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Umriß einer christlichen Weltgeschichte / von Friedrich von Maltzan
Entstehung
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Reiche die großen Länderanstausche begannen, weckte dies auchin Baiern allerlei Gelüste auf, die man endlich in der unrühm-lichen Verbindung mit Bonaparten am besten zu befriedigenmeinte. So ward Baiern ein Königreich, nicht mehr allein denStamm der Baiern vertretend. Nürnberg, das immer noch ge-werbfleißige in den lutherischen Fraukcntheilen, ist eine Lebensaber für das ganze Baiern, und 3 Geschlechtssolgen hindurchist an der Seite des römischgläubigen Königs eine protestanti-sche Königin.

Drittes Kapitel.

Würtemberg.

Der Sohn Eberhards, der Herzog Wilhelm Ludwig vonWürtemberg, herrschte nur von 1674 bis 1677, gleich friedlichgesinnt'. Er suchte die Kriegesnoth mehr durch Bitten als mitWaffen abzuwehren, wobei das Land zwar verschuldet, abernicht so verwüstet wurde als die Nachbarländer. Sein Nach-folger Eberhard Ludwig war 3 Jahre alt, und wie bei denGrasen von Würtemberg znm Glück keine Vormundschaft vor-kommt, so finden sich leider manche junge Herzoge bevormundet.Der Oheim-Vormund traf nicht das Rechte, den Bedruck Lud-wigs xiv. abzuwehren, und ward selbst 1692 von den Fran-zosen gefangen. Obwohl noch jung, erklärte sich nun EberhardLudwig für volljährig. Die Kriegsdrangsale mehrten sich undvertrieben den Herzog. Dann benutzte der Herzog die kurzeFriedenszeit von 1697 an, Europa zu bereisen; leider wardamit das glanzlose fromme Leben am Hofe dahin. Der Her-zog ward in den spanischen Erbsolgekrieg vom Kaiser hinein-gezogen, er ward Reichsgeneral, focht glücklich und die Jagd-lust der Vorfahren verwandelte sich jetzt in verderbliche Kriegs-lnst. Die geistliche Macht hatte bisher die ständische Machtgestützt, da jene abnahm, waltete der Herzog immer eigenmäch-tiger. Zum tiefen Verderben aber führte des Herzogs Buhl-schaft mit der von. Grävenitz aus Mecklenburg. Der Uebermnthdieses Weibes kannte keine Grenzen, wo es ihrem Einfluß,und ihrer Habsucht galt, 23 Jahr lang. Als endlich der Erb-prinz, der einzige Sohn hinsiechte, nicht ohne Verdacht, da rißsich der Herzog von der Buhlerin los, 1731, und seine letztenTage lebte er wohlversöhnt mit seiner Gemahlin und dem Lande.