecht, das längstausgsstorben, und Paschcdag Hasencop, der zwi.scheu i»5H und iay8 lebte, war der letzte; meinPittschast aber ist das von Kollo cle llaseneop,der drei solche Köpfe geführt, nicht aber zwei, wiedie von Malzahn. Da ich einmal das so rare Pitt-schaft halte: so schrieb ich mir aus H. von M e -dings Nachrichten (*) von adelichen Wap-pen die Notizen über die von Hasenkopff (zzfsterParagraphuS, im ersten Band) ab, ein Blättchen,das ich da habe."
Hier las Worble nun den Paragraphen derSeite 23o wörtlich vor:
"Hasenko pff."
»Ein Meklenburgisches Geschlecht, welches sichauch Hasencop, Hasscop, Hazenkoppen, Hacenkopgeschrieben findet. Ob dasselbe mit denen vonMoltzahn einerlei Abkunft habe, oder nicht, dar.über sind dse Gelehrten ungewiß. Latvniusim AS. vom Meklenburgische» Adel verneint es,unter andern auch wegen Verschiedenheit desWappens, da die von Hasenkopff ohne Helmzwei Hasenköpfe im Schilde geführt. Diejenigen,welche die Abstammung bejahen, sagen: daß derSchild, den Otto cle Hasencop 1 Z 1 H gebraucht,mit dem Siegel Heinrichs von Moltzahn 1370ganz gleichförmig gewesen, auch daß Kollo elvHasencop nicht zwei, sonder» drei Hasenköpfe ge-führt.
"kl'iklei'ieus cle Hasencop lebte 1221 , nndPaschedag Hasencop, der letzte dieses Geschlechts,f zwischen iaü5 und iay8.
>M8. abgegangener Meklenb. Familien.
-Man siehet hieraus wenigstens so viel, daß dievon Hasenkopff zwei oder drei Hasenköpfe in ih-rem Schilde gehabt. Wenn ich aber das Molt-zahnsche Wappen mit obiger Angabe vergleiche, sohalte ich dafür, Latvnius sowohl als seineGegner haben sich in ihren Beweise» widerspro-chen, denn im ersten Felde des MvltzahnischenWappens sind zwei Hasenköpfe; ich sehe also nichtab, wie Latvnius die Verschiedenheit damitbeweise» will, daß die von Hasenkopff sich zweierHasenköpfe bedienet, oder seine Gegner damit, daßBolto Hasenkopff drei Hasenköpfe geführet habe»soll, eine Gleichheit beider Wappen behauptenkönnen."-
»So heißt es wirklich," — setzt Worble dazu —den ParagraphuS aber über die Herren von Molt-oder Malzahn (es ist wahrscheinlich der S55ste)
(*) Das aus drei Bänden bestehende Werk hat denTitel: Nachrichten von adelichen Wappen, gesammeltund mit einer Vorrede des Herrn Professoris Gebhardibegleitet, herausgegeben von Christian Friedrich Augustvon Meding, Erbhcrrn auf Gchncllcnberg, Capitular»und Scholastico zu Naumburg, Äönigl. Großbritann.Churfürst!. Braunschw. Lüneburg. Land - Commissario.Hamburg, gedruckt zum Besten des Frevheit - Naum-burgischcn Wahfenhauscs, bei Johann Philipp ChristianRcuß. > 786 .