Band 
IV.
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Der Komet.

> — blos von der voraus laufende» Kunststraße! geführt — unter das Stadtthor; aber hierwar wieder frisches Verwirren. Sie passiertenzwar ungehindert und unbefragt — im Nebelist man noch winziger, ja unsichtbarer, alsein Kleisteraal oder ei» Minierräupchen — aberalle unstchtdaren Trommel» wurden plötzlich ge-rührt. unsichtbare Gewehre wurden hörbar präsen-tiert und: 'raus! wurde gerufen, (wie hätten sonstdie Gräflichen nur wissen können, durch wassie Passierten ?) und zu gleicher Zeit fingenauf den Thürmen die Stadtpfeifer hinter ihrenNebelschleiern zu trompeten an und Glocken zuläuten und Kanonen zu donnern.

»Ein Prinz ist gekommen !» rief es aus demNebel. — »Alle Wetter der neue Prinz istda, ich will aber heute saufen !» — rief esdort. — »Er soll wohlgebildet sein und langgestreckt, hager aber.» — »Nur verflucht langhat er auf sich passen lassen» — hörte manwechselseitig. Der Fürstapvtbeker konnte bei sol-chen Ehrenbezeugungen und in seinen Umstandennatürlicher Weise aus nichts in der Welt weni-ger verfallen, als auf die Geburt eines langerwarteten Erbprinzen, der zu gleicher Stundein die Welt, wie er in die Stadt, getretenwar; er konnte mithin, wenn er richtig ge-nug muthmaßte, in den Wagen mit dem Für-sten - Wappen nicht, statt einiger wahrschein-licher Prinzessinnen, die Abends vorher zu-fällig, oder gar seinetwegen, vorausgefahren,etwa die Amme und Hebamme einsetzen, welcheder fürstlichen Niederkunft wegen eiligst ausder Nachbarschaft herbei geholt wurde» : son-dern er mußte, als vernünftiger, besonnenerMann, alle Wahrscheinlichkeiten zusammen stel-len — seine Einmietke in den römischen Hof— und sein i» die Stadt voraus geschicktes Für-sten-Inkognito— und sein Gefolge — und seineResidenz uns Niklasstadt, und konnte folglichkeinen ander:: Srbluß aus allem ziehen, alsdaß man Wind von ihm habe, und ihn alsFürsten i» die Stadt hinein trommeln, pfei-fen , läuten, schießen und schreien wolle; —was alles nebenher sich dadurch bestätigte, daßder vorausgerittene Worble im ganzen Nebelnirgend zu ersehen war , damit er, wie es schien,desto versteckter das ganze klingende Spieldes Einzugs leiten könnte, wenn nicht wirklichleitete.

»Herr Kandidat, der Nebel!» — brach jctzoder Graf au« ; — »Hätten Sie doch etwasvvm Nebel vorausgesagt, ich hätt' ihn zu Hausein Nikolopolis abgewartet; nun aber kann ichin ihm gar nicht erscheinen und die Ehren-bezeugungen ablehnen. — Ich sehe keine Leute,unter die ich Geld auswerfen könnte, und höredoch überall das Divat zuschreien. — Geradeheute ist der Nebel eine sehr bisse Sache.» —Er unterdrückte so zart seinen Mißmuth, mitl welchem der Kammerhusar Stoß so stark her-ausplatzte : ckinüts! blauer Dunst! Alle koste!das soll ein Wetter sein, ein gescheites ?» —

— »Um des Himmels Willen, es wird derhimmlischste Tag, denn es steigt ja nichts» —betheuerte Richter, den Nebel meinend. —

> »Zwar kann man nur aus dem Aequinvkzium! weissagen, nicht aber in ihm; allein heute triffteS doch.»

§ Drinnen in der Stadt selber ging das Babelvollends an. Entfernung, koint cke vuo, Hinter-gründe und dergleichen gab es in der ganzenDampfstadt nicht mehr, — Sänftenträger,wüthig schreiend: vorgesehen ! trabten alte Wei-ber nieder. — Auf einem nahen Töpsermarktwar Krieg und Krieggeschrei, denn die Fuß-gänger wanderten über die Schusseln als überglatte Pflastersteine weg, und machten sie alsChausseesteine möglichst klein. — Der Zucht-hausprediger hörte einen gallopierenden Gaul,und bat Gott um nichts, als um einen Reiter,damit das Vieh nicht allein wäre, sondern be-ritten. — Einem Wagnergesellen war sein mitbloßen Händen gerolltes Kutschenrad entlaufen,und er schrie: wer hat mein Rad gesehen?und eine Ganshirtin stand einsam unter fünftreuen Gänsen im Gewölke, die Hände überden Kopf zusammenschlagend , über ibr bei Nachtund Nebel abgefallenes und entflohenes Feder-heer. — Gescheiter verfuhr ein Kerl miteinem Brett voll Gipsköpse auf dem Kopf,der sich quer in die Gaffe hinein an einenLaternenpfahl fest pflöckte, und unter unauf-hörlichem Zionwächterrufen: »nichts 'runterge-stoßen !» mit einem langen Stäbe die Gaffe hinaufund hinunter schlug, um jeden Ankömmling durchzufälliges Treffen von sich abzuwehren. — Einrothwangiger Frühprediger lief ängstlich mit nach-fliegendem Priestermantel hin und her, und riefaus dem weißen Meere: »o Gott, ihr Chri-sten , wo steht meine Kirche? Es hat dreimalgeläutet, und ich muß schon längst auf der Kanzelstehen.»

— Ein zappelnder Hvflakai in seidnen Strüm-pfen schwang einen Kanapee - Polster vor sich her,und unter dem Rufen: »ich muß ins kalnis; woist das kalai»? Vivnt der k l e i ne Prinz!" stießer mit dem Polster den Kammerhusaren Stoßauf den Bauch; und ckenn, ausgebracht über denStoß und das Klein im Prinzen, streckte in derEile seinen Arm als ein festes Polster aus undlegte dessen Ende oder Knauf absichtlich stark andes Lakaien Stirn und sagte: »Ihr kilou, meinPrinz ist nicht klein ," und sprang seitwärts insNebelmeer.

Unermüdet fuhr der Kandidat in seinen Tröstun-gen fort: »er fällt ja gleich auf der Stelle," undmeinte seinen Nebel. »Ihr Pack, das soll ernicht; prvbier's Einer und stoße mich," rief einKerl, und meinte seinen Barometer, den er mitbeiden Händen wagrecht wider das Anspringendes Quecksilbers fest gepackt hielt.

Oefter kamen kleine Wasserbogen, Prügel undMeteorsteine aus dem Nebelwolkenhimmel geflo-gen; wer aber diese, wahrscheinlich von der Jugendaus den nächsten Häusern geleiteten Würfe fürSiegbogsn, anstatt für bloße Steine dazu ansah,

! für geworfene Blumen, anstatt bloßer Stengeldazu, und die Svritzbüchsen für Wasserwerke hal-ten wollte, der müßte es mehr aus Spaß thun,und zwar gegen den einziehenden Grafen vonHaceucoppen.