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„Ich will kurz und offen sein, mein Fräulein, wie deralte Römer oder ein neuer Diplomat. Ich erscheine beiIhnen in außerordentlicher Sendung zweier Großmächte.Meine Toga enthält zwei Heirathsanträge für Sie." —„Nur zwei? Es vergeht keine Woche im Jahre, die mirnicht mindestens eben so viele bringt. Wo ein Kaufmannzu Grunde gehen will, wenn ein junger Kavalier seinenMarstall standesgemäß zu montiren gedenkt, speculiren siezunächst auf meine Hand. Die Hand einer Sängerin istGemeingut. Lassen Sie sich von Signor Beppo in seingeheimes Archiv führen; ein großes, volles Fach desselbenträgt die Aufschrift: Ollsrts <li matrimonio." — „Esversteht sich von selbst, daß ich mich nicht zum Trägersolcher Botschaften hergeben würde. Was ich bringe, sindernste, ehrenhafte Werbungen. In der linken Seite derToga" — er faltete seinen Rockschooß zusammen — „stecktkein geringerer Freiersmann, als Herr Hans HeinrichKrafft; Sie sehen, wie seine Schwere die antiken Faltenbeinahe zerreißt." — Seraphim lächelte, aber ohne jedesZeichen von Ueberraschung. Der Gesandte fuhr fort:„Auf jedes Jahr, das er im Verhältniß zu Ihnen zu vielhaben mag, legt er mit freigebiger Hand eine Million;sein Haus kennen Sie. Er bietet Ihnen, und das mitder ganzen Leidenschaftlichkeit später Neigungen, sein Herz."— Das Lächeln verschwand. Die Sängerin spielte nach-denklich mit den Quasten und Fransen des Divans. Nachkurzem Schweigen fragte sie: „Und das Gegengewicht zurSchwere dieses ersten Antrags? Karthago hatte zwischenKrieg und Frieden die Wahl, Herr Abgesandter. Wenbirgt die rechte Seite der römischen Toga?" — „Einen