Band 
IV.
JPEG-Download
 

002

Der Komet.

sondern auf da» Bett. " Niedergeseffen, Leibhu-jar" — fing der Graf an — "aber was sagst Duzu allein? Trifft's nicht Wort für Wort er»,

! was ich Dir einmal auf dem romer Kanapee von! meinem Fürstenwesen voraus verkündigt? Und doch^ sind wir erst in Lukas-Stadt- Hättest Du Dir! aber einen so glänzenden Empfang bei meinem! bloßen Inkognito vorgestellt, daS Glockengeläute,

! das Schießen, und die Leute überall, die uns so! nachsehen ? — Oder hättest Du Dir träumen las-! sen wie ich, daß eine Prinzessin mir hieher ani den Hof voraus eilen würde, anS recht gutenGründe»? Denn ich sage Dir, ste ist mir eineArt wirklicher Vorhimmel. (Der Stößer hob vorFreude» die ausgebreiteten Arme in die Höhe). —Sei doch still ! — Und sage mir, was sagst Du inDeiner Einfalt dazu, daß alle hiesige Malerschu-len unter allen Gesichtern keines zur Ausstellungliefern wollen als meines? — Ist aber nicht ge-rade auf mein Gesicht meine ganze Zukunft undKrone gebaut? — Wie, Jean? Gerade herausdamit! --

(Dieser steckte sogleich beide Hände ein, undschüttelte damit die Laschen und den Kopf undden Oberieib vorwärts, um gleichsam ein allge-meines Körper - Zunicken zu geben.) — »Ich bindabei nur begierig, wie sich Rom schämen und be-nehmen wird, das mich in den letzten Tagen soschmerzhaft verkannte, daß ich wahrlich immerdaran denken muß, um es nur zu vergessen."(Hier fuhr Stoß vorn Sessel auf und drohte mitgeballter Faust ernstlich nach der Stadt Rom hin,

> und sagte: Du!)

»Husar! noch einmal möcht' ich erinnern, sprichweniger! — Und so bin ich denn heute so rechtnach Herzens Wunsch, und über meine Erwartunghinaus glücklich geworden. Nur würd' ich es nochstärker werden, wenn ich es recht glaubwürdigund ausführlich vernähme, daß es auch allen mei-nen guten Leuten, die mir so anhänglich auf mei-ner langen Lauf. und Rennbahn nachgefolgt, nachWünschen ergangen, Dir aber besonders, alterckean, und es wäre wohl ein kleines Oaukzeichen,wenn Du nur endlich den Mund aufthun und nuri etwas darauf antworten wolltest. -- —

»Alle ckiadle! Will ich denn nicht reden bisder Morgen graut? Und kann es jemand besserhaben in der Stadt als ich? Den ganzen Tag geh'ich darin mit meinen goldnen Tressen herum, obes gleich ein Werkeltag ist, und zeige mich. Dieandern Herren haben es besonders herrlich, undtrinken so viel sie wollen, und lassen sich ihr Es-sen bringen. Am meisten wunderts mich aber,daß unten zwei Stube» voll Anstreicher oder Ma-lerleute sitzen und grausam jubeln,, Ihnen zu Eh-ren. Gehören denn die zu unserer Suite? Einganzes halb Schock sind ihrer." — Stoß hattenicht im Geringsten das verstanden, oder beachtet,was Nikolaus von seinen Malern gesagt.

»^eanl» — versetzte Nikolaus mit dem frohe-sten Gesicht von der Welt und im Zimmer —--morgen malen mich ja die einen sechzehn auf ein-mal ab, übermorgen aber die andern fünfzehn;auf das freuen sich nun die guten Leute so sehr. »— »Kann denn nicht Einer allein Ihr Gesicht zu; Stande bringen? -- fragte Stoß, welcher glaubte,

das halbe Schock arbeite es in Compagnie aus, jund theile sich in die Gliedmaßen für den Pinsel. >Als er über seine einfältige Hypothese zurecht ge- !wiesen war, gebar er die noch einfältigere Frage, !was denn ein Mensch mit ein und dreißig Gesich- >kern von sich anfangen wolle, zumal wenn er seineignes noch habe? — »Page,» fing Nikolaus ernst-schwer an, »ein Fürst unterstützt die Kunst, zwarauf jede Art, aber durch Porträtmalerei am lieb- !ste». So ist die Sache schon an und für sich.Geh' aber weiter, Page! — Nur kannst Du über

viele Dinge gar keine Einsicht haben-Bejah'

es nicht und störe mich-Ließe ich demnach

zehn tausend Schock Bildnisse von mir verfertigen,und zwar theils auf Silber, oder gar auf Gold,und gäbe die Porträts herum: wahrhaftig, nie-mand bekäme ihrer genug. — Ich wollte aber et-was anderes fragen, denn natürlich hat jeder Geldlieb, indeß ist die Sache immer die, daß der Kopfeines Fürsten nicht oft genug abgebildet und reprä-sentiert werden kann, da er selber so viele lausendandere Köpfe repräsentiert, die er beherrschenmuß. Sogar abbildende Geldstücke sind ihm nichteinmal genug, wenn er jemand mit sich selber be-schenken will, sondern er beehrt ihn etwa mit einerTuliutwre, auf welcher sein Bildniß im Große»steht, obgleich oft unten darunter eine Menge sei-ner verkleinten Gesichter in der Gestalt von Gold-stücken liegen mögen. — Bei mir aber hat eS nochdie höchst wichtige Bewandniß, ckean, daß ick, eh'ich mich auf Münzen , oder Münzen auf michschlagen lasse, darauf zu denken habe, vorherzweien der größten und geliebtesten Personen aufder Welt, meinem durchlauchtigen Vater und mei-ner durchlauchtigen Geliebten, mein Bildniß, dassich nun durch die ein und dreißig Maler zu Hun-derten ausbreitet, vielleicht in die Hände zu spie-len. — Ich denke mirS, wenn denn nun dieAllergeliebtesten auf einmal mein Porträt zu sehenbekämen ....—-»

»tliel! versetzte Stoß, sie wären des Teufels le-bendig, und wüßten gleich, wen sie vor sich hätten,wenn Zhro Durchlaucht selber nachkämen und auf-träten."

»Und da die Künstler natürlicher Weise ihremorgendlichen Kunstwerke in der großen Ausstel-lung mit aufhängen: sostst es höchst wahrscheinlich,Laß die fremde Prinzessin, die im Schlosse ist,sich erinnert, mich in Rom nebe» einer ihrerhohen Freundinnen gesehen zu haben, und dar-auf die Freundin oder mich von manchem benach-richtigt."

»Noi-vlau! versetzte Stoß, auf mein Wort!Die Prinzessin hat Sie ja ohnehin schon heuteam Schloßfenster beschaut, Lurch das Spektiv.»Nikolaus, der, wie gesagt, alles nur bei Wi-derscheinen sah, und bei Widerhallen vernahm,hatte vor lauter Zukunft gar nicht aus Heute ge-dacht.

! »Denn überhaupt — fuhr er ruhig fort — muß! ich besser erfahren, was der hiesige Hof von mirI Lenkt.

»Ei, das weiß ja der Hof selber noch nicht —

! sagte der Stößer, der blos an den römischen Gast-hof dachte. — Der Wirth wollte wohl mich hintenund vvrnen aushorchen, aber ich pfeif' ihm was.