176 Vorschlag wie die Kirchhöfe
sich der Nachforschung andrer hätte entziehen wollen. Die-ses wollten unsre Vorfahren verhindern, und nach ih-rer Absicht sollte der Sarg so lange offen stehen, bisdie ganze Leichenbegleitung sich von dem wahren undnatürlichen Tode des Verstorbenen durch ihre eigneAugen überzeugt hätte, 'und deßfalls zu jeder Zeit einZeugniß ablegen könnte.
Zur zweiten gehört die sogenannte letzte Ehre,welche Verwandte, Freunde, Verehrer, Amtsgenossenund andre Freiwillige dem Verstorbenen erzeigen; undwomit sie des rechtschaffenen Mannes Lob, und dasallgemeine Leid des Staats öffentlich verkündigen, auchandre zur Nachahmung aufmuntern wollten. Diesessollte gleichsam die Ehrensäule des guten Bürgers,und der Triumph des Patrioten seyn. Mit einer De-grabung ohne Gesang und ohne Klang wollten sie un-gefähr so viel ausrichten, als wir mit dem Zucht-hause. .
Eine vernünftige Politik schuf die dritte - Art.Man sahe, daß die Menschen in jeder' Ehrensachegroßmüthiger und freigebiger waren, als in einer an-dern; und wie man zum Unterhalt der Armen, derKirchen und Kirchenbediente nicht gleich förmlicheSrenekn ausschreiben, wollte, damit auch vielleichtnicht das wahre Verhältniß getroffen haben würde:so suchte man die Ehre zu reitzen, und dieser einemilde Beisteuer abzugewinnen. Auf eine gleicheArt hoffte man bei den Leichen einen Beitrag zumUnterhalt der Armen und Schulen zu erhalten; unddie Erfahrung hat gezeigt, daß diese Politik ihresZwecks nicht verfehlet habe. Die Steuer ist um soviel ergiebiger gewesen, jemehr sie dem freien Willenüberlassen ist; und da der Mensch nur ein Mal sterbenkann, so hat man auch nicht befürchtet, daß dem
Staate