317
brillant-ausgesehen habe ! Ich fürchte, Louis, die schärfste
Kritik für die — Klavierspielerin.
Wenige Tage später, am 15. Dezember, fuhren wir nachPotsdam, um in dem von Karl Blum arrangirten Konzertmitzuwirken. Ja wir! Madame Grünbaum, die berühmteTochter des Wiener Volkskomponisten Wenzel Müller, dieGattin des Tenoristen Grünbaum, die als Hossängerin vou dergroßeil Oper in Wien hier gastirt und mit Recht den Namen»die deutsche Catalani« führt, eine fein gebildete, liebenswür-dige Dame, und?! — Moscheles — der geniale Virtuos —die Mutter und ich.
Karl Blum hatte Moscheles einige Tage vor dem Konzertuns vorgestellt. Wir wußten kaum, was mehr für ihn ein-nahm: — das eminente Talent, oder sein bescheiden natürlichesund doch so würdevolles Benehmen. In Moscheles' Augenwürde Zelter auch gern blicken, denn sein sanftes Gemüth,seine reine Künstlerseele spiegeln sich unverhohlen darin. Ichsollte vor ihm spielen, aber ich wagte es nicht. Er verstandes jedoch so prächtig, mir Muth einzureden, und ließ nichtnach, bis ich ein vierstündiges Stück mit ihm ausführte —die herrliche Ouvertüre zum »Don Juan«. Wahrscheinlichopferte sich ls zrriuae des zÜLillstss der Mutter zu Liebe, denndie hat ihn schon ganz in ihr Herz geschlossen und schwärmtfür Moscheles.
Blum hatte für einen bequemen Wagen gesorgt, undrecht vergnügt begannen wir auf der Landstraße zu plaudern,- — als Moscheles, plötzlich die Augen schließend, todtenblaßzurücksank und stöhnte: »wie wird mir — mein Kops, meinKopf!« Du kannst Dir unsern Schrecken vorstellen. Wirließen halten und riefen nach Karl Blum, der mit Moscheles'Bruder einige Schritte voraus fuhr. — Das Gesicht des Kon-zcrtgebers hättest Du sehen sollen, als er seinen Freund in der