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Die Wiederbelebung des classischen Alterthums oder das erste Jahrhundert des Humanismus / von Georg Voigt
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V. Uebersetznngen für Nicolaus V. Aristoteles.

Endziel war offenbar, die ganze griechische Literatur so schnell, alsdie vorhandenen Kräste es gestatteten, in würdigem lateinischem Ge-wände seinem Bücherschatz einzuverleiben. Darum sollten die Lite-raten seines Hofes und die sonst in Italien dazu geworben werdenkonnten, alles, was nur des Griechischen und des guten Latein kun-dig war, ihm Uebersetzungen liefern. Er selbst las gern und ge-waltig viel, und konnte er auch nicht alles lesen, was für ihn ge-schrieben wurde, so genügte ihm auch die reine Freude am Sammelnund Mehren. Die Aufgaben theilte er selbst aus, oft mit geschickterWahl, wohl auch mit des kundigen Tortello Beirath, mitunter nachBorliebe und Laune. Den Lohn gab er reichlich, meistens mit eigenerHand und mit dem freundlichsten Gesicht.

Führen wir uns die ansehnlicheren Produkte der päpstlichenUebersetzungssabrik vor, hier aber nicht nach den Uebersetzern, sondernin den sachlichen Gruppen, wie sie der Liebhaberei des sammelndenPapstes als solche vorschwebten.

Für Aristoteles war auch nach Bruni noch gewaltig viel zuthun. Der Papst scheint aber der Meinung gewesen zu sein, daßdiese Arbeit vorzugsweise den geborenen Griechen zukomme. Wirhaben ein ausdrückliches Zeugniß dafür, daß er mit den Jahren zueinem vollständigen Aristoteles zu gelangen hoffteAber der Kräfte,über die er hier zu verfügen hatte, waren nicht viele, und es zeigtesich bald, daß sie zu einem so großen Unternehmen bei weitem nichtausreichten. Trapezuntios begann mit der größeren Rhetorik, zu derer wohl deshalb besonders berufen schien, weil er selbst bereits einHandbuch der Rhetorik geschrieben. Es folgte in kurzer Frist dasBuch von den Thieren. Wir wissen, daß Trapezuntios dem Papstenoch manches andere übersetzte, aber wir wissen auch, daß seineflüchtige Sudelei ihm zuletzt dessen Gunst völlig entzog. Verführtdurch die freudige Güte seines Herrn, wurde er der reine Lohnar-beiter, der seine unleugbare Befähigung schändlich mißbrauchte, umleicht und schnell Geld zu verdienen ^). Obwohl er schon damals seinAnsehen als Uebersetzer eingebüßt, lieferte er doch später noch eine

') Bessarion sagt in der Widmung der Metaphysik, er habe die Kennerbeider Sprachen aufgerufen, nt oinnos köre rlristotstis iidros denn» in Intinawvertsrsnt orntionsw.

2) S. oben S. 141 ff.