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Die Wiederbelebung des classischen Alterthums oder das erste Jahrhundert des Humanismus / von Georg Voigt
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Einleitung.

er sie zur Form seines hohen Geistes wählte, zu Ehren bringen. Alsihm Giovanni di Virgilio zumuthete, seine edlen Geisteswerke nichtdem Pöbelhaufen, seine Perlen nicht den Schweinen zuzuwerfen unddie kastalischen Schwestern nicht in ein unwürdiges Gewand zu zwän-gen, wies Dante diese Aufforderung in der ersten seiner Eklogenscherzend zurück.') Am Ende seines Lebens hat er in der Abhand-lung cko vulKg-ri ologuio den Triumph der erlauchten Vulgärspracheauch theoretisch gefeiert und zwar in barbarischem Latein. Und dochsind die beiden lateinischen Eklogen, die wir von Dante besitzen,gerade deshalb so denkwürdig, weil in ihnen die Eleganz derAlten wiederangestrebt und Virgilius auch in der Form zum Vor-bilde genommen wird. Selbst der Gebrauch der Volkssprache in derGöttlichen Komödie hat eine Frucht getragen, die freilich nicht in desDichters Absicht lag, aber doch den kommenden Zeiten in die Handarbeitete: jene Sprache entfremdete nämlich das große Gedicht demkirchlichen Kreise und übergab es einem Theile der Nation, welcherdann zum Träger der humanistischen Richtung berufen war.

In einem Punkte werden die kirchlichen Anschauungen Dante'sentschieden durchbrochen und eine antike Idee drängt sich hervor, diedann den Nerv in der eigenen Thätigkeit der Humanisten bildeteund die sie der Welt mit unermüdlicher Begeisterung eingeprägt undfür die Dauer zu Eigen gemacht. Das ist der Gedanke des Nach-ruhms. Die Kirche verweist den Gläubigen, der ihren Geboten folgt,auf den Lohn im Jenseits. Es ist ein dem antiken Leben abgelausch-tes und nicht christliches Streben, das den Lohn des irdischen Thunsim Lobe der Mit- und Nachwelt, in der Unsterblichkeit des Na-mens sucht.

Sehr natürlich, daß diese Sehnsucht von den Dichtern aus denDichter überging, daß die nach mehr als tausend Jahren immer nochhochgefeierten Dichternamen zündend in die Brust des Dichters trafen.Vor allen der des Mantuaners, der dauern wird, so lange die Be-wegung der Welt dauert^). Im Kreise der tugendhaften Heidenbilden die Dichter eine besondere Gruppe wegen des ehrenvollenNachruhms, den sie noch aus der Erde genießen, Homeros als ihr

1) Die Ekloge Giovannis b. Aekns I. o. p. 320.

2) Inkerno <!. II.: I)i eni la kawa aneor nel momio äur»,

äureiÄ gnaiito 'I moto lontana.