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Umriß einer christlichen Weltgeschichte / von Friedrich von Maltzan
Entstehung
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Ludwig betrachtete das kleine, aber einzig energische Höl-land als das größte Hinderniß bei seinen Absichten, ihm berei-tete er zuerst Verderben. Ludwig zog England in seine Fesseln,verlockte Schweden, gewann die deutschen Nachbarsürsten Kölnund Munster, wiegte Oesterreich zum Zusehen ein und über-stürzte plötzlich Holland, wo die Republik mit dem Heldenstammder Oranier zwiespältig war. Das Durchstechen seiner Deicheschützte Holland vor schneller vMger Eroberung durch Türenne1672. Holland flehte um Frieden, der übermüthige Ludwigtrieb es auss Aeußerste, und die Republik warf sich Wilhelmvon Oranien in die Arme. Wilhelm fand Mittel, Holland zuretten, zumal Rüyter auf dem Meere siegreich die Küsten freihielt.

Spanien und Brandenburg erkannten schon Anfangs dieGefahr, beide wagten sich in den schweren Kampf, den Bran-denburg zugleich mit Schweden zu bestehen hatte, doch diesenFeind bei Fehrbellin 1674 glorreich besiegte. Die SeesiegeHollands empörten das englische Volk, der öffentliche Unmuthzwang den König Carl II., Frankreichs Bündnis; aufzugeben;und Deutschland, der Kaiser vorweg, auch Dänemark, erkann-ten endlich die Gefahr vor Ludwigs Uebermacht, und schlugenlos. Der kaiserliche Montecuculi hielt den französischen gro-ßen Kriegern Conde und Türenne glücklicher die Wage, alsder kluge und tapfere Wilhelm von Oranien. Wilhelm wargrößerer Feldherr, den Nachtheil einer verlorenen Schlacht abzu-wenden, als den Sieg zu erringen. Nach abwechselndem Glück,welches Ludwig belehrte, kam Friede zu Nymwegen 1679 unterAllen zu Stande, worin Spanien durch Verlust in den Nieder-landen und Burgunds hauptsächlich büßte. Schweden hattedie Allmacht verloren, seit es Frankreich diente. Ludwtg xiv.versank immer tiefer im Dienste des Fürsten dieser Welt zuFleischeslust, Augenlust und Hoffahrt, ward ausschweifender,glanzsüchtiger, hart und übermüthig.

Nach dem Kriege trieb Ludwig wieder ein frevelndes Spielmit allen Mächten. Gefangen hielt er Fürsten und Adel inseinen Netzen durch eitle Nachäfferei seines Glanzes und' sei-ner Verderbniß, besonders bei dem gleichüppigen Carl II. vonEngland und bei manchen deutschen Fürsten. ,Kaiser Leopold