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Der Komet.
der lieferte seinen besondern Hacencoppen; so er-baute sich, wie von selber, ordentlich eine Gra-sen- oder Fürstenbank von sechzehn NikolausischenGesichtern.
Und dennoch siegte eines über alle fünfzehn,nämlich das sechzehnte voin unzüchtigen Kupfer-stecher, oder Heiligenmaler. Der Spiegel, auswelchem er, wie ein Silbermaler, zeichnete, thatgewiß viel Großes dabei. Durch das verdoppelteEntfernen des Urbildes hatte der Kupferstecherschon die halbe ideale Milderung des Kopfes ge-wonnen, und durch die Kurzsichtigkeit, die er sichdurch Stechen zugezogen, erbeutete er die zweiteHälfte. Auf diese Weise war der im Spiegel fastunsichtbare Nikolaus von einem Heiligenmaler,der früher, eh' er stach, selber zwei ober drei hei»lige Nikolaus gemalt, schon so zu idealisieren unddarzustellen, daß Hacencovpen sich kaum mehrgleichsah, und sich mehr dem Bilde ähnlich fand,daS er sich selber in seiner Kindheit von seinemNamens - Heiligen vorgemalt.
Der unzüchtige Kupferstecher that oben amScheitel aus alter Gewohnheit noch eine Art Hei-ligenschein hinzu, und war leicht zu rechtfertigen,hätte auch der Graf nicht schon von Kindheit aufphosphoresziert; der Mann dnrfte sagen, er sei die-sen Halbring, oder diese türkisch-christliche Mond-sichel, von seinen alten Heilige» her gewohnt,und man habe überhaupt diesen Sichelbogen alsein Malerzeicksn zu nehmen; daher er dem Putz-kamme und Diadem weiblicher Köpfe auf seinenKupferstichen unwillkürlich sogar etwas von einemdünnen Heiligenschein-Komma anzeichne.
— Aber ihr Leute sammt und sonders, was ver-schlägt es den» überhaupt, wenn der Maler aufseinem Pergament eben so gut Heilige erschafft,i als der Papst auf dem seinigcn, und zwar ebenj so leicht durch einen halben oder ganzen Ringi über dem Scheitel, nur aber viel wohlfeiler alsl der Papst, und ohne Hunderttausend - Gulden->! Zuschüsse aus allen katholischen zwei und dreißigl Winden her? —Der Papst schlage nur selber inSpittlcrs Kirchengeschjchle (*) nach, und sehe da,vb nicht jeder Bischof, bis in das zehnte Jahrhun-dert hinein, das Recht gehabt und ausgeübt, Hei-lige in seiner Diözes zu machen, und allda ver-r ehre» zu lassen; ein Recht der Heiligungen, das§ erst im zwölften Jahrhundert den Bischöfe» voni Alexander dem Hl. verboten wurde, der den hei-j ligen Vater allein für den Heiligen - Vater er-j klärte. Wenn Päpste in den, einzigen Benedikli-l nerorden Teig zu fünf und fünfzig tausend Heili-> gen antrafen, und ihn auskneleten und ausbukenj — das bloss Kloster Kassin lieferte fünf tausendfünfhundert uno fünf und fünfzig — ("): so kön-ne» sie sichs wohl gefallen lassen, wen» ein unzüch-tiger Kupferstecher, zu einer solchen Heiligen -Schaar, unter die gewiß mancher Schelm sich ein-geschwärzl, auch von seiner Seite ein paar Hei-lige von nicht besonderer Aufführung anwirbt, undsie durch den Ringkragen oder die rothe Halsbindeeines Kopfzirkels zur heiligen Heerschaar enrol-liert. Kann es doch auf der Erde der Heiligen
(') V. 2.
(*') Briefe über das Novij'at. B. 2.
kaum zu viel geben, und wenn alle Menschen der-gleichen würden, so daß am Ende gar alle blos sichuntereinander selber zu verehren hätten, sogar einackvooatus rliaboli oen andern : so säh' ich eigent-liche» Schaden davon nicht ab; am allerwenig-sten für den heiligen Vater selber. Den» diesevon seinem Fischerringe über die Köpfe gesiegel-te» Heiligenringe halten ja seit Jahrhunderten dielange Ruder-Ringkette zusamniengereiht, woraner Welttheile festgemacht, und ein paar hundertwunderliche Heilige würden unler so vielen Wun-derheiligen weit weniger stören, als fruchten.Uebrigens wollen wir gar nicht lange darüber re-den, ob, wenn sin Konklave von Kardinälen,oft sogar von einigen sündigen darunter, einenPapst, also einen Schöpfer der Heiligen, selberschaffen kann, sogar aus der eignen Mitte heraus,ob, mein' ich, ein unzüchtiger Kupferstecher nicht,statt eines heiligen Vaters und Heiligen - Vaters,wenigstens einen heiligen Sohn der Kirche erzeu-gen könne. Die Hauptsache bei allem diesen istjedoch, zum Grafen zurück zu kommen und vonihm zu erzählen.
— Es ist dies aber nicht viel: daß er nämlichmit der herzlichsten Freude die ganzewelfche Schulebaar bezahlte, erst darauf sie um schleunige Voll- ,endung und Verdopplung ihrer heiligen Werke er-suchte, damit sie noch ihn in die Ausstellung hineinhingen, — bevor er abginge — und daß er. nach-dem er die sechzehn Bilder durchflogcn, worin je-der etwas anderes von ihm getroffen, bei den:ganzen mehr freundliche» als feindseligen Tref-fen, sich nach den Goldstücken noch mit Wortenbedankte. Er verbarg sich nicht, daß er wie diesechzehn Gesichter aus einmal aussähe; nur daßer das von dem Heiligenmaler für das schönsteund ähnlichste nehmen mußte.
Wie freilich letztes Bild die fremde Prinzessinerfassen, und mit hundert Erinnerungen aus denlängst vorübergezogenen Roms Tagen jetzo imLenze übersäen werde, wenn es in der Galleriedastehe und die Freundin Amanda's mit Freudendavor, nicht emmal zu gedenken, daß sie dasBild wohl gar in den erste» Ueberraschungen anAnianda selber schicke — Lies alles zu erleben,konnte Nikolaus kaum erwarten an dem Tage,wo er den welsche» Meistern gesessen.
Neunzehntes Kapitel,
in Einem Gange.
Berathschlagungen über einen Gang an den Hof.
Historiographen fürstlicher Personen genießenein besonderes Vergnügen auf dem Papier, wennsie eine endlich vor ihres gleichen stellen können,so wie jetzo für mich die Hoffnung aufgeht, daßNikolaus in seinem Leben zum erstenmale vor «inefürstliche Person gelangen werde, und zwar, was