Einleitung.
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Fürst, Horatius, Ovidius, Lucanus. Sie begrüßen Dante undnehmen ihn in ihre Reihe aus'). In Trägheit und Ueppigkeit, sobelehrt Virgilius seinen Jünger, erlangt man nicht den Ruhm, ohne'den das Leben wie Rauch und Schaum zerrinnt*). Es liegt nichtin Dante's Natur, mit den kleinen Künsten der Eitelkeit um dasLob zu buhlen und nach dem Lorbeer zu schielen. Er nimmt ihnim Vollgefühl der Kraft und des Werthes offen in Anspruch, undda dieses Streben nicht Inhalt eines christlichen Gebetes sein kann,bittet er Apollo, ihm Kraft zu geben, daß er den geliebten Lorbeererlange'). Er läßt sich ohne Scheu von Brunetto Latini die Ver-heißung geben, daß er den Hasen des Ruhmes einst erreichen werde,daß ihn in Florenz die Weißen wie die Schwarzen mit gleichemStolze den ihren nennen werden*). Er fühlt als Dichter die Kraftin sich, „mit der der Mensch die Ewigkeit erringt", sich nach diesemLeben ein zweites im Nachruhm erobert'). Ja Dante geht in derRuhmestheorie noch einen Schritt weiter, aus dem ihm dann dieHumanisten freudig gefolgt sind: der Dichter hat es auch in derHand, andere unsterblich zu machen, indem er ihrer in seinem Ge-dichte gedenkt"). So schasst er sich und anderen einen Himmel, dermit dem der christlichen Seligkeit wetteifert.
Dabei fehlte es doch Dante nicht ganz am Bewußtsein, inwelcher Kollision diese antike Sehnsucht mit der christlichen stand.Den Maler Oderisi von Gubbio läßt er im Fegefeuer büßen für dasglühende Streben nach Auszeichnung, das ihn im Leben beseelt undvon Gott abgewendet. Er läßt ihn klagen, daß der eitle Ruhmunter den Menschen vergänglich sei wie des Windes Wehen und wiedas Grün des Grases. Er zieht sich auch selbst die Lehre der De-muth aus solchen Worten*). Aber es ist doch bezeichnend, daß denruhmsüchtigen Maler als Sünde trifft, was bei dem Dichter natür-lich erscheint, weil schon die alten römischen Dichter es natürlich ge-
5 IM. e. IV. Dazu die Worte des Stativs kurx. o. XXI.2) IM. v. XXIV.
2) kars.Z. o. I.
«) IM. e. XV.
5) I'araä. e. IX.: Vsäi ss lar si 6es I'uomo exesIIsMe,
8i eil' altr.a vita la priw» relinqua.
°) Vergl. z. B. IM. e. XXIX. XXXI. XXXII.
7) IMrA. o. XI.