Buch 
Aus meinem Bühnenleben : Erinnerungen / von Karoline Bauer ; herausgegeben von Arnold Wellmer
Entstehung
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auf dem Klaviere produciren. Ich habe Sie in Karlsruhe imMuseums-Kouzerte gehört . . . Ich konnte mich durchaus nichtentschließen, aus Bescheidenheit und aus Angst vor denscharfen Berliner Musikkritikern. Als aber auch mein zuRathe gezogener Klavierlehrer, Herr Gräulich der aberdurchaus nicht gräulich ist meinte: ich könne es wagen!da war ich geliefert. Die Mutter sagte mit ihrer milden Ent-schiedenheit, ohne aus meine Einsprüche zu achten: Herr Graf,da es sich hier um keine eitle, sondern um eine gute That han-delt wenn Lina's Konzert-Nummer auch nur wenige Fried-richsd'or mehr einbringt so wird meine Tochter bestimmtspielen! Herr Gräulich wird die Güte haben, das Klavier-stück auszuwählen!

Herr Gräulich wählte: Ronclo Ho von Czerny, daswir schon fleißig vierhändig geübt hatten. Aber mit welchemZittern sah ich dieser öffentlichen Exekution entgegen! Alsdie Mutter mich abends putzte, dachte ich: so muß der armenMaria Stuart zu Muth gewesen sein, als Hannah Kennedy siefür den letzten Gang schmückte! Ich hatte eine reizende neueToilette: duftiges Spitzenkleid über weißen Atlas in denLocken frische natürliche Blumen, wie die Mutter und ich esfür junge Mädchen so sehr lieben sonst keinen Schmuck.Als ich an meines Lehrers Arm die Estrade betrat, dachte ichwieder an das Armeusünder-Hochgericht und ich zitterte wieEspenlaub, daß Gräulich mir zuflüsterte: Muth tapfer vor-wärts oder wir Beide sind verloren! Ich wurde vonfreundlichem Applaus empfangen. Louis, das ist Lebensbalsamfür ein Künstlerherz. Es wirkt zugleich erwärmend und be-ruhigend, wie Sonnenschein und holde Freude. Mag der klugekalte Publikum-Verstand auch immer sagen: Wer vor einerKunstleistung applaudirt, ist Partei Freund des Künstlers^Immerhin! Wenn die klugen kühlen Leute doch nur mal ansich selber erproben könnten: wie wohl es uns Künstlern thut, uns