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zum Nutzen des Landes gereichen ließen. Friedrich August in., erstChurfürst, zuletzt König, herrschte in großer Milde und Sorg-falt bis 1807, von wo'Bonaparte den deutschen Fürsten wie bene-belte, daß dieser an sich die Strafe, für das erworbene unrechteGut Johann Friedrichs des Großmüthigen, vollzog, und es1814 wieder an ein fremdes Fürstengelchlecht herausgebenmußte. 1827 starb dieser König. Entfremdet blieben dieseFürsten, als im römischen Bekenntniß, sehr beklagenswerthfür Sachsen.
In dem Stamme der Ernestiner versuchten wahrend des30jährigen Krieges Johann Ernst und dann der große Bern-hard durch das Schwert sich eine Herrschaft zn erkämpfen,sie wandelten nicht die Bahn treuer, deutscher Fürsten undstarben, das thörigte Streben noch erkennend. Ein Ernst derder Fromme, dessen Söhne von Gotha aus über Thüringenviele Nebenzweige verbreiteten, vererbte einen Sinn der Milde,worin die kleinen Herrschaften ein Segen der Unterthanenwurden. Nur leider löste sich das gemeinsame Band, washätte wohlthätig wirken müssen; einzig gemeinsam blieb dieUniversität Jena und das Obergericht, aber Jena hatte auf-gehört für Glanbenstreue zu kämpfen.
Zweites Kapitel.
Pfalz-Vatern.
Der Churfürst Carl Ludwig trachtete nach dem Kriegeseine Pfalz wieder emperblühn zu lassen, verwaltete gerechtund'sorgsam, vermied aber nicht kleine Streitigkeiten, welchekostspielige Fehden herbeiführten. Er näherte sich dem Kaiserund hielt treu zu ihm, wie schwer auch sein Land von Lud-wig XIV. mißhandelt wurde, im Kriege von 1673 bis 1679.Ein rechtes Unglück bereitete ihm seine hessische Gemahlin,welche er gegen ihre Neigung nahm. Der Ehezwist gingdurch das Leben hin, und veranlaßte das Aussterben des Hau-ses. Der Churfürst starb 1680, und ihm folgte zwar seinSohn Carl, aber dessen kurze Herrschaft bis 1685 war einböses Spiel von Günstlingen. Unbekümmert und verschwen-derisch siechte der letzte Mann aus Friedrich V. Geschlecht hin,und nur unvollkommen sicherte er seines Volkes Glauben vor