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Umriß einer christlichen Weltgeschichte / von Friedrich von Maltzan
Entstehung
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war aber geschwächt in Spanien wie in Deutschland, selbst inleibliche Schwachheit waren seine Fürsten gesunken. In deut-scher Gesinnung, denn darin standen noch zuerst gegen Frank-reich die deutschen Fürsten fest, und als alleiniger christlicherKämpfer gegen die andringenden Türken, verblieb dem Habs-burger eine höhere siegende Kraft.

Ludwig ließ in den ersten Jahren seines Selbstherrschensdie Mächte Europas sich untereinander bekriegen und schwä-chen, er aber sammelte seine Kräfte.

Cromwell hatte Englands Meeresherrschast begründet durchdie Navigationsacte, wonach alle englischen Erzeugnisse nur inenglischen Schiffen verladen werden durften. Holland erkannteden Nachtheil dieses Gesetzes für sich und forderte es abgeschafft.Beide Völker führten darüber einen kostspieligen harten See-krieg, wo die großen holländischen Seehelden Tromp und Ruyterglänzten, doch England zuletzt sein Gesetz aufrecht hielt. Schwe-den unter König Carl Gustav von der Pfalz besiegte im Hel-denfluge Dänemark und Polen. Brandenburg mußte denSchweden in der dreitägigen Schlacht bei Warschau 1656 zumSiege verhelfen;- und der Friede zu Oliva 1660 verkündigteauch nach Carl Gustavs Tode Schwedens Uebergewicht durchden gewonnenen Länderzuwachs. Spanien und Portugal la-gen auch im Kriege wegen des letzteren Selbständigkeit undendlich ward Oesterreich hart vom Türken bis in Mähren hin-ein bedrängt und schöpfte nur Lust nach dem Siege bei St.Gotthardt, 1664. Da trat Ludwig XIV. kraftvoll unter dieim Kampfe Geschwächten und forderte für seine spanische Ge-mahlin, nach deren Vaters Philipp IV. Tode, die Niederlandeals Erbe 1667. Schnell versöhnten sich alle Streitenden undLudwig, nachdem er die Kräfte gemessen hatte, begnügte sichmit einem Stück der Niederlande und schloß, gelegenere Zeitersehend, Frieden zu Aachen 1668. Die Waffen konnten nichtAlles gewinnen, die Verführung mußte mit helfen. Der jesui-tische und calvinische Rationalismus hatte seinen Uebergang inDeutschland schon vollendet, ihm folgte die geistige und geselligeBildung Frankreichs nach, die deutschen Fürsten, mit Ausnahme.der Habsburger, wurden Abbilder Ludwigs XIV. In so berei-tetem Boden wucherte die schlaue französische Verhandlungskunst.

v. Maltzan's christl. Weltgeschichte.

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