Der Komet.
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auf die ich jede Nacht das Stückchen Fleisch zu le- .gen pflege, um sie zu stärke», aber werte» sie lei- lder viel davon besser? — Tapp' ich denn nicht —Sie sehen es ja — sobald kein Helles Licht in derStube brennt, in jede hinein, und störe die schön-sten Damen auf? — Deswegen schon allein solltejede Scköus ein dünnes Nachtlicht brennen, undje junger sie, desto länger das Licht. — Auch derWein in diesem Hotel ist wirklich zu stark fürmeinen schwächlichen Kopf, verehrte MamsellJeannette."
Hier hob er auch die zweite Ueberziehwange vonder Erde auf, und steckte sie ein. Die Witwewurde ganz verdutzt, und doch entzückt von solchernärrischen Delikatesse und Spitzbüberei zugleich,und versprach sich etwas von dem Mann. Jeanuekteaber, die in ihr leichtes Vergehen und in sein lü-genhaftes Entschuldigen sich gar nicht findenkonnle, hoffte auf Licht und Rache in irgend einernächsten Zusammenkunft, und schied als reine Jo-hanna Pabst von ihm.
Inzwischen wurde doch ein Viertel der Bege-benheit am ganzen Nikolaujischen Hofe, so wie imrömische», ruchbar; viel von den übrigen Vier-teln wurde errathen; blos der Kandidat Richtererriet!, und glaubte nichts weiter, als was ihmder Reisemarsckall, wenn nicht aufrichtig, dochfreundlich auseinander setzte.
Dritter Gang.
Worin von neuem gesessen wird allen hohen Mei-stern und dem unzüchtigen Heiligenmaler.
Zur rechten frühen Tagzeit kamen die fünfzehnMeister in LukaS - Stadt die Treppe hinauf, undihnen schloß sich, als der sechzehnte, der unzüchtigeKupferstecher an. Namen wie Tizian, wie FraBartolvmeo di S. Marco, Rosa, Nein. suhltensich und ihren Nachruhm, und einige Unzufrie-denheit mit dem Vorruhm der belgischen Vorgän-ger.
Mit Vergnügen konnte man das fürstliche Zart-gefühl bemerken, daß Nikolaus die welsche Schuleganz mit demselben leutseligen Antheil, wie dieSchule des vorigen TageS, behandelte, und so demNeide, so weit es unter Künstlern möglich, vor-baute. So schickte er auch, ehe er und alle sich setz-ten, wie Tages vorher, einige kurze Anreden, vor-aus, und that dar: Kunst, als solche, veredle stets,sie sei kein bloßes Silhouettenvret des Gesichts,oder eine englische Kopiermaschine der Gestalten,sondern eine selber gebärende Madonna — siesolle mehr sein, als ein bloßer Planspiegel des Ge-sichts, den man überall hinhänge, sie solle sein einerhabener Spiegel, der vergrößere; — das seieben die große welsche Meisterschule, daß sie so-gar ein bloßes Porträt verschönert zu gebenwisse, ohne die Aehnlicdkeit zu beleidigen.— Manwerd' ihn, zumal in diesem Saale, schon verste-hen; das heilige ewige Innere so von, Menschen
. heraus zu malen auf das Gesicht oder Porträt,l eigentlich so von dem ganzen Geiste, der sich nichtimmer in Thaten und Gesichtzügen rege, oder sichdoch nur in schlechten zeige, in Farben, Mienenund Blicken, Leu wahren ächten Silberblick zumalen durch das Porträt. ----O, meine Künst-
ler, was brauch' ich weiter zu sagen? BeginnenSie!"
In dieser Anrede scheint Hacencovpen mehr derwelschen Schule, als sich selber beizufalleu, undseiner früheren an die belgische fast zu widerspre-chen; aber er wird uns befriedigen, wenn wir be-denken, daß er die halbe Meinung und mancheWendung vom Hvfstallmaler Nenovanz her hat,der sich ganz für die italiänische Schule geborenglaubte, und oft im Pferd-Stalle die Schönheitlen derselben — Zuhörern malte, mit unendlichfeuriger Beredsamkeit. Seine besten Pferde, diein den fürstlichen Ställen zum Nachgebärenaufgehängt wurden, und seine kräftigsten Schlacht-oder Prügelslücke, setzte er tief unter die Heiligenund Madonnenbilder herab, die er der Kunstweltgeben wollte.
Jetzv setzten sich nun die sämmtlichen Meister inBewegung und auf die Stühle — ein Tizian, FraBartolvmeo di S. Marco, ein Da-Vinci, einKaufmann (wahrscheinlich Kaufmann Angelika) —— vorwärts, nebenwärls, seitwärts, hinterwärts,vor den Spiegeln. Aber hinter ihm und an demHauptspiegel saß der Heiligenmaler oder unzüch-tige Kupferstecher, und fing daraus sein Nollge-sicht auf. — Herrlich und ungebunden und im gro-ßen freien Stile malten und zeichneten alle —der Nase wurde nur im Vorbeigehen auf demGesicht gedacht, aber jeder Pinsel war ein Jen-ner, der die Pocken abschaffte; denn man gingallgemein, weniger der eignen oder der Hacen-coppenjchen Rase, als der griechischen nach. —Auf der hohen Schneclinie des griechischen Sta-tuenvrofils stauden sämmtliche Künstler, undpflanzten da glänzende glatte Schnecgesialten undfolglich auch seine auf — ihre Farben warengesunde Abführmittel und Waschwasser, die jedeUnreinigkeit und jeden Flecken der Porträlhaut sogut vertrieben, daß mau nachher schwören wollte,man habe einen andern Kopf vor sich. — Den»dies war eben von jeher das Ausgezeichnete derwelschen Schule in Lukas-Stadt und sonst, daß siedas Gesicht, das zu sitzen hatte, zu einem Para-diesvogel machte, dein man zur höheren Schönheitdie Füße abschneidet, und an welchem die maleri-sche Beschneidung der Lippen, der Ohren und desFleisches die Hauptregel war. — Wie die Büstender Alten, nach Herder, blos Ideale waren, denenman, so wie es sich gab, einen dazu passenden Na-men eines Einzelwesens beilegte — etwa die desEuripides ausgenommen — so wurde den glattengriechisch- schönen Porträten, welche die welscheSchule erschuf, allemal der Name der Person ge-geben, die eben saß.
Hacencovpen sah aus wie ein Engel, man kannt'ihn kaum.
Und doch bestand dabei wahre Mannichfaltigkeitdes Gesichts, jeder Meister tischte ei» Bildnißseiner eignen Eigenthümlichkeit auf, keiner schrieboder druckte dem andern diebisch nach, sondern je-
IeanDaul'sWcrk IV.
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