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Die Wiederbelebung des classischen Alterthums oder das erste Jahrhundert des Humanismus / von Georg Voigt
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V. Nicolaus V und die Uebersetzung.

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Valla, dessen kräftiger Geist auch auf diesem Gebiete den betretenenPfad verschmähte. Er wußte sehr wohl, was er bei dem quer-köpfigen Rinucci, dessen Wissen selbst nicht weit reichte, im Griechi-schen gelernt und daß er in dieser Sprache nicht zu den fertigenMeistern zähle. Er sah in der Uebersetzung eine Uebung des Geistes,der auf solche Weise in Bau und Geist beider Sprachen eben durchdie Vergleichung desto gründlicher eindringen lerne. Bescheiden be-gann er mit den Fabeln des Aisopos, die ziemlich gleichzeitig auchOgnibene und nach Valla auch sein Lehrer Rinucci übertrug. Dannmachte er sich an Demosthenes' Rede für den Kranz, obwohl erBruni's Uebersetzung derselben wohl kannte und hochschätzte. Abergerade diese Rivalität reizte ihn: er wollte zeigen, daß man das voneinem anderen gut Gesagte noch einmal gut sagen könne, ja er hoffteim lateinischen Kunststil Demosthenes noch in höherem Grade ge-recht zu werden und ihn in ächterem Latein wiederzugeben st Vonseiner Uebersetzung der Zlias wie von den Geschichtswerken, die Ni-colaus V ihm auftrug, wird alsbald zu sprechen sein, und von seinerBerichtigung des Textes der Vulgata ist früher schon gesprochenworden.

Ueberschauen wir die bisherigen Leistungen auf dem Felde derUebersetzung, wie Nicolaus V sie vorfand, so erkennen wir wohl ihrenzufälligen, systemlosen Charakter. Nicht einer der großen Schriftstellervon Hellas lag vollständig in lateinischer Form vor. Außer Brunihatten die meisten Mitarbeiter ihre Kraft nur an kleinen Einzel-werken gemessen. Wie viele der Prosaiker denn an' die Dichterwagte sich überhaupt nicht leicht einer waren noch gänzlich unbe-rührt! Dieses Gebiet nun ersah sich der Papst. Ein Zögling derKreise von Florenz, deren Mittelpunkt einst Niccoli gewesen, ver-folgte er jede literarische Bestrebung, die er dort kennen gelernt, mitseinem hitzigen Eifer, aber auch mit seinem ganzen Eigensinn. Ge-rade die Uebersetzer, Bruni und Traversari, die nun beide todt waren,hatten ihm besonders behagt. Vespasiano hörte ihn einst sagen, erverstehe die kirchlichen Autoren in Traversari's Uebersetzung besser,als andere sie mit unendlichen Commentaren verständen st. Sein

y Lst SLIM reliirgueruius krsgusnter ctiLiÄetgr ipse Araeeus, sxvogitaiuiusuavus, parienclao liZuras, uumeris oiuiuiw servieriäuru sie. Die Rede inVallas0,,useuls. Iris. Vaklen III 8. 138; dazu I 8. 1518. II 8. 357. 435. 430.

2) Vsspu8iano Moola V papa §26.