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Der Komet.
Bette, und darauf zur Thüre hinaus. Der Mar-schall stand vor dem Kopfkissen mit dem kaltenEtwas in der Hand, und konnte in alles in derWelt stch finden, nur nicht in das Fleisch. Indemer damit an den Fenstervvrhang ging, um hinterihm dasselbe vor dem Fenster besser zu besehen,trat er auf ein zweites Stückchen, das er auchmitnahm. Er befand es bald als gutes, noch fri-sches Kalbfleisch, dessen Dienste er bei seiner Be-kanntschaft mit den weiblichen Sublimier - undFiltrierkünsten der Reize bald errieth; es waren«in paar Nachtwangen, um sogar das Bette zueiner Wachsbleiche der zarten Haut zu machen;oder Scknuuztitel für das schöngestochene Titelblattdes Gesichts. Indeß könnt' er aus dem Kalbe, mitdem er jetzo pflügte, leicht hinter das Räthselkommen, daß solche Schminklappeu nicht derreiz- und kraftvollen Jeannette angehören könnten;sondern irgend einer an der Zeit sich abfärbendenSchönheit — kurz, er war, sah er, ins unrechteZimmer gekommen.
Während dieses so vernünftigen Muthmaßeuswurde vollends außen die Thür abgeschnapvt, undjenes völlig bestätigt. Es war eine Witwe,welche unter dem Fließpapier ihres zarten feinenKupferstichs im Bette gelegen; Liese war in dasnächste helle Zimmer gerannt und hatte da Jean-nette» den Einbruch in ihr Gemach und Bett mitmehr Fassung und Lachen erzählt, als zu erwartenwar. Aber die zärtere Wirths - Tochter war wieaußer stch: -sso etwas, sagte sie, sei im römischenHofe ganz unerhört. Hätte der Ehrenräuber sichnicht in den Stuben vergreifen, und eben so gut zumir kommen können? Ach lieber Gott, ich wäre aufder Stelle umgefallen." "Wenns blos ein Ehren-räuber war, versetzte dieWitwe, und kein schlimme-rer Dieb; woher kann man aber das wissen?"-"AmBesten sei es in jedem Falle, antwortete Jeannette,siebleibe bis am Morgen hier in ihrem Zimmerchen,und man drehe den Schlüssel des andern Zimmersum, und lasse solchen im Schlosse stecken, um aufdiese Art — sie thu' c-S auch eigner Sicherheit we-gen — bis es Tag wird, den gefährlichen Menscheneinzusperren und ihn sich dann bei Licht zu be-sehen, zumal der Spitzbube, wenn man ihn jetzoim Finstern heraus ließe, das Beste der Madame,ja alles eingesteckt haben könne." Und so wurdedenn über den Marschall das Nachtgarn gezogen,und er saß darunter und schlug mit den Flügeln.—
— Schwerlich wird der Leser hier mit mir wei-ter gehen wollen, ohne sich zu einer von den ver-schiedenen Parteien zu schlagen, in welche sich dieKunstrichter spalten, um Jeannettens unerwarteteSperrordnung oder Fruchtsperre, auf eine oder dieandere Art, aber immer mit Scharfsinn zu erklä-ren. Die eine kann alles aus der Jungfrau Ver-druß über das Mißlingen und über Worble'sDummheit ableiten; —die zweite aus ihrem Miß-trauen gegen ihn, ob er nicht gar mit Absicht fehlgegriffen; — die dritte, welche daher an die zweitegränzt, aus ihrem Neid und ihrer Vorsicht gegendie Witwe, bei der Muthmaßung, diese nähmeihn am Ende doch wohl auf; — die vierte kannden zarten jungfräulichen Ehrenpunkt benutzen,und aus Jeannettens Pflicht, auch den kleinstenVerdacht einer Verletzung desselben abzuwenden,
die Einsperrung erklären — die fünfte, welchhierin eine starke, aber einer Wirths-Tvchter gar-nicht Nachtheilige Sprödigkeit findet, ist von dervorigen im Grunde wenig verschieden; — und diesechste, die ich selber bin, denkt eklektisch und ver-knüpft alle fünf Sekten mit ihrer eignen, und läßtin dem wogenden Weiberherzen alle diese fünfGefühle mit einander und wider einander segelnund regieren.
— Die Geschichte tritt wieder auf:
Nach Abgang der beiden Zionswächterinnen undSchließerinnen lief der Gefangene in der Engels-burg des weiblichen Schlafzimmers überall umher;da er aber merkte, er könne nicht hinaus, so ginger ohne besondern Lärmen hinein, nämlich in dasBetts, mit den Wangenlappen in der Rocktasche,und dem Ki'uves-Wein im Kopfe, und entschliefohne Weiteres.
So waren denn am Morgen beide Damen ge-nöthigt, dem Marschalle einen der frühesten Be-suche abzustatten. Sie klopften stark vor dem Auf-sperren, damit der Schelm in die Kleider komme;aber schon in Kleidern fuhr er aus den Vorhän-gen, und wie ein geblendeter Finke im Zimmerwild umher, rufend: wer ihn so früh störe. Denner war nämlich mit dem Augenlieder-Uebel — wo-gegen auch in des Göttingischen Richters Wund-arzeneikunst Mittel stehen — und zwar besondersauf Reisen behaftet, daß er am Morgen — wieauch wohl Minister, aber blos in politischer Mvr-genzeit — die von, Schlafe zugeklebten Augeneine Zeitlang nicht aufzubringen vermochte, mitallem Ziehen und Streben. Es fügte diesmal stchnoch der neue Jammer zu, daß stch aus seinemKopfe vollends alles verflogen hatte, Rausch,Schlafort, Abenteuer, Wangenflügeldecke, sogarsein Schelmenvorsatz; und er also anfangs zu sei-nem Nachtheile mit einem Bewußtseiu gänzlicherUnschuld da stand. Mit solchem Gefühle und beisolcher Augensperre, mußte der schuldlose Reise-marschall es hören, wie er eine vornehme Dameim Schlafe gestört und erschreckt, und wie er sieaus ihrem Zimmer verjagt. — Unaufhörlich bater, hin und her rennend, um Verzeihung, daß ersie nicht sehe; er wolle den Augenblick antworten,sobald er wisse, wen er vor sich habe. Als er jetztder Augen wegen in die Tasche griff nach demSchnupftuck, und mit diesem zugleich daS kosme-tische Kalbfleisch herauszog: so frischte plötzlich dasFleisch die ganze Nachmitternacht auf, und die Au-. genlieder sprangen auseinander — und die kläge-rische Witwe stand, fast mehr gewelkt als blühend,vor ihm. Denn manches Gesicht ist ein wahresschönes Tsmpe; wie das griechische in der Ferneder Geschichte und der Augen unendlich reizend ist,nur aber, für den reisenden Walpole und Bar-tholdy, in der Nähe ein wilder zierloser Engpaßwird: so werden die schönsten Gesichter, derenReize durch die künstliche Entfernung vermit-telst des Abendlichtes am besten erscheinen, vomTaglicht wahrhaft derselben beraubt, weil es zustark nähert.
Aber Worble wußte stch in keinen Fällen leich-ter zu helfen, als in solchen. „Hier," fing er an,„halt' ich meine Entschuldigung in der Hand Jh-neu vor, den Beweis meiner erbärmlichen Augen,