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Der Komet.
An Pässe sich übrigen» stoßen, weil sie halb wievorausdatierte Steckbriefe klingen, und nicht ge-nug Treu' und Glauben voraussetzen, heißt wohldas Zartgefühl übertreiben, und es am falschenOrte, nämlich in der Polizeistube, anbringen, jaich will hier jeden mit Diebbanden selber schlagenund beschämen. Denn gerade diese, welchen amRufe und Scheine der Ehrlichkeit so viel, ja nochmehr, gelegen sein muß, als unS — weil alle ihreauswärtigen Geschäfte darauf beruhen, ja ihreinnern größtentheils, indem in ihren kleinen Ein-schieb- oder Enklaven - Städtchen im Staat, geradeDieberei unler einander am stärksten und als einMajestätverbrechen (*- gegen die ganze Verfas-sung geahndet wird: — eben diese Banden,Schwarzbündner und Bündler, sag' ich, findenPässe so wenig gegen den Ruf und Schein ihrerEhrlichkeit und unter ihrer Würde, daß sie eineneignen Beamten unter sich besolden, welcher ihnenfalsche Pässe, (für sie eigentlich wahre), macht (**).Der Flebben- oder Paßmacher, der mit Muhe undKunst die Stadt-Siegel von unsern Flebben ablö-set, und auf seine anklebt, oder der gar unsereStempel erst nachsiechen muß — daher er sich nochden Zinkenstecher betitelt — steht im höchstenAnsehen unter sämmtlichen Dieben, und erhebt,außer seine» jedesmaligen Paßgebühren, nochvon jeder Beute einen besondern Ausbeutetha-ler.
Es liegt allerdings in unsern Staatverfaffun-gen, daß wir hier nicht ganz die Diebbanden errei-chen können, indem diese die Pässe oder Flebbenstelö nur außerhalb ihrer Räuberhöhlen gegen dieFremde» vorkehren, unter einander selber aberweder Pässe noch Ansenthaltkarten (die Kodi-zille der letzten) fodern. In unsern weit volkrei-chen« Verfassungen verlangt die allgemeine Sicher-heil eine Aufenthaltkarte noch neben dem im Po-lizeibureau niedergelegten Flebben; und sogarmeine» niedergelegten Flebben muß ich in meinemeignen Lande, wegen der Größe desselben, mit Rechtin jeder einheimischen Kreisstadt von neuem --vi-sieren-- lassen.
Man halt' es mehr für einen Einfall und Traum,als für einen ernsten Vorschlag, wenn ich hierfrage, ob nicht die Polizei allgemeine Pässe —etwa nach der ersten Beichte — auf den Rückenaller Volljährigen, als zweite Taufscheine, mitGeburtvrt, Eltern u. s. w. so einbrennen könnte,daß man» mehr sähe als spürte. Und zu machenwar' es. Wer bedenkt, daß der Kaiser Theophilusauf die Gesichter zweier Mönche jedem zwölf grie-
(*) Wie könnte auch ein solcher, von außen nichtgarantierter Trans,tostaat nur drei Wochen lang be-gehen , da sogar die Nachdruckerzunft in Oestreich,obgleich an stich ehrlich und beschützt, sich doch ein-ander nicht nachdrucken darf, sondern jeder seinenNachdruck eines ausländischen Buchs, als rechtmäßiges ^ehrliches Eigenthum, gegen einen andern inländischenNachdrucken behauptet.
(**) Falkcnbcrgs Darstellung der verschiedenen Räu-ber ic. ic. B. 2. — Ich lese überaus gern Werkeüber die uns »och so wenig bekannten Verfassun-gen, Gesetze und Sitten der Spitzbuben und Räuber;
! ste hellen mir manches in den unsrigcn auk und zeigen,
! was unS fehlt.
chische Verse hat einätze» lassen : dem würde ein ,solches kurzes Paß-Tätauieren nicht viel anders, !ja besser vorkommen, als die Mahlzeichen des IThierS auf den Hinterbacken der Kavalleriepferde,oder auf der Wolle der Schafe. Ein solcher im-mergrüner, immerwährender Rückenpaß bliebefür die Ehre eines ehrlichen Mannes ein Rü-ckendekret und eine tragbare Rückenlehne, under hätte überall, wo er sich setzen wollte, sich blosaufzudecken nöthig und als sein eigner Hintermanndazustehen; denn ein solcher brauchte, um zu sie-gen, blos den Rücken zu zeigen, als die Kehrseiteseines GehaltS..... Doch genug von einemEinfalle, der nur zeigen sollte, wie sich eingeätztesPaß- oder Flebbeuwesen eben so gut mit feinstemEhrgefühl (trotz allem Anscheine von Brand-marken ) vertrage, als mit Ersparung vonSchreibgebühren, Zeitaufwand und mehr der-gleichen. —
Der Reisemarschall kam Abends recht zeitig nachNikolopolis zurück, und konnte die ganze Stadrmit den schönsten Nachrichten erfreuen, daß er denrömischen Hof gemiethet, und daß der Fürst jedenAugenblick als Graf von Hacencoppe» ohne ge-ringsten Polizeianstoß eintrete» könne. (Von sei-nem aus Rom nach Lupstadt mitgebrachten undim Polizeiamt niedergelegten Flebben sagt' er keinWort).
--Ueberhaupt sei ganz Luv- oder LukaS - Stadtin besonderer Spannung auf etwas, setzte erdazu, er wolle aber nicht verrathen, aufwaS.--
Das nächste Kapitel wird wohl den Lesernselber aufdecken, was die Leute so spannt. Wäh-rend seiner Bemerkung flog ein fürstlicher Wa-gen aus Lukas-Stadt vor Nikolopolis mit viergallopierende» Pferden vorbei; auf dem Rücksitzsaß nichts.
Jetzo ging Nikolaus mit sehr seligen Gefühlendurch die Straßen der Stadt, und sagte allen Niko-lvpolitanern, er nehme morgen und überhaupt solang' er in Lukas - Stadt verweile, und sonst bisauf Weiteres, den Namen eines blosen Grafenvon Hacencoxpen an, und befehle daher, daß manihn dort blos gnädigster Graf-' anrede, nichtDurchlaucht. Frühes Aufbrechen auS Nikolopolis,mit Zurücklassung der Stadt, schon vor Sonnen-aufgang, wurde besonders angeordnet. Der Leib-husar Stoß wurde mündlich beordert, schon umfünf Uhr aufzuwarten, aber nicht als fürstlicherPage, sondern als gräflicher Kammerdiener. Die-ser allein hatte an dem freiwilligen Stande derErniedrigung etwas auszusetzen, und sagte: »pur-bleu! Ihre Durchlaucht kommen so vom Pferdeauf den Esel, weil» Sie wieder ein blvser Grafwerden; Graf oder Marggraf; ravclieu! dasteht nur schlechter Unterschied dazwischen. Undder miserable Dreckapotheker (Ler Rezeptuar)wollte noch dazu glauben, daß Hacencoppen aus-sehe wie Hasenkopf; wir hätten uns aber bei-nahe gut geprügelt darüber; denn ich weißdie Sache.-- — „ckean, versetzte der Graf lächelnd,es sieht nicht blos so aus, sodern ist auch jwirklich so; nur daß Hasenkvpf neuer ist; al-lein in der Heraldik verschlägt dergleichen wenig,