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Der Komet.
theils IN» in sein Sitze» hinein zu sprechen, undsolches sich zu erleichtern, theils weil er seine recht«inten Gründe dazu hatte, nämlich seine zwölfBlatternarben. Er brachte vor, wie sehr geradeihre Schule den Kenner befriedige, der sich oderjemand anders malen lasse, weil er von ihnendoch eigentlich kein Scheinbild Seiner selbst er-halte, sondern ein wahres, nichts Hineingepinsel-tes, nichts Vertuschtes, sondern gerade nur das,was er selber sei. — Und eben dieses Selbst sei esjai, was der Liebende im fremden Bildniß alleinaufsuche. — Niemand werde sich einen schönernVater wählen, als sein wirklicher sei, und eben sogeh' es mit dessen Bildniß, und wenn ein Swiftund DescarleS sogar an den Geliebten selber dasSchielen, oder andere (St. Preup an seiner Ju-lie) sogar die Blattern selber reizend fänden : wieviel leichter natürlich an den blvjen Porträten. —Und er bedaure nur, Laß gerade die unschuldigenFürsten so leicht, so flach, so unkenntlich auf ihrenMünzen erschienen, blos durch lauter Schönkiin-sielei. — »Meine Herren, nur keck zu, nur red-lich keine einzige Pockengrube weggelassen, undwären ihrer ein ganzes Dutzend,» endigte erfein genug; denn gerade diese zwölf Narbensollten zwölf himmlische Zeichen werden, worinihn auf seiner Sonuenlaufbahn der Vater zu fin-den hatte.
Es war daher sehr verständig von ihm, daß ermit seinem Bollaesicht gerade dem herrlichen, undin ganz Lukas-Sladt berühmten, Balthasar Den-»er saß, welcher, wie schon gedacht, über ein Bildvon sich Las Mikroskop sogleich mitgemalt, durchwelches man die feinsten und unsichtbarsten Züge ganzsichtbar und vergrößert erblicken konnte. Hacen-coppen verlangte von ihm, er solle auch über seinPorträt ein gezeichnetes Vergrößerglas anbringen,jedoch mög' ers nur über die Nase halten, und sogardies nur so, daß nicht die Nase unendlich vergrö-ßert würde — was schlecht im regelmäßigen Ge-sicht ausgesehen hätte — noch auch die Pockengru-ben — welche dann noch unförmlicher, als zwölfHerzgruben, oder wagrechte Nasenlöcher, oder alsDiamantgruben erschienen wären — sondern allessollte unter dem Mikroskop sich so ausnehmen, wiees in der Natur sei, nämlich als eine ordentlichevernünftige Menschennase, nebst ein Dutzend Blat-ternarben, »wenn ich anders richtig gezählt,» sagteNikolaus
So bekam er denn fast in Einer Stunde mehrlange Nase», als ein anderer in seinen, ganzenDienste; den» sein Gesteht brach sich in denWellen der Farben sechzehnmal. Ich will diesnicht reichlich nennen; denn da der kleine Dresd-ner Kirschkern hundert und achtzig eingeschnitteneGesichter zeigte, so keimten freilich aus seinemGesichlkern ein Hundert weniger Gesichter auf,was absticht, wenn ich auch das morgendlicheTreibhaus der welschen Schule mitrechne. ZwölfGruben weniger oder mehr, und jede in angebor-ner Reihe, schlug Balthasar Denner bergmännisch— dies war voraus zu setzen, aber es muß doch zuseinem Lobe hier allgemein bekannt werden — ausder Nase, unter dem Glase ein, blos treuder Kunst, blos folgsam der Natur, ohne einWort zu «thuen, daß diese Blattergruben Gold-
und Silbergruben des Fürsten sind, und daß die-ser, ohne die Blatlerpunkte, für seinen Vaterblos ein unpunktiertes Alttestament bei alle» sei-nen sonstigen Lesemüttern oder Nutiivus Inatin-ois bleiben würde.
Indessen wünscht' ich, daß über Denner nicht einOchs vergessen würde, ich meine nicht den frü-hern französischen Gesandten in der Schweiz, son-> dern den zweite» Paul Potter in Lukas-Stadt.Wenn nämlich der erste Paul Potter eine pissendeKuh, wie Myrvn eine säugende, gleichsam derj Bundlade seiner Unsterblichkeit vorspannt, und^ jede Kuh so berühmt ist, wenn auch nicht so erha-i bei, und gesucht, als die kisse-Vuelre — wie die§ Schweizer in ihrer Viehweidesprache den bekanntenj Wafferfall pomphaft genug nennen — : so stellte! der LukaS-«tädter Potter einen pissenden Ochsen! neben den Evangelisten Lukas von solcher Vollen-dung auf, daß man nicht blos den Evangelistenl über sein Thier (wie oft in den Heiligen - Legen-den umgekehrt) vergaß, sondern auch auf denMaler den Namen des Viehes übertrug. Esbrach der Gallerie-Jnspektvr in seinem Programmüber die vorjährige Ausstellung, wo er eben denPreisochse» öffentlich und ästhetisch schätzte, ineine solche Bewunderung aus, daß er spricht »voneiner Nische, von eine», Heiligthum, das die herr-lichen vier Beine des Viehes als Säulen bilden.»Fast zu feierliche Redensarten,die blos ei» Goethe,und zwar nur bei der Darstellung von MyronsKuh mit dem Kalbe, sich wörtlich so erlaubenkonnte.
Aber eben der Schöpfer und Namenvetter desgenialen Ochsen stellte auf Hacencoppens Nase, ob'er sie gleich nur in Miniatur nachmalte, denganzen Pocken-Zwölfpunkt — wenn ich aus Scherzden Grafen nach der Doppel-Aehnlichkeit mit Leu,Käfer Sechspunkt oder coeeiuslta sex punotnU»so nennen darf — mit schöner Reinlichkeit dar.Eine ganz unerwartete Freude machte aber Oci sd.em Grafen durch einen Halbring über seinemWirbel, der ordentlich dessen bekannte Schädelphos-phoreszenz, oder dessen Heiligen - Diffusivnraumandeute» konnte. Es blieb der Heiligen-Anschrvtimmer etwas Herrliches, so wie die Pvckennar-ben-Znterpnnkzion, wenn auch Potter, wie zu ver-muthen, nicht das Geringste von der hohen fürst-lichen landesherrliche» Bedeutsamkeit der Narbenund der Strafen gehört; bann hatt' er den.Halbring wahrscheinlich aus der Gewohnheitdarüber gezogen, entweder den heilige» Evangeli-sten Lukas so oft zu malen, oder neben ihn auchdessen Ochsen, wovon ihm die wie zwei Mond-viertel einander zugebognen Hörner als eine ArtHeiligennimbus geläufig geblieben.
Genug! Hacencoppen war mit Ochsen überauszufrieden.
Sonst aber ist es historische Pflicht, nicht zuverhehlen, daß die andern Maler nur schlechteDenner und Potter waren, und viele über zwölf,manche unter zwölf Blattergruben, ein paarvollends zusammenfließende Blattergruben aus-geheckt, der dazu gehörigen Nase» gar nicht zugedenken, ja einer saß unter den Malern, welcher,wen» jene Männer im Tempel des malerischenRuhms aufzustellen waren, gar auf den Kirchhof