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Umriß einer christlichen Weltgeschichte / von Friedrich von Maltzan
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lard, kennt die Nachwelt besonders an seiner Liebesgeschichtemit Heloisen; dagegen des bibeltreuen Bernhard gottseligeSprüche erquicken noch das Volk in Büchern wie HeinrichMüllers und ähnliche.

Zweites Kapitel.

Die Städte

Von jeher hatten die Städte einen gottesdienstlichen Cha-racter; entweder erbaute sich eine Stadt um einen Ort derGottesverehrung, oder die Stadt ward gar besonders mit Gebäu-den zum Gottesdienste geschmückt. Israel zeichnete sich zwar auchhierin aus, daß sür ihn nur eine Stadt, Jerusalem, der Ort desGottesdienstes sein durfte, den einen wahren Gott leichter zuerkennen und ihm treu zu bleiben. Es geht dies alles ausdem unversiegbaren Zuge zu Gott hervor. Auch wo die Naturnicht mehr tausendstimmig Gott in das Herz predigt, wennder Mensch im städttschen Gewühle unterzugehen bedroht wird,treibt es ihn sich eine sichtbare Stätte, wo er Gott finde, aus-zurichten, den Naturtempel vertauscht er mit einem Tempelvon eigenen Händen errichtet.

Je mehr in der Heidenzeit das Gottesdienstliche weichenmußte, gegen die zum Gotte erhobene Idee des anüquen Staa-tes, desto mehr erstarrte wahre menschliche Freiheit in denStädten. Die Germanen, das Christliche leichter wie andereVölker verstehend und ergreifend, mußten die Freiheit als einechristliche, erst in die Städte zurückführen. Der Leib des Herrn,wo Christus das Haupt, und alle die Seinen die Glieder sind,sollte durch die Germanen in allen Dingen sichtbare Gestaltgewinnen. Die Germanen erhielten sich überall ihr eigenesRecht, welches dem einzelnen Manne seine Selbständigkeit be-wahrte; auch den Nichtgermanen gefiel dies Recht besser, sieließen es vorwalten. Dann gewannen die Bischöfe Ansehn inden Städten und schirmten eine wahre, von Innen fließendeFreiheit. Germanisches und Christliches boten sich daher dieHand, und so bildete sich eine christlich-germanische Gemeinde-verfassung wo Unterordnung unter eine Obrigkeit nach Gottes-Willen, und eine Berechtigung Aller, als nothwendige Gliederdes einen heiligen Leibes, statt fanden. In dieser größerenGemeinschaft waren, ähnlich wie an dem Leibe Hauptglieder,