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Einleitung.
der letzteren, den geselligen Verkehr und das politische Leben baldleichter gefärbt, bald eindringender instcirt.
Aber auch sonst vererbte sich aus die neue Bevölkerung eine Füllevon Erinnerungen an das Heldengeschlecht des Romulus, welches dieWelt bezwungen. Oft ist nur noch das Monument vorhanden undsteht als ein räthselhafter Spuk da, wie die mittelalterlichen Märchenvon der Reiterstatue des Marcus Aurelius oder vom Bau des Pan-theon bezeugen. Ost ist die Vorstellung dunkel und verworren, wiedie vom Cäsarenthum, als es unter dem fränkischen Karl wiederher-gestellt wurde, oder von der alten römischen Republik, als Arnoldsda Brescia den Senat, die Consuln und den Populus Romanuswieder ausrichten wollte. Oft auch war eine Institution am Lebengeblieben, ohne daß man sich ihres antiken Ursprungs bewußt wurde,wie die Schulen der Grammatiker in den Städten, die urkundlichenGebräuche der Notare, wie so vieles in den geselligen, häuslichen undselbst kirchlichen Sitten. Vor allem aber hat Italien und insbe-sondre Rom nimmer vergessen können, daß von hier aus eine Weltunterworfen und gelenkt worden ist. Gerade in Zeiten rechter Ver-wilderung taucht hier auch das alte Heidenthum wie ein dämonischerSpuk wieder empor. Schulmeister, wie jenen Wilgard von Ravenna,versucht der Teufel, von ihrer Hingabe an Virgilius, Horatius undJuvenalis ewigen Nachruhm zu erwarten und sich der Kirche mittrotziger Verachtung entgegenzusetzen. Rom erzeugt wieder Dema-gogen und Tyrannen, die an das Capitol und den alten Beruf derStadt zur Herrschaft zu erinnern wissen, wie Alberich und die Cres-centier, Buhldirnen im großen Stil, Päpste, die das Leben einesElagabalus führen und bei Juppiter und Venus fluchen.
Man wird nicht leugnen können, daß Italien dem Geiste nachdie Wiege nicht nur der Hierarchie, sondern auch die des germanischenKaisertums gewesen. Es hat ihr Auswachsen, ihre mächtigen Kämpfegegen einander, dann ihren Niedergang gesehen. Beide aber, dieHierarchie und das römische Reich deutscher Nation, sind von alt-römischen Ideen immer durchdrungen geblieben, beide haben durchsie die weltbürgerliche und universalmonarchische Richtung erhalten.Desgleichen haben die Sprache Roms, das Recht Roms und dieKirche Roms den Boden für eine europäische Gesammtbildung ge-ebnet und ein geistiges Band um die Völker geschlungen, dessenHandhabung Italien zur Hegemonin Europa's machte.