Ueber die Sittlichkeit der Vergnügungen. Z >.
irre werden? . Muß er nicht zuletzt glauben, alle Sit-tcnlehre sey' bloßes Gewäsche, und indem er einGebot verachtet sieht, alle für gleich verächtlich hal-ten? -Und thäten wir nicht vernünftiger, wenn wiraufrichtig sagten ,, seidne Kleider sind gut, aber nichtfür jedermann" als wenn wir, nm die Unvermögen-den abzuhalten, sich nicht auch darin zu kleiden, siefür sündlich erklärten, und uns gleichwohl selbstdarin chrüsteten? Auch hier kommt alles auf dieGränzlinie an; und so schwer auch diese anzuweisenseyn mag: so ist sie doch vorhandenund wie mancheandre Sache lleichter im Griffe, als im Ausdrucke.
Hierüber sage mir, was du weißt, und dannwill ich dich gern hören. Ziehe die Grenzlinie strenge,sie soll mir nr'cht leicht zu strenge seyn; oder wenn duja ins Allgemeine gehn willst: so sage mir erst, wenndu die nothwendige Ungleichheit der Stände undGüter in der Welt als erwiesen annimmst: warumdu die Ungleichheit der Vergnügungen minder gerechtfindest?
Vll.
Etwas zur Policey der Freuden für dieLandleute.
Wenn ich Policey - Cömmissarius wäre, es solltemir anders gehn: die Leute sollten mir wenigstensein - oder zwei Aal im Jahr, auf der Kirms oder aufFastnacht, völlige Freiheit haben, einige Bändespringen zu lassen, oder ich hieße nicht Herr Cvm-miffarius- Unsre heutige Mäßigkeit macht lauterSchleicher, die des Morgens ihr Gläschen und des
Abends