I. Petmrca's Eloquenz.
33
sprächen das Lob des wahren Gottes und der heiligen Trinität undzugleich ihren Zorn über die schnöde Lenkung des Schisfleins Petrigesungen.') Nun finden wir allerdings die Anspielungen auf Avignon,seine Päpste und Cardinäle, die bildliche Bedeutung von Hirt undHeerde und dergleichen mit leichter Mühe heraus. Das Geheimnißist also nichts mehr, als was Petrarca unzählige Male in deutlicher,schlichter Prosa ausgeplaudert. Gehen wir aber mit jener Voraus-setzung an die „Africa", so müssen wir unser völliges Unverständnißbeklagen. Viel leichter ließe sich jene Symbolisirung bei den ReimenPetrarca's durchführen, und schon einer seiner Freunde hat die Mei-nung aufgestellt, unter'der gefeierten Madonna Laura dürfe wohlder Lorbeer und unter diesem die Sehnsucht nach dem Dichterruhmezu verstehen sein. Von den „Triumphen" ist es gewiß, daß sich Pe-trarca darin gefiel, sie mit geheimnißvollen Andeutungen auszustatten,nur sind hier die Bezüge weniger von sinnbildlicher Natur wie beiDante, mit dem er vielleicht in Wetteifer treten wollte, als vielmehrRäthsel-Aufgaben, die durch klassische Gelehrsamkeit, verbunden miteinigem Scharfsinn, unschwer gelöst werden können.
Die Dichter, sagt Petrarca einmal, sind schon selten, aberseltener noch sind die Redner ft. Unter Beredtsamkeit versteht er we-niger die Kunst, durch das gesprochene Wort auf einem Forum zuwirken, als vielmehr die Fähigkeit überhaupt, seine Gedanken durchkünstliche Formgebung eindringlicher, anziehender zu machen, also dieWohlredenheit oder Eloquenz. Seine Abhandlungen und seine Briesehielt er für nicht minder ewig als seine Gedichte, durch seine Prosaverdiente er den Lorbeerkranz nicht weniger. Und in der That, erhat diese Eloquenz aus dem Alterthum in sein Zeitalter hinüber-gepflanzt, er ist ihr Vater in der modernen Welt geworden.
Man hat über die Selbstgefälligkeit, mit welcher Petrarca vonseinem Stil zu sprechen pflegt, und über den Beifall, den seineFreunde demselben zollten, nicht genug lächeln und den Vorzugspäterer Zeiten nicht genug rühmen zu können geglaubt. Mau hatan seinem Latein gemäkelt, es sei doch zu voll von grammatischenFehlern und Barbarismen, der Satzbau oft noch recht unklar und
1) Os densnlogin Ooorum XIV, 10. 22. und Lomeulo soprn in Oowwsäisäi VLllts cnp. 1 (Opere vol. V. p. 35).
2) I>s ivmsllio utriusqus lortunne I.ib. II. dinl. 102: iiunAui.? postninim, mniororutorum i'Lritns.
Boigt, Humanismus. 2. Anst. I.
3