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Die Wiederbelebung des classischen Alterthums oder das erste Jahrhundert des Humanismus / von Georg Voigt
Entstehung
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Einleitung.

funden. Auch hat Dante die Ruhmessehnsucht nicht zu überwinden,ja nicht einmal zu verleugnen gestrebt').

So ist denn überhaupt, was an der Gestalt Dante's uns modernanmuthet, das Hervortreten seiner männlichen selbstbewußten Persön-lichkeit, die der Welt ihr Ich zu bieten wagt. Das war die Majestätdes Denkers und Dichters, die schon seine Zeitgenossen aus der ge-waltigen Stirn und den dunklen Gesichtszügen thronen sahen. Unddieser einsame Mann, der ein solches Wissen und eine solche Kunsterworben, dessen Welt auf eigenem Studium und eigener Geisteskraftruhte, war ein Laie, der weder dem Verbände der Kirche noch derHochschule noch des Vaterlandes angehörte, der in einem schicksals-vollen Leben als Dichter eine neue Stellung zu suchen hattet.

Zwischen Dante und Petrarca scheint keine Kluft zu liegen, in-sofern letzterer den alten Meister als Jüngling wohl noch hätte sehenkönnen. Aber in Bildung und Lebensführung sind sie doch weit ge-trennt. Näher als Dante steht der humanistischen Entwickelung, derdie Zukunft angehören sollte, eine Gruppe von Dichtern und Ge-schichtschreibern, die dem oberen Italien angehört und entschieden ander Brust der klassischen Literatur aufgewachsen ist.

Ihr Haupt ist Albertino Mussato, der Paduaner, ein Mannvon niederer Herkunft, der sich ganz mit eigener Kraft und ohne einVorbild unter den Zeitgenossen emporgearbeitet. Er hatte einemälteren Schulmeister bei seinem mühseligen Berufe geholfen, als beidem Tode seines Vaters ihm, dem 21jährigen, die Noth oblag, einealte Mutter, eine Schwester und zwei jüngere Brüder zu erhalten.Das nöthigte ihn, sich mit Eifer dem Recht und der Rechtspraxiszuzuwenden, Notar zu werden, durch Geschäfte, Prozesse und öffent-liche Aemter den Unterhalt zu erwerben. Als ein Sohn aus demVolke wurde er bald beliebt und als eifriger Bürger kam er schnellempor, erlangte die höchsten Aemter und Ehren der Stadt und wurdeoftmals mit Gesandtschaften an Fürsten, viermal allein an Heinrich

6 Bergt. Burckhardt S. 170 ff., wo noch manche andere Stelle herangezo-gen wird.

2) Oäov. Villani Orouioa, IX., 136 hebt das Auffallende dieser Erscheinunghervor: tzussti (I)auts) tu Araullo lelterato guam in OAiri 8vieiira, tutto i»88olaioo stv.