Der Komet.
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hab' ich, ob sie gleich das LanLmarschall-Amt imHerzogthum Güstrow erblich bekleideten, nicht ab-geschrieben, da sie nur zwei Hasenköpfe führen, ichauch das Pittschast nicht besitze. Uebrigens unter-schreib' ich mit Freuten jedes Wort in der Vor-rede, welches H. Professor Gebhardi zum Lobedes Domherrn von Meding vorbringt, so wie daszweite Lob, das wieder dieser in seiner Vorredejenem ertheilt. Auch muß an einem Werke etwassein, auf welches (wie ich aus dem Pränumeran- iten - Verzeichniß sehe) beinahe lauter Edele von ^Deutschland, nämlich unsere adeliche Bank. als iNobel-Parterre, voraus bezahlet, wenn ich einige zwenige Niedrige, wie den Kandidat DulpiuS i»Weimar, einige Buchhändler und ritterschasllicheLeihbibliotheken ausnehme." ^
Hier legte er nun Las abgeschraubte hasenköpfige >Pittschast dem aufmerksamen Marggraf hin, und !versicherte, mit dem größten Vergnüge» überlassers ihm, wenn er es zu seinem Inkognito gebrau-chen, und als bloßer Graf von Hazenkoppen, oderHacenkvp, oder Hasekop, oder Hajencopp, oderHasenkopff reise» wollte. —
»Besser wär' es wohl — versetzte Nikolaus —wenn blos zwei Hasenköpfe auf dem Wappenständen; man könnte dann füglich als Graf vonMoltzah» reisen." — "Indeß zwei oder dreiKöpfe macht nicht viel Unterschied," fiel auf einmalder Hofmaler Renovanz, vielleicht mit hoherFreude ein, daß er sich mcht mehr mit der Umge-hung von Marggrafs - Aürstentitel abzumüde»brauche. Der einfältige Kandidat Richter fand,vor lauter Liebe für den weit- und weichherzigenMarggraf verblüfft, gar nichts Arges, sondernrecht etwas Schönes in dem grotesken Inkognito-Namen. Auffallendes, Fremdartiges war dem jun-ge» Mensche» gerade Hausmannkost und einenK o m et e» schwänz trug er als einen ehrendenBassarvßschweif, wie wir ja bald im Weitekle-sen sehe» können.
Der einzige Hvfprediger Süptitz erklärte sichgegen die Hasenköpfe: »ich stoße mich etwas anLein zu gemeinen Namen der Wappenthiere, vonderen Köpfen die Rede war, und noch mancherwird sich daran stoßen. Wenn einmal unser vor-trefflicher H. Marggraf sich unter fremdem Titelzeigen und verbergen wollen: so würd'ich wohlgerathen finden, da man ja nach Gefallen wählenkann — ich sehe aber dabei vom Pittschast ab —Laß lieber ein einnehmender, ja prächtiger Nameangenommen würde, indem man zuverläßig unterso vielen Glanzgeschlechtern aussuchen kann, wiez, B, Falkenstein ..... oder .... oder . . . ."(aber hier vermochte er mit allem innern peinli-chen Herumspringen, auf keinen zweiten Glanzna-men zu kommen, etwan auf Ostheim, Westerbold,Spangenberg, Plothv, SonnenfelS, Löwenstern dc.)»Es ist ein Leiden ohne Gleichen, fuhr er fort,daß ich oft gerade solche Namen, die ich am nö-thigsten habe, auf keine Weise, und brächt' ich michum, erwischen kann, ob ich sie gleich in meinenvier Gehirnkammern gewiß sitzen habe und sie or-dentlich von weitem vernehme."
»Das ist recht, — sagte Worble — ist abereben ein Beweis, wie wenig glänzende Namen esim Adel gibt; auch schon darum würd' ich keine»
zum Inkognito wählen, weil ich fürchtete, mich da-mit des bloßen Schemens verdächtig zu machen. —Aber, Himmel, H. Hvfprediger, ist denn nicht dieSache ganz anders und umgekehrt zu nehmen?Hase, Hasenkopf, besorgen Sie, sei als adelicherTitel nicht edel genug? — Himmel! ich flehe Siean, sind denn Ochs, Esel, Bock, Schwein, Gans,Schaf, Teufel, so plötzlich und auf einmal als keineallen mehr anerkannt, welche von Geschlecht zuGeschlecht forterben? Es führen die Herren vonBiberern, ein fränkisches Geschlecht, im silberne»Felde einen Eselkopf (*) — die Herren vonSackesel, oder Garten (*'), einen ganze» beladenenEsel — die von Niedheim gar einen springenden,mit dem Schwänze zwischen den Beinen ;der berühmten Niedesel und ihres Wappens ge-denk' ich kam». Nicht anders ist es mit den heral-dischen Ochsen deS Adels; wovon ich nur den blo-ßen Ochsenkopf der ansgestorbncn von Oßleves-sen (ff), und den ganzen Ochsen der Grafen vonSprinzenstei» (s-f) aufführe. — Nun kommenl mir »och die Herren von Schaf, die Herren von! Schwein und von Schweinchen (-sfifi), die HerrenGans.von Putlitz, die von Hund, die von Bock,alle mit ihrem verschiedenen Gevattervieh auf denHelmen, zu Hülfe, und die Freiherren Teuffelvon Gunderstorff gar mit dem Teufel selber, undwaS eben daS Stärkste, alle mit redenden Wap-pen C), wie wir es in der Wappenkunde nen-nen
Aber ist denn diese Wildbahn, oder dieser adelicheThiervorspann, etwas anderes, als der heraldischeThierkreis, worin die Adelsonne mit andern Ster-nen geht und steht? — Und selber ein Bürger-licher findet sich leicht in diesem ägyptischen oderheraldischen Thierdienst znrecht, wen» er bedenkenwill, daß die Aegypter gerade unter den Thierge-stalten ihre darin verwandelten Götter wiedergefunden und angebetet.»
»Fällt mir hier, H. Neisemarschall, das Ge-schlecht der Närringer ein, bemerkte der Kandidat,welche in ihrem Wappen einen leibhafte» Harle-
quin führen" (**). Unglücklicher "Weiss
schaltete Richter dies ei», aber ich versichere inseinem Namen, daß er damit nicht auf Worble'sHarlequinaden anzuspielen dachte; und doch nahmes der Hofstallmaler Renovanz für einen Ausfall— denn so gings dem friedfertigen, nie auf einenGegenwärtige» abschießenden Manne sein Leben-lang — und sagte zum Marschall: ein hübscherStich!
»Sitzt dock, fuhr Worble ohne Antwort darauffort, unser Wetterprophet und Kandidat Richterleibhaftig hier, und unterschreibt als Bürgerlichersich von freien Stucken, ohne Anspruch auf Inko-gnito, unter der Vorrede seiner herrlichen »AuS-
(*) Medings Nachrichten, The,) z. §. gS.
(**) Medings Nachrichten, Theil 2 . h. 7NÜ.
(***) Th. 2 . §. 7i2,
(t) Th. Z. §. S8g.
( 77 ) Th. ä. §. Lvt.
(-stt) Th. 2 . h. 7YZ.
(*) Redende Wappen nennt man solche, welche mitden Namen derer, die sie führen, einerlei sind.
('*) Meding, Th. 2 . §: sgo.
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