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Die Wiederbelebung des classischen Alterthums oder das erste Jahrhundert des Humanismus / von Georg Voigt
Entstehung
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V. Poggio als Ueberscher.

sari's litterarischen Ruf. Wie er mit seinem Gewissen liebäugelte,als er ein profanes Werk, den Diogenes von Laerte in Arbeit nahmund zuletzt doch mit einer Widmung an Cosimo Medici herausgab,.ist früher erzählt. Als Filelfo nach langen Jahren das Buch prüfte,fand erfast zahllose Irrthümer" und erklärte es für völlig verderbtund albern; war dieses Urtheil noch ein Nachhall seines alten Grollesaus der Zeit der florentinischen Kämpfest?

Am deutlichsten vielleicht zeigt uns Poggio die Art und denAnspruch der florentinischen Uebersetzungskunst. Er hatte erst imreifen Alter begonnen, sich mit dem Griechischen einigermaßen vertrautzu machen, Rinucci hatte ihn in die Lectüre griechischer Klassiker einwenig eingeführt, und sonst konnte er sich höchstens bei Trapezuntiosin schwierigeren Fällen Rath holen. Zur vollen Sicherheit im Ver-ständniß eines griechischen Autors brachte er es nie. Um so mehrwar er aus die Kunst seines leichten und anmuthigen Latein ge-wiesen, als er die Cyropädie übersetzte und 1447 Alfonso von Neapelwidmete. Von der Freiheit, die Bruni in den eigentlichen Ueber-tragungen noch mit Maß geübt, machte er einen so genialen undwillkürlichen Gebrauch, daß er die acht Bücher Xenophons in sechszusammenzog und weit entfernt, Satz für Satz oder gar Wort fürWort wiederzugeben, vielmehr nur den Verlauf und Sinn im Großenund Ganzen festhielt und die Cyropädie so umgestaltete, wie sie nachseiner Meinung etwa ein Römer geschrieben haben möchte. Er warsehr zufrieden, wenn Freunde wie Marsuppini seine Methode billigtenund die Eloquenz lobten, mit der er Lenophon verbessert und verschönt.Ob dabei dem Autor selbst seine Eigenheit gewahrt blieb, künrmerteihn nicht im mindesten, und merkwürdiger Weise auch andere nicht,soviel wir hören. Ließ sich Valla ungünstig über die Arbeit aus,so wurde das der persönlichen Gegnerschaft zugeschrieben st.

Ein Schützling Traversari's und seiner florentinischen Freunde,im Griechischen ein Schüler Filelso's war der junge Lapo da Ca-

') S. Bd. 1 S. 323. 357. Filelso's Brief an Donato Acciaiuoli vom15. Juli 1461.

2) S. Bd. I S. 336. Die Widmung an Alfonso bei Laxius p. 126. koxZiusopist. IX, 23. 26. 27. Er sagt freimüthig: 8sä nsqno äoroZo labori weo, gniirorr 8oii8im, ut multi, anetoronr 8iin 8eeut.u8, sei Iri8toiiam 8onp8evinr, ntab8qns laMäio IsZi gnoat. Der Brief Guarino's an ihn vom 1. August (1448)bei Llispiisrä Vita «I> I'oMio traä. lonsllr '1. II nnw. XX.