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Der Komet.
nefize wie die belgische» Planspiegel sich spi-tzen" —
Hier nahm endlich der Graf lächelnd nnd milddas Wort, und sagte: „er habe ihnen das Ver-sprechen gegeben, folglich halt' erS unbedingt. —Wenn ein Fürst, wie der von Lukas-Stadt,die Kunst sogar auf Kosten seiner Finanzenzum Blühen getrieben: so könn' er selber inseinen eignen Verhältnissen nicht weniger thun,als sie in diesen Blüten zn erhalten nnd z» begie-ßen. —Auch woll' er seinem allseitigen Geschmackenicht vorgeworfen wissen, daß mir die eine Schulevorzüglich begünstigt würde, die andere aber we-niger."
Hier fiel der freundliche Pabst mit Entzücke»ein: „er ergreife diese Gelegenheit, da der wel-saien Maler morgen nur 15 bestellt wären, undH. Graf von Hacencoppen zum ewigen PreiseIhres unparteiischen Geschmacks auf beide Schu-len Ihre gnädigen Auge» würfen, den sechzehnte»anzuempfehlen und nachzuschieben, der sich diesenNachmittag fast weinend angemeldet: — von Na.tur und Profession sei er ei» welscher Maler, undhabe wohl die besten Heiligen in LukaS-Stadt ge-macht; daher erauch unter dem Namen Heiligenma-ler allgemein umlaufe: — und überaus nett und an-dächtig seien besonders seine 11000 KölnischeJung-frauen,wovon er einpaar Dutzendgeliefert. — Daaber die Stadt mit Heiligen beiderlei Geschlechtslängst überladen,so sei er aus Mangel an Absatz einKupferstecher geworden, und steche eben jetzo einpaar Kupferplatten zu einem äußerst unzüchtigenRomane; es sei jedoch ein ordentlicher Jammer,dabei zu stehen und es mit anzusehen, wie der ha-gere hungerigs lange Mann an den zu anstößigenFiguren verdrießlich mit dem Stichel weiter ar-beitend grabe; für den Mann ein wahrhaft frem-des Fach, in das er sich durch das vorige nicht imMindesten eingeschossen. "Dero unterthänigsterKnecht mochte denn wol>l, beschloß der kunst- undgastliebende Pabst, zum Behufe des dürftigenunzüchtigen Heiligenmalers das Wort für ihn ein.legen, da heute H. Hofprediger Süptitz ausge-sprochen: ein einziges Gesicht von Deroselbenkönnte sammt dem Honorarium dafür den Heili-genmaler gar aus des Teufels Klauen ziehen."
»Bei Gott ! rief Nikolaus, das Gesicht soll derMann bekommen, aber vielleicht noch mehr dazu,als er erwarket."
Da kehrte sich Worble gegen den Wirth undsagte: „eben seh' ich, Herr Pabst, aus mei-nen Reden, daß ich heute beinah halb betrun-ken erscheinen soll, obgleich sonst einer dernüchternsten Trinker in ganz Lukas - Stadt.Ihnen, sehr nüchterner Herr Pabst, sind Ihres»»gleichen freilich lieber, zumal in ihren Schenk-kabinetten Leute, deren Lebenstage, wie beidem Becherbandwurm (*), in Gestalt von Be-cher» in einander stecken; so eine Art mirsehr fataler Flaschenorgelmenschen (**), die erst
(*) Der becherglicdrige Bandwurm (I, OMliikor-misl ist aus lauter Bechern gestattet, die er, daste oben weiter als unten stnd aus. und ein,uschiebenvermag.
(")WiIY. Engel in der Berliner Blindenanstalt erfand
Flaschen leeren müssen, um sich hören zu las-sen und das Maul voll zn nehmen; kurz,Leute, welche durch ihr eignes Beispiel denBacchus als den Erfinder des Kegelspiels (*)zeigen und ehren, das blos im Umfallen be.sieht. — Wenn mir freilich jetzund ist, alskönnt' ich kaum stehen, so ist der Fall vielanders; denn Ihr braver prächtiger Kimves-Wein, so in seiner Jugendblüte, so wenigeHerbste zählend, ist ein guter, Ringer, undwirft, nach PlautuS, um. — Der Wein istkeiner von jenen alten Ladenhütern oder Kellerhü-tern, die oft erst nach einem halben Jahr-hundert sich endlich aus dem Fasse herauswa-gen in Flaschen und Gläser — ein solches fri-sches , junges, minderjähriges Blut trinkt sichselber durch Weingeist einen Geist an, oderveniam virtutio, und wir junge» Trinker anihm desgleichen — kurz im Ganzen ist dieSache so. — Und dasselbe will ich rühmen vonIhrem vktl'sse und d-rut Sauteriis, und andernkorckeaux - Weinen die sich trefflich weiß gewa-schen, nämlich gelb."
Da hier der Wilth recht freudig über dieEinfälle, wie ein SvkrateS i» dem aristopha-nischen Gewölks, lachte: so fuhr der Marschallfort: „wäre aber nur zn wünschen, jeder Papst,Herr Pabst, hätte den Kalixtern so willig je-den reinen Wein eingeschenkt, wie Sie miroder ich Ihnen. Haben sie nicht einen selt-nen Franz (wenn ich ausgesprochen, bitt' ichnoch um eine Flasche) , welchen ich ordentlichemeni gesunden reinen Schwefelregen oder Schwe-felbade gleichsetze? Und von einem so reichenKchwefelgehalt ist er, daß man mit dem Weinewieder andere Weine prüfen und jeden Blei-zusatz darin niederschlagen könnte, so gut, alsmit dem Hahnemannschen Probier-Liinor, der esja auch durch Schwefel thut? Sogar im Kopfeschlägt das reine Getränk jedes Blei nieder, under ist am Morgen viel schwerer."
Als der Wirth in des Grafen fürstlichem Ge-sicht , auf das er in einem fort sah, keineUnterschrift der lustige» Behauptungen antraf:so lächelte er leicht und selbgefällig; aber dieseUnverwundbarkeit schärst« ordentlich Worble'sHieber und Raufer. „Und isis nicht, fuhr erfort, eine kindliche Liebe der Weinhändler zuden Weinkunden , wie man in Tunki» beiKinder» gegen Väter findet? — Die Kinderbestellen heimlich für jede» Tunkinesen das Leib-möbel — einen zierlichen Sarg — und über.raschen damit den Vater an seinem Wiegen-feste : so stellt ein Weinfaß, innen mit Blei-zucker , recht gut einen versüßten verdünntenSarg vor, und noch dazu einen fürstlichenbleiernen in einen hölzernen eiugefaßt; nurdaß der Sarg, wie natürlich, früber in denTrinker kommt als der Trinker in ihn.
— — Aber was Henker gehen mich blei-
süße Frauze an, wenn ich meine guten her-
! cineFIaschenorgel, worin leere Flaschen wie hoble Schlüs-sel von Blasbälgcn angeblasen werden. Magazin aller
! neuen Erfindungen. No.. 66,
(*) Jakobsons technologisches Wörterbuch.