V. Diodoros.
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wollen, ist eine Sage, mit der nachmals" sein Biograph ihn in dasLicht der Pietät zu rücken meinte. Wir hören doch auch, daß er siebei einem Besuch in Neapel dem König Alsonso darbot und vondiesem ein vorläufiges Geschenk empfing. So kam es, daß, als Vallaselbst dahinging, der König sein Manuscript beanspruchte und erhielt,daß das Werk aber ohne Widmung in die Welt ging. Obgleich inNeapel Pontäno von der Arbeit überhaupt nicht viel hielt, fand diesedoch sonst nicht geringen Beifall und ist auch dreimal der Ehre desDruckes gewürdigt worden').
Poggio hätte der Papst schon als alten Freund bei der Arbeits-theilnng nicht wohl übergehen können, er erfreute sich aber auch seinerleichten und pikanten Schreibweise. So hatte er ihn früher schonzur Uebersetzung der Cyropädie angeregt, die dann aber nicht ihm,sondern Alsonso von Neapel gewidmet wurde. Jetzt übertrug er ihmden Diodoros und zwar die fünf ersten Bücher, die von Aegypten,den Völkern Asiens und der mythischen Zeit der Hellenen handeln.Man kannte diesen Autor überhaupt noch nicht lange; erst unterEugen IV war er nach Italien gebracht worden"). Mit Hülse desTrapezuntios, der sie ihm um des Papstes willen nicht versagenkonnte und den er täglich in der Kanzlei traf, brachte Poggio dieArbeit in ziemlich kurzer Zeit zu Stande. Er verfuhr auch hier inseiner freien Weise. Aus dem ersten Buche seines Autors machte erauf eigene Hand zwei Bücher, und mit dem Texte schaltete er sowillkürlich, daß dieser auch ohne Diodoros' Namen als Poggio'seigene Arbeit ging. Er setzte seinen Stolz darein, daß man demBuche nicht anmerken sollte, daß es zuvor griechisch geschrieben ge-wesen. Es wurde auch freudig hingenommen, gelesen, gedruckt, ohnedaß sich jemand die Mühe genommen hätte, nach seinem Verhältnißzu Diodoros zu fragen. Ein anderer Theil desselben Autors wurdeDecembrio zugewiesen, er begann mit dem 16. Buche, kam aberwenig darüber hinaus. Denn als Papst Nicolaus starb, ließ er dieArbeit, die ihm kein anderer gelohnt hätte, sofort fallen").
') dsorgius I. e. p. 185. 207. Vaklsir s. 0. 8. 361—369.
2) Und zwar von Garatone da Trevigi, dem Bischof des peloponnefischenKorane. LIsriiri XreNiatri poirtik. '1. I x. 153.
3) Poggio's Widmung an den Papst und ein Brief des Trapezuntios anseinen Sohn Andreas vom 1. Juni 1454 bei Osoi-Zius I. c. p. 177. I'ogxiiiüexist. IX, 31. X, 1. 3. 7. 8-rxius p. 293. 304.