V. Platon.
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gerecht machen sollten. Auch so war der Erfolg von schwerer Be-deutung: der mittelalterliche Aristoteles und seine Commentatorenwaren gestürzt, die kirchliche Autorität des Stageiriten für immerdahin, das wachsende Verständniß des antiken Autors trat an dieStelle.
Für Platon und den geheimnißvollen Platonismus der By-zantiner scheint Papst Nieolaus keine Sympathie gehegt zu haben.Er war doch zu sehr ein Mann der Kirche und seine Bildung zutheologisch, um Platon einen Rang neben Aristoteles oder gar überihm anzuweisen. Auch hier fordert der umfassende, allempsänglicheSinn Cosimo's zur Vergleichung heraus, der neben dem PeripatctikerArgyropulos auch für Plethon und den jungen Ficino, der schon alsKind der Akademie gewidmet wurde, in seinem Hause, neben Ari-stoteles auch für Platon in seinem Geiste, einen Platz hatte. Auchvon dem Eifer für Platon, der von Petrarca auf Salutato, vonSalntato aus Niccoli und Bruni übergegangen war und dessen großenPlan sowie eine Reihe platonischer Uebersctzungen zur Folge gehabt,war der Papst unberührt geblieben. Für Platon's Republik, dieam meisten und frühesten anzog, weil man einzelnes aus ihr durchCicero kannte, mochte er sich mit der Uebersetzung begnügen, anwelcher die beiden Decembrio gemeistert, obwohl deren Verbreitungbezweifelt werden darf. Nur die zwölf Bücher von den Gesetzenübertrug Trapezuntios in seinem Auftrage h, wohl aber auch nichtzu seiner Zufriedenheit. Es ist das Buch, dem Besfarion spätereine Fülle von Mißverständnissen und Fehlern nachwies. Von denDialogen waren zunächst nur die bekannt, die Brnni den Lateinerngegeben; im griechischen Original fanden sie sich indeß wohl schonbei allen reicheren Büchersammlern.
Sein vorzügliches Augenmerk richtete Papst Nicolaus auf diegrößeren Geschichtschreiber der Griechen. Denn die Vergangen-heit des hellenischen Volkes hatte lange eine tiefe Nacht bedeckt, dadie von den Römern überlieferten Erzählungen und Notizen des Zu-sammenhanges entbehrten. Wir begegnen selbst bei den gelehrtestenHumanisten groben Verstößen aus diesem Gebiete. Wiederum warLionardo Bruni der erste gewesen, der das Dunkel durchbrach, indem
') Darüber seine Korrespondenz mit Barbara in einem vatikanischen Codex,dessen tzuiriui viLtrlba p. 7!) gedenkt.