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ganze Tnigüchkeit aller blendenden Schöpfungen des natür-lichen Menschen bei Griechen und Römern darzulegen, und zuzeigen, daß alles jenes nur Tod sei und ein Scheinleben be-sitze. In diesem Ringen mußte sich der Inhalt des Evange-liums als Lehre gestalten, daß in dem gläubigen Bekennen dieschönen Früchte des Handelns von selbst reisen. Denn wemder Herr entgegen tritt, der wird befragt, und der soll wiePetrus bekennen. Das Bekenntniß muß das nnsrige sein, eshilft nicht, daß wir eines auswendig lernen, es muß letztlichaus ganzer Seele gesprochen sein; aber vorher lebt man sichdoch hinein. Es diene überall ein Bekenntniß als Richtschnurder Auffassung des Evangeliums für Volkssitte und dazu vor-bereitend für den Unterricht, daß schon die Jugend darin lebenund weben lerne. Gesegnet, wer sich in ein Glaubensbekcnnt-niß hineinlebt, nicht im Gewirre von Irrthümern umher, essich erst machen soll! Die Bekenntnisse dieser Zeit sind eineherrliche Errungenschaft den Feinden des Herrn gegenüber.Den Thaten Gottes hinzu, sollen sich die Bekenntniß-Thatender Menschen kundgeben. Und wie die Feinde am Schlüssedieser Zeit von dem Widerstreit zum völligen Abfall weiterschritten, Persien sich neuem Heidenthnme zuwandte, Arabienzum Unglauben umschlug, die Germanen aber in den fortwäh-renden Kriegszügen, bis sie feste Wohnsitze fanden, sich selbst,sowie auch die durchstreiften Landschaften, verwilderten, da wardder neuen Menschheit ein äußerer Haltpnnkt nothwendig, daßdie geistliche Errungenschaft ersprießlich würde, nicht gar ver-loren ginge.
Im Kriege schaffte wohl die Noth dem Oberhaupte Ge-horsam, im Frieden aber war die Fürstenmacht schwach gegendie ungebändigte Volkskrast. Indeß ist ein getauftes Volk derZucht des heiligen Geistes hingegeben, und so fügte die un-gebändigte Kraft sich eher dem geistlichen Amte zur Ordnung;nur trat dasselbe gleich als eine äußere geistliche Gewalt her-vor, weil das Leibliche in dieser Christenheit noch zu stark vor-waltete. Eine solche äußere geistliche Gewalt entstand in demPapstthum, wie es sich in Gregor dem Großen darstellte. Dabeiwirkte noch, daß der Uebergang von der leiblichen ErscheinungChristi, wo ihn die Augen gesehn, die Hand sich an ihm über-