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Umriß einer christlichen Weltgeschichte / von Friedrich von Maltzan
Entstehung
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Erkennen der Heiden erhob, und die göttliche Offenbarungdamit abschwächte. Ungezähmt wie im Denken so in Sitten,zog er sich schmähliche Rache für seine unerlaubte Liebe zurHeloise zu, und nun vereinte sich mit aller Leidenschaftlichkeit,finsterer Unmuth, den er nur zeitweilig besiegte. Der äußerenMacht der Kirche beugte er sich jedoch, ging in ein Kloster,verbrannte selbst sein verdammtes Buch, aber statt in Liebeund Glauben zu bessern wie Bernhard, strafte er im Zorn dieLaster der Geistlichkeit, ließ sich stets von seinen Schülern hin-reißen, seiner Eitelkeit sich zu ergeben, in Forschung, in Vor-trügen, in gelehrten Kämpfen, immer srecher dem Menschenwitzeeigenes Recht anzubahnen. Seine verführerische Weise besingselbst die höchststehenden Geistlichen, daß sie ihn schützten, bisBernhard, der gottselige Mann, die Gefahr erkannte und auf-deckte. Die Synode zu Sens, 1140, forderte zum zweitenMal Abailard zur Rechtfertigung auf, und begehrte von Bern-hard die Widerlegung. Doch Bernhard, die Gewandheit Abai-lard's kennend, hielt es zudem unwürdig den heiligen Glaubeneitlen Streitkünsten hinzugeben, und eingedenk des Herrn Wort:sorgt nicht wie und was ihr reden sollt, trat er vor die Synode,trug die verdammlichen Sätze Abailard's vor und forderteschlechthin den' Widerruf. Abailard erkannte auch jetzt dieäußere Uebermacht, widerrief und ging in das Kloster Clügnyzu dem Abt Peter dem Ehrwürdigen, wie die Zeit diesenstillen, versöhnenden Mann benannte. Hier fand Abailard inStudien Demuth und dann Ruhe, auch Versöhnung mit demmilden Bernhard, und starb 1142. Aber die Flamme, welchein Anselm von Canterbury und Hugo & St. Victor, so er-freulich aus dem Menschenwitze hervorzuleuchten schien, wuchsin der darin begonnenen Entfesselung des Menschen von demGlauben zu einem wilden Feuer, welches die Gemeinschaft mitdem Herrn, die wahre Kirche, zerstörte, theils durch offene Ver-leugnung, theils durch Ausnahme von Irrthümern. Die Letzte-ren beförderten am gefährlichsten die feinsten Scholastiker, wieThomas Aquinas der gewaltige Dominikaner,und Duns Scotusder berühmte Franciskaner. Die Zeit hat über diese reichbe-gabten Geister schon gerichtet, jene großen Scholastiker lebennur bei den Gelehrten, den, seine Mitwelt bezaubernden Abai-