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Aus meinem Bühnenleben : Erinnerungen / von Karoline Bauer ; herausgegeben von Arnold Wellmer
Entstehung
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auch vor dem Nach-Nichter unter guten Freunden zu wissen

-und wie erkältend es auf das Künstlerherz wirkt wie

gottverlassen und kleinmüthig man sich fühlt bei dem Ge-danken: diese Bretter, auf denen Du stehst, können Dir heuteAbend zum hochnothpeinlichcn Gericht werden da untenschlägt für Dich kein warmes Freundesherz heißt Dich keinfreundlicher Mund, keine hülfreiche Hand willkommen! . . .

So hatte ich Dank diesem herzlichen Empfang!schon die Courage, die weißen Handschuhe abzustreifen, ohnezitternd sie zu zerreißen oder gar in kindisches Weinen aus-zubrechcn . . . Und als ich erst ein Dutzend Tasten berührthatte, da war ich geborgen. Ich dachte nicht mehr an Freundoder Feind da nuten ich saß zu Hause in unserer rothenStube und spielte mit meinem Lehrer Uonllo Türe so gutich es konnte-bis mich am Schluß der rauschendste Bei-

fall wieder in den Konzertsaal zurückrief. Mütterchen sagte:ich hätte bei meinem Dank-Kompliment ganz rosig gestrahlt vor

Vergnügen-und ihr wäre der ganze Hebelsche Feldberg

vom Herzen herabgefallen, als Alles glücklich überstanden sei.Sie habe vor lauter Stoßgebetlein keinen Ton gehört . . . Ja,warum ladet das stolze Mutterherz sich erst solch einen über-müthigen Angstberg auf? Da soll nachher der liebe Gott immerhelfen, als ob er nichts Besseres zu thun hätte, als leichtsinni-gen Fingern die richtigen Klaviertasten zu zeigen! Nun, dergute Zweck ist wenigstens erreicht und der möge auch hier dieschwachen Mittel heiligen: Der Saal war gepfropft voll, Vielehaben Ueberzahlungen gemacht, auch die Mutter mit ihren:Pfennig der Witwe und die armen Ueberschwemmten werde::ihre Freude haben . . . Doch die Kritik die böse schneidigeBerliner Kritik? Die war dies Mal recht stumpf d. h.milde. Sie hat die .--geschätzte Klavier-Dilettantin« sehr gnädigbehandelt und war einstimmig in den: Urtheil, daß Mlle. Bauer