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Umriß einer christlichen Weltgeschichte / von Friedrich von Maltzan
Entstehung
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fielt thätig wurden, der Adel »ermöglich ward durch seine nichtgedrückten Bauern, und das geistliche Gut durch den frommenSinn sich ganz besonders mehrte. So vermogte das nicht großeLand in Willigkeit 60,000 Mark als Lösegeld für KönigAlbrecht aufzubringen. Als Blüthenkrone dieser Zeit er-folgte die Stiftung der Hochschule zu Rostock 1419 durch desKönigs jüngeren Sohn Albrecht zusammt mit seinem VetterJohann II. von Mecklenburg. Es war dies die letzte königlicheThat der Nachkommenschaft des Königs, welche 1422 erlosch.Herzog Albrechts des Großen dritter Sohn Magnus wardallein berufen das Geschlecht durch seinen Sohn Johann II.fortzusetzen.

Das 15. Jahrhundert, wo gar nur zwei Fürsten dieHäupter in Mecklenburg waren, Heinrich der Enkel Magnus I.von 1422 bis 1477 und dessen Sohn Magnus II. bis 1504,bezeichnete sich als die Zeit, wo aller Besitz sich zu einemGanzen gestaltete. Das trat bei den Landesherren ein, wiebei deren Verhältnissen zu den Seestädten; aber auch bei demGutsbesitze des Adels. Die Adelsgeschlechter setzten sich festerauf bestimmten Gütern. Auswärtige Kriege belästigten dasLand nicht lange und nur mit Pommern, aber viel Kämpfegab es mit Rostock. Der Streit des Stadtadels mit denHandwerkern war noch nicht beendet; je mehr sich letztere be-reicherten, desto kräftiger rangen sie nach Vorzugsrechten, unddie Rechte des Landesherren kamen hierbei auch in Zweifel.Die anderen Hansestädte vermittelten gewöhnlich, und einSühngeld besänftigte die Fürsten, die Stadt aber bewahrteihre Freiheit. Wohl ist zu beachten die rege Theilnahme vie-ler Bürger an der Verwaltung; in allen Städten sind gleich-zeitig viele Bürgermeister und Rathsherren; und indem sichviele der Amtssorge unterzogen, konnte sie eher unentgeldlich,weil sie nicht alle Zeit raubte, übernommen werden, und zu-gleich ward Alles umsichtiger und gemeinkundiger berathen.Die Stadtverwaltung war kein Geschäft bloßer Geschäfts-männer.

Die Hochschule in Rostock übte unverkennbar sittigendenEinfluß durch ihre angesehenen Lehrer und ihre zahlreichenLernenden, eine Vorbereitung auf die Reformation, die sich