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Die Wiederbelebung des classischen Alterthums oder das erste Jahrhundert des Humanismus / von Georg Voigt
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V. Uebersetzungen für Nikolaus V. Aristoteles.

aus je einem und noch dazu mangelhaften Exemplar'). Es scheintaber nicht, daß sein Werk neben dem Bruni's zu Ansehen gelangte,wie denn überhaupt seine Gestalt wenig hervortritt. Sonst vervoll-ständigte Cardinal Befsarion die Sammlung, indem er die 14 Bücherder Metaphysik auf seine Schulter nahm. Es ist auffallend undwohl ein Symptom der stillen Eifersucht, daß er seine Arbeit nichtdem Papste, sondern dem Könige Alfonso von Neapel darbrachte.Sie galt freilich nicht für elegant, aber für getreu und von philo-sophischen Kenntnissen getragen'). Die Übersetzung der beiden Ethiken,die Manetti später in Neapel arbeitete, fiel schon nach Papst Niko-laus' Tode und ist, wie die meisten seiner Schriften, nie zum Vor-schein'gekommen"). 'Gaza's Werke ausgenommen, hatte der Papstmit seinem neuen Aristoteles keinen sonderlichen Erfolg. Die vonihm veranlaßten Arbeiten wurden bald in Schatten gestellt durch diedes Joannes Argyropulos, der zwar nicht für einen rhetorisch durch-gebildeten Lateiner galt wie Trapezuntios und Gaza, aber dafür alsgelehrter Peripatetiker beide in der Tiefe des Verständnisses weithinter sich ließ. Aber nicht der Papst zog ihn heran, sondern Florenzund hier die Gunst Cosimo's de' Medici. So war das berufensteTalent Nicolans doch entgangen. Des Argyropulos Uebersetzungenwurden selbst von seinem Genossen Gaza höher als die eigenen ge-schätzt. Sie sind fast alle Cosimo oder dessen Sohne Piero gewidmetund entstanden im Zusammenhange mit den Vortrügen, die Argy-ropulos an der Hochschule von Florenz hielt, nicht als bestellte Arbeit,die Cosimo überhaupt nicht liebte. Der Papst aber hat kaum etwasdavon erlebtZ.

So erhielt die Welt von Rom und Florenz her die Hauptwerkedes Aristoteles in einer Gestalt, die mindestens aus dem wirklichenAristoteles hervorging, entkleidet des Beiwerks, das die Araber unddie Scholastik ihm angehängt, freilich dafür, bekleidet mit ciceronia-nischen Redeblumen, die ihn dem verwöhnten Geschmacke der Leser

y Luiräiui 6str»I. eoää. Ist. N. III p. 175, Sonst ist von den vielen Briefenund Reden und den unzähligen Versen, die dieser Gregorio nach lluo. kbil.Iloi'Aomus 8uppl. VIn'oir. kol. 284 verfaßt haben soll, nichts bekannt geworden.2) Die Widmung bei VulentirrvIIi I. e. Urtheile bei IIocliu8 p. 107. 169.y Vssprrsirrno (lominsut. 6i Llairotti p. 92.

y S. Bd. I S- 370ff. Lrrnäini 6rrtal. ooäcl. Irrt. '1. II p. 643. 1°. III p. 169.225. 231. 235.