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Umriß einer christlichen Weltgeschichte / von Friedrich von Maltzan
Entstehung
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mit Christo zu weihen, stellte Spener zurück und verführtestch und viele zu einer feinen Selbstgerechtigkeit, die Fröm-migkeit ward ihm eine selbständige Macht. So war seinesBleibens nicht lange in Sachsen, wo auch Leipzig stch gegenseine Ansichten auflehnte. ^ In Berlin war das Feld für Spe-ner; bei seiner Unionsneigung, ein gutes Rüstzeug, ward er1691 dahin berufen, die lutherische Kirche durch den Pietis-mus zu stürzen. Wo Paul Gerhard, (starb 1676,) gepredigt,den Feuerstrom seiner Lieder ergossen, die Gemeinde so ergriffen,daß sie stch mit herbem Schmerz von ihm losriß, da war dochunmöglich eine todte Orthodoxie, welche Spener's Pietismusvernöthigte. Aber Spener war als ein practischer Mann zugebrauchen, man stiftete seiner Richtung eine Hochschule inHalle, welche gewiß den calvinischen Zweck erreichte, die luthe-rische Kirche als preußische Saatskirche zu verdrängen. Vielleichtkam etwas weltliche Nebenbuhlcrei hinzu, zwischen. Berlin undDresden; es ward heftig gestritten unter Speners Anhängernund seinen Gegnern. Der Pietismus nahm zu seinen Zweckendie Stiftung der Herrnhuter Gemeinde zu Hülfe. In dieserGemeinde, von Graf von Zinzendorf auf seinen Gütern ge-gründet, crystallisirte sichrer Pietismus als ein Nebenkirchlein,worin gewiß viel innerliche Frömmigkeit stch bewährte, woaber auch ein formelles Christenthum gepflegt wurde, weilman meinte, die lutherische Kirche sei so arm an Früchten.Mit den römischen Ordensgemeinschasten kann man die Brü-dergemeinde nicht gleichstellen, weil diese doch zeitweise fort-bildendes Leben besaßen. Hat der Pietismus gesiegt, daß erdie Orthodoxie in das Unscheinbare zurückgedrängt, hat erspäter in den von ihm ausgeleerten Räumen wieder religiösesLeben erwecken helfen, so hat die Zeit ihn doch gerichtet undverworfen. Spener ist ein frommer Name, aber seine Schrif-ten sind von Arnds und Heinrich Müllers Schriften beseitigt.

In dieser Zeit lebte auch Leibnitz, geboren 1646, hochbe-gabt und hochgelehrt, ein Deutscher, der sich von Deutschlandabwandte, er schrieb Latein und Französisch, verschmähte LuthersSprache und Erkenntniß. Solch ein Mann wirkte auf denVerfall der Sprache, daß das gelehrte. Deutsch ein barbarischesward. Bei seiner Philosophie muß man sagen: des Menschen-