Der Komet.
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desselben gehörte; ich mache seinen Namen ausLiebe der Welt gar nicht bekannt, so grobgeschrie-beu er auch da vor mir liegt.
Niemand in der Akademie, die Maler am we-nigsten, konnte so sehnlich das Ende der Sitzungheranwünschen, als die Akademie, nämlich derGraf selber. Er konnte sich nichts Langweilige-res denken, als sein unablässiges Augen-Auf- undAblaufen auf den Gesichtern der 16 Kopisten, woer auf kein einziges treffen konnte, Las erträg-lich fett gewesen wäre. — Viel Farbe hatte auchkeiner, ausgenommen die wenigen Lefzen derMiniaturmaler, die ihre Spitzpinsel an ihnen ge-näßt halten. — Ermüdet schon Sitzung Fürsten,wie viel mehr, wenn einer, wie Marggraf, dieMinute durchaus gar nicht erwarten kann, in derer aufstehen und den sechzehn dürren Schachfigu-ren — worunter nur drei reich genug an Goldund Silber waren, nämlich die Miniaturmaler anMuschelgold und Silber — zehn Gvldludwige(nämlich jeder Figur) auf die Tafel hinlegenkann, sondern wenn er ordentlich vor Ungeduldzappelt und wie ein Schullehrer denkt: häuslicherFleiß könnte ja das Beste thun und mich aus-malen.
Endlich konnt' er aufstehen und auszahlen. —
Wie gesagt, jede (hier mehr ziehende, als gezo-gene) Schachfigur erhielt zehn. —
Die Auftritte dabei gehören zu sehr der lyrischenDichtkunst an, und zu wenig der stillen planenGeschichte, wie sie musterhaft ein Adelung in sei-ner "pragmatischen Staatsgeschichte Europens»schreibt, als daß ich etwas stärkeres vorbringendürfte, als den Wunsch: wäre nur der armeEvrreggio mit seinem Sacke voll erdrückendemKupferehrensold darunter gestanden : er hätt' ihn! wahrlich fallen lassen, und gesagt: ich bin auch einMaler, nämlich ein LukaS-Städter-
Die Schwüre sind nicht zu zählen — ich nehmesechzig an — welche die Meister unter dem Gold-einstecken thaten, daß sie die Kunstwerke nachHause nehmen und da so arbeiten und mit neuenZügen, die sie bis zur öffentlichen Ausstellung ihmtäglich im Vorbeigehen abstehlen würden, so nach-'bessern wollten, daß man ihn bei der Ausstellungunter taufenden auf tausend Schritt weit erken-nen sollte.
Zweiter Gang.
Worblc's Abendtischredcn über alles Vorige undden Wirth.
- Ich weiß, wer den H. Grafen unter allen imSaale am besten und ähnlichsten getroffen; — ersich selber, durch sein Bezahlen," sagte der Reise-marschall Abends, als er, in gräflichen und sei.neu eignen Angelegenheiten den ganzen Tag zwi-schen Nikolopolis und Lukas-Stadt hin und hergeweht, endlich zur Tafel kam, und die sechzehnPensionen und Baubegnadigungen aus der Staats-
kasse vernahm. Er sah sich sogleich für einen fah-renden Landstand an; denn in ältern Zeilen führ-te» die Fürsten auf ihre» Reisen die Stände sel-ber mit, die jetzo erst zu ihnen reisen. —
Auch hatte er gerade den ganzen Tag genug ge-träumt, um mit einigem landständischen Feuerund Freimuth den Fürsten auf seine übermäßige> Güte aufmerksam zu machen. Auf keine Weise! durfte der Landstand Worble sich unterfangen,
! etwa unterthänigst und treugehorsamst zu bemer-ken, daß auf solche Weise der nächste künftigeDiamant sich voraus verflüchtigen könne, eh' ermir aus dem Feuer heraus wäre, und daß so dieWände des Kammerbeutels, wie die eines ausge-i hungerten Magens, schlapp zusammen fallen dürs-. ten. Aber so viel durst' er vermeinen, zumal er^ den ganzen Tag das Seinige getrunken: so we-nig er auch von der Malerei verstehe — Rechthatt' er hier und keinen Sinn für sie — so müff'er doch dem Hofmaler Renovanz beifallen, wel-cher die ganze luxstädtische belgische Schule mitder Schule in London vergleiche, worin ein altesWeib Kindern Grimassen und Stellungen zumErbetteln beibringt. — »Ich will keinen Tropfenlupstädtischen Krätzer in Ihrem Hotel mehr trin-ken, Herr Pabst» — fuhr der Landstand, gegenden Gastwirth sich kehrend, fort, der hinter demFürstenstuhls Hacencoppens als insttrv üo plai-slrs aufwartete — »wenn nicht mit solchem Ma-lerhvnorar alle Bettler der Stadt sich hätten ab-finden und hebe» lassen; so wäre die Sache eingründonnerstägiges päpstliches Fußwaschen vonArmen gewesen, statt ein Handwäschen von Pinse-lern.»
»Die sechzehn Künstler — versetzte Pabst —sind eben Gott erbarm's! selber schon Arme,und jeder ist mir schuldig.» — »Und deswegen,fuhr Worble fort, haben Sie als Kenner mehrihrer Zeche als ihrer Kunst Prosazeichner undKurrentkünstler anempfohlen, welche nie das Ide-ale einer Physiognomie, mit Renovanz zu spre-chen, begreifen, geschweige ergreifen können.»
Der Gastwirth versicherte — und berief sich aufNikolaus —er habe auch die »idealisierte" Schule,die welsche, eben so stark empfohlen, morgen kä-men sie ja, und seine gräflichen Gnaden säßen.
Jetzo rief Worble wie außer sich: „o Pabst undalle Götter! Dies ist gar der Hub, Durchlaucht!Unser Hofmaler Renovanz sagt — ich wollt', erwär- da; er arbeitet aber Tag und Nacht für dieAusstellung: — mit seinem Fußzehennagel, wenner spitzig genug geschnitten wäre, wollt' er einfeineres Ideal-Oval auf das Papier Hinkrakenund hinreißen, als sie alle in der Stadt. UndGott sei doch dem Gesichte gnädig, das unter dieGlättzähne ihrer Pinsel gerathen; daS erste, wasder Pinsel wegkehrt und abfrißt, ist die inlän-dische Nase, um eine griechische aufzusetzen, oderwenigstens eine römische, an die Stelle einer rö-mischen; und das kräftigste eckigste Gesicht wirdso glatt gescheuert, wie das einer scharfen Münzein einem Truthahnmagen. Ich möchte mir mei-nes um kein Oxhvst Wein mit ihren Farben ein-seifen lassen. — Diese aber, Herr Graf, möchtendoch noch abzuweisen und die Treppe binunter zutreiben sein, zumal da sie gewiß auf ähnliche Be-